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Wie alt werden Hunde? Lebenserwartung nach Rassen in Jahren

gebäck in knochenform mit geburtstagskerzen darauf advice © Shutterstock

Wie berechnet man das Alter eines Hundes auf vernünftige Art und Weise? Reicht es die Anzahl der Hundejahre mit 7 zu multiplizieren? Und wie hoch ist die Lebenserwartung der einzelnen Hunderassen wirklich wirklich? Diesen Fragen wollen wir auf den Grund gehen.

von Tim Brinkhaus

 

Stimmt das: Hundejahre sind Menschenjahre mal 7?

Was ist dran an der bekannten Umrechnungsformel? Wissenschaftliche Genauigkeit bringt jetzt eine Studie, die im Wissenschaftsjournal „The American Naturalist“ veröffentlicht wurde. Sie hat sich mit dem Altersfaktor von Hunden beschäftigt und gründet auf die Untersuchung von mehr als 50.000 Hunden und 74 Rassen. Die Ergebnisse machen eine differenzierte Rechnung auf, die ganz grundsätzlich so zusammengefasst werden kann: 

Hundejahre = Menschenjahre / gewichtspezifischer Faktor

Außerdem ist die Lebenserwartung deutlich von Rasse bzw. Reinrassigkeit, Genetik sowie Lebensumständen, Ernährung, Pflege, Umfeld und Aktivität abhängig. Die interessanten Erkenntnisse: Große Hunde kommen bei Weitem nicht auf eine so hohe Lebenserwartung wie kleine und meistens leben Mischlinge auch deutlich länger als ihre reinrassigen Artgenossen der selben Gewichtsklasse.

Kleine Hunde und Mischlingshunde werden älter als große Hunderassen

Eine Studie der Universität Göttingen bestätigt 2013 diese Forschungsergebnisse. Während es die Vertreter großer Rassen wie Doggen und Bernhardiner häufig nur auf fünf bis acht Lebensjahre bringen, kommen Terrier, Dackel und andere kleinere Exemplare mit zehn bis 14 Jahren auf fast die doppelte Lebenserwartung. Aber warum? Es hat lange gedauert, bis die Wissenschaft für diesen doch sehr großen und traurigen Unterschied eine Erklärung gefunden hat, denn eigentlich ist es im Tierreich so, dass größere Tierarten häufig länger leben. Das beste Beispiel dafür sind Elefanten und Wale, die schließlich zu den langlebigsten Säugetieren der Erde zählen. Die Evolutionsbiologin Dr. Cornelia Kraus (Universität Göttingen) folgerte, dass größere Hunderassen eine kleinere Lebenserwartung haben, weil sie schneller altern. Die Entwicklungsphase eines Welpen der großen Rasse geht viel schneller voran als die der kleinen Rassen. Ihre Erklärung ist, die beschleunigte Wachstumsrate könnte dafür verantwortlich sein, dass das Zellwachstum anormal vorangeht und die Krebsrate und somit Sterblichkeit bei großen Rassen höher ist. Weil sich die Zellen von großen Hunden schneller teilen, scheine ihr Leben wie im Zeitraffer abzulaufen, so Krauses Auffassung. 

Ein schwacher Trost bleibt: Mit der gestiegenen Lebenserwartung des Menschen stieg immerhin auch die durchschnittliche Lebenserwartung unserer geliebten Vierbeiner. So wie der Mensch werden auch sie immer älter. Eine Umfrage aus dem Jahr 2005 von Myonline-Panel ergab, dass allein im Zeitraum von 1982 bis 1996 die Lebenserwartung von Hunden um über zwei Jahre gestiegen ist, so dass inzwischen fast jeder dritte Hund in Deutschland zu den Senioren zählte. 1982 wurden Hunde im Durchschnitt 9,5 Jahre, 2005 bereits 11,9 Jahre. Das ist ein Plus von 25 %!

Die durchschnittliche Lebensdauer von Hunden nach Größe

Im Schnitt werden Hunde 12 Jahre alt, wobei es zu folgenden Abweichungen kommt:

  • Kleine Rassen: 10 bis 15 Jahre 
  • Mittlere Rassen: 10 bis 13 Jahre 
  • Große Rassen: 8 bis 12 Jahre 
  • Riesenrassen: 8 bis 10 Jahre

Bekannte Hunderassen und ihre durchschnittliche Lebenserwartung

Weitere Faktoren für die Lebenserwartung

  • Rüden und Hündinnen in etwa eine gleich hohe Lebenserwartung haben.
  • Kastrierte Hunde leben im Durchschnitt länger als nicht-kastrierte.
  • Hunde, die in ländlichem Umfeld gehalten werden, haben eine höhere Lebenserwartung als Stadthunde (Stress, Schadstoffen)
  • Schlanke Hunde leben deutlich länger als Hunde mit Übergewicht.

Wann wird mein Hund ein Senior?

Alterung ist keine Krankheit, sondern ein vollkommen natürlicher Vorgang. Der Übergang vom Erwachsenenalter zum Senioren-Stadium ist dabei fließend und individuell. Per Faustregel gehört ein Hund ab einem Dreiviertel seiner durchschnittlichen Lebenserwartung zu den Senioren. Bei einer Rasse, die 16 Jahre alt wird, würde ein Hund also ab 12 Jahren als „alt“ gelten. Trotzdem sind auch einige alte Hunde noch deutlich fit als gleichaltrige Artgenossen. Ähnlich wie beim Menschen gibt es also auch unter den Hunden Exemplare, die sich „gut gehalten“ haben und denen man ihr Alter nicht sofort ansieht. Vielleicht sind die grauen Haarspitzen ein ähnliches Merkmal von Mensch und Hund, sobald der Alterungsprozess einsetzt. Vielleicht die etwas steifere Art sich fortzubewegen, oder vielleicht ein Zahn, der raus muss und hin und wieder der fragende Blick und die kurzzeitige Vergesslichkeit, wenn Freunde nicht mehr gleich stürmisch oder gar mürrisch begrüßt werden. Und selbstverständlich gibt es auch Alterserkrankungen, die sich häufen, wie zum Beispiel Arthrose oder auch ernsthaftere Symptome, um die Sie sich kümmern müssen. 

Fazit: Wie alt Ihr Liebling wird, hängt, wie bei uns Menschen, zum allergrößten Teil von einer gesunden Lebensführung ab. Und das ist ja schließlich Ihre Aufgabe als Hundehalter. Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und liebevolle Zuwendung sind entscheidend für ein langes Hundeleben. Achten Sie darauf, was Sie Ihrem Hund hochqualitative Nahrung zu fressen geben, gönnen Sie ihm eine stressfreie Zeit und genug Schlaf. Außerdem sollten Sie Ihrem vierbeinigen Gefährten ab dem Eintritt ins Seniorenalter mindestens zweimal im Jahr den Besuch beim Arzt und einen gründlichen Check-up gönnen. So können Sie sicher sein, dass es sich „nur“ um Alterswehwechen handelt und um nichts Ernsthaftes. Beschäftigen Sie sich viel mit Ihrem Liebling, denn wie so oft im Leben geht es nicht um Quantität, sondern um die Qualität, die Freude, Verbundenheit und den Spass, die Sie jede Minute mit Ihrem Hund geteilt haben. So bestehen die besten Chancen, gemeinsam alt zu werden. Andersrum ist es übrigens genauso: Auch ihr Hund möchte mit Ihnen alt werden, also achten Sie auch auf sich und ihre Gesundheit und schließen Sie einen Pakt fürs Leben. 

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