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Was tun, wenn der Hund Kot frisst?

hund-naehert-sich-kot advice © Shutterstock

Es ist nicht besonders schön mit anzusehen, wenn Hunde oder Welpen ihren eigenen oder den Kot von Katzen, Hühnern oder anderen Tieren beschnüffeln und fressen. Koprophagie ist der Fachausdruck für das Kotfressen bei Hunden. Die Vierbeiner bringen damit nur nicht selbst in Gefahr, sondern können auch zu einer echten Infektionsquelle für uns Menschen werden. Wir zeigen mögliche Ursachen des Kotfressens, das damit verbundene Risiko und was Sie tun können, um es zu unterbinden.

von Philipp Hornung

Es ist nicht unbedingt normales Verhalten, wenn Hunde Kot fressen. Ihre Urahnen, die Wölfe, machen das nicht. Experten sind der Meinung, dass Welpen Kot fressen, um die eigene Darmflora aufzubauen. Durch flüchtige Fettsäuren haben die Ausscheidungen eine hohe Attraktivität für viele Hunde. Die Ursache kann ganz verschieden sein.

Gründe, warum ein Hund Kot frisst

Es gibt viele Gründe, warum Hunde Kot fressen.

Futtermangel

Bei einem Hund, der vernachlässigt wird und nur unregelmäßig Futter bekommt, kann es sein, dass er selbstständig nach Nahrung sucht. Es kann sein, dass er versucht, über Kot einen Mangel auszugleichen. Wenn er sich erst daran gewöhnt hat, wird es ihm schwerfallen, wieder davon loszukommen.

Neugierde

Neugierde ist in erster Linie bei Welpen der Grund. Sie entdecken die Welt und testen vieles. Dazu kann auch das Fressen von Kot, Aas, Abfall und vielen anderen Dingen gehören, die eigentlich nichts mit der Hundefütterung zu tun haben.

Krankheit

Bei einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse kann es sein, dass Hunde die Nährstoffe aus dem Futter nicht mehr verwerten können. Durch die Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse verlieren sie an Gewicht und versuchen durch Nahrung Energie zu bekommen. Dabei kann es sein, dass der erkrankte Hund Kot aufnimmt. Hochleistungshunde wie Schlitten- und Windhunde haben ebenfalls dieses Verhalten, um auf schnellstem Weg ihren hohen Energieverlust auszugleichen.

Frustration

Hunde können frustriert sein, wenn die Hygiene schlecht ist, die Zwinger überfüllt sind und der Kontakt zu Menschen mangelhaft. Das kann sich durch Kotfressen äußern.

Revierverhalten

Kot und Urin sind Territorialkennzeichen. Bei Hunden kann es bei extremen Revierverhalten vorkommen, dass sie Markierungen von möglichen Rivalen durch das Kotfressen aus dem Territorium entfernen wollen.

Suche nach Aufmerksamkeit

Der Hund bekommt oftmals viel Aufmerksamkeit, und wenn es in Form von Schimpfen ist, wenn er Kot frisst. Er kann das Verhalten einsetzen, wenn er sich vernachlässigt fühlt.

Risikofaktoren und Folgen des Kotfressens

Giardien

Bei Giardien handelt es sich um hochinfektiöse, parasitäre Einzeller, die durch den infizierten Durchfall und weichen Kot von anderen Hunden aufgenommen werden. Sie können sich aber auch in Pfützen aufhalten. Giardien können auch für den Menschen gefährlich werden. Hunde bekommen Durchfall, der sich nur mit tierärztlicher Hilfe behandeln lässt. Im Allgemeinen erkranken Hunde an Giardien, wenn ihr Immunsystem nicht intakt ist.

Wurmeier

Wurmeier kann der Hund durch Schnüffeln aufnehmen. Die Parasiten können durch das Fressen von Mäusen, kleinen Beutetieren, Aas, Kot oder rohem Fleisch, wenn es mit Würmern verunreinigt ist, aufgenommen werden. Mücken und über die Haut können ebenso einige Wurmarten übertragen. Durch eine regelmäßige Entwurmung kann dem entgegengewirkt werden.

Spulwürmer

Durch das Verschlucken der infektiösen Wurmlarven kann es zum Befall mit Spulwürmern wie Toxocara canis kommen, die weltweit vorkommen. Bei erwachsenen Hunden verursachen wenig Würmer meist keine Symptome. Bei einem massiven Befall kann der Hund geschädigt werden. Welpen sind durch den Befall von Würmern gefährdet und können sich schon ungeboren im Mutterleib mit Spulwürmern infizieren. Spulwürmer verursachen vielfältige Schäden, die sich nach dem Ausmaß des Befalls und dem Larvenstadium des Spulwurms richten. Es kommt beim Hund zu einer Mangelversorgung mit wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen und anderen Vitalstoffen. Das kann zahlreiche Folgen haben und sämtliche Organe befallen. Moderne Wurmmittel helfen effektiv und einfach gegen Spulwürmer. Bei einer regelmäßigen Entwurmung alle drei Monate lassen sich neu eingedrungene Wurmlarven rechtzeitig bekämpfen. Menschen können durch Spulwürmer der Toxocara-Familie die schwere Toxocariasis bekommen.

Bandwürmer

Eine geringe Zahl von Bandwürmern tolerieren Wirte bei ausreichender Ernährung, ohne das Krankheitssymptome auftreten. Bei massivem Befall kommt es zu Mangelversorgung und Verdauungsproblemen. Es gibt viele Bandwürmer wie den Gurkenkernbandwurm und zahlreiche Mitglieder der Taenia-Familie, die auf der ganzen Welt vorkommen. Der kleine Fuchsbandwurm hingegen beschränkt sich auf Mitteleuropa. Symptome von starkem Wurmbefall können vermindertes Leistungsvermögen, Lethargie, Krankheitsanfälligkeit und glanzloses, struppiges Fell sein. Es kann zu Verstopfungen und Darmverschluss kommen. Verlassen die mobilen Bandwurmsegmente den Darm, kann das zu starkem Juckreiz im Analbereich führen. Durch moderne Wurmmittel lassen sich Bandwürmer einfach und effektiv entfernen. Im Rahmen einer regelmäßigen Entwurmung alle drei Monate, können neu verschluckte Wurmeier oder Larven gar nicht erst zu ausgewachsenen Würmern heranwachsen. Steckt sich der Mensch mit dem kleinen Fuchsbandwurm an, kann es zu einer lebensgefährlichen alveolären Echinokokkose kommen. Taenia-Bandwurminfektionen zeigen weniger schwerwiegende Symptome.

Hepatitis

Die Hepatitis contagiosa canis (Hcc) gehört zu den Virusinfektionen. Dabei entzündet sich die Leber chronisch. Der weltweit vorkommende Erreger überträgt sich durch Speichel, Kot oder Urin von Tier zu Tier. Nicht nur Hunde, sondern auch Waschbären und Stinktiere können Überträger sein. Die Ansteckungsgefahr ist besonders hoch, da das Virus mehrere Monate außerhalb des Wirtskörpers überlebt. Die Symptome treten zwei bis zehn Tage nach der Infektion auf. Fieber, Erbrechen, Durchfall, entzündete und sich blau verfärbende Augen und ein Sekret, das aus der Nase austritt. Je nach Ausbreiten des Erregers im Körper können lebenswichtige Organe geschädigt werden, sodass der Hund sogar sterben kann. Besonders bei Welpen endet die Krankheit oft tödlich.

Parvovirose

Parvovirose wird über den Kot verbreitet und kann bei Welpen innerhalb von kurzer Zeit tödlich enden. Es handelt sich bei der Parvovirose um eine hochinfektiöse Viruserkrankung. Besonders junge Hunde im Alter von 2 bis 16 Wochen und alte Hunde sind gefährdet. Die Erkrankung tritt mit Fieber auf. Dazu kommen Fressunlust und Teilnahmslosigkeit. Es kommt zu starken, oft blutigen Durchfällen und einer starken Abnahme weißer Blutkörperchen. Die Abwehrfähigkeit des erkrankten Organismus wird vermindert, wodurch es zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen kann. Mit dem Kot kommt es zur Ausscheidung von großen Mengen hochinfektiösen Erregermaterials. Schwere Verlaufsformen führen innerhalb von 24 bis 48 Stunden zum Tod. Die Bestimmung der Anzahl der Leukozyten ist ein wesentliches diagnostisches und prognostisches Kriterium. Die Werte sinken bei typischen Verläufen um 500 bis 3000 pro Mikroliter. Umso niedriger der Wert ist, desto schlechter ist die Prognose für den Hund. Die Viren können meist auch über einen Schnelltest (Antigen-ELISA) aus dem Kot nachgewiesen werden. Ebenso ist über Zellkulturen oder via PCR ein Erregernachweis möglich. Der direkte Nachweis von Antikörpern aus dem Blut funktioniert bei Hunden ohne Impfung. Die Behandlung dient in erster Linie der Stabilisierung mit Infusionen. Es wird ein Antibiotikum verabreicht, um bakterielle Infektionen zu vermeiden. Die Applikation von Interferonen und Serum-Antikörpern bekämpft den Virus selbst. Es müssen strikte Hygienemaßnahmen eingehalten werden, damit sich die Erreger nicht weiterverbreiten können.

Toxoplasmen

Toxoplasmen können Hunde direkt nach der Aufnahme von Katzenkot über Schnauze oder Fell auf den Menschen übertragen. Die Toxoplasmose ist eine Krankheit, die Menschen und Hunde gleichermaßen befallen kann. Hunde leiden bereits zu Beginn der Krankheit stark. Eine unbehandelte Toxoplasmose kann chronisch werden mit einer schweren Hirnhautentzündung. Symptome sind Brechdurchfall, Husten, Probleme an Augen und Herz sowie Gelbsucht. Toxoplasmose kann nur schwer und aufwendig diagnostiziert werden. Dazu sind Blutanalysen und neurologische Untersuchungen nötig. Durch Antibiotika und eine Sulfonamidkur kann - die chronische Form in frühen Stadien verabreicht - verhindert werden.

Salmonellen

Salmonellen können aus dem Kot von Hühnern oder Nagetieren aufgenommen werden. Über die Schnauze und das Fell kann der Hund sie weiter auf den Menschen übertragen, was eher selten passiert. Brechdurchfall mit blutigen Ausscheidungen können Symptome einer Salmonellose sein. Es kann zu Fieber, Gewebeaustrocknung, extremer Schwäche und Mattigkeit kommen. In der Folge kann es zu einer Darmentzündung führen. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann sie zum Tod des Hundes führen. Bei Hunden mit intaktem Immunsystem muss sie nicht zum Ausbruch kommen.

Vergiftung

Die Gefahr einer Vergiftung besteht besonders, wenn Hunde Pferdeäpfel fressen, die von entwurmten Pferden stammen. Die Pferdeäpfel können giftig sein, wenn die Pferde gerade erst entwurmt wurden. Bei der Pferdeentwurmung kommen pharmazeutische Mittel zum Einsatz. Hunde sollten daher auf keinen Fall Pferdeäpfel fressen.

Maßnahmen, wenn der Hund Kot frisst

Neben dem Training gibt es ein paar Maßnahmen, mit denen Hunde davon abgehalten werden können, Kot zu fressen.

Mögliche Ursachen medizinisch abklären

  • Beim Tierarzt abklären, ob Mangelerscheinungen vorliegen

  • Eventuell Blutbild machen lassen

Ernährungsprobleme abklären

  • Auf hochwertiges Futter umstellen, beispielsweise BARF

  • Futtermenge prüfen, gegebenenfalls Rücksprache mit dem Tierarzt

Mangelerscheinungen ausgleichen

  • Nach tierärztlicher Abklärung Nahrungsergänzungsmittel zufüttern

  • Eventuell Blättermagen oder Pansen zum Futter hinzufügen

Hund beobachten

  • Beim Gassi gehen und beim Freilauf den Hund vorausschauend beobachten

Verhaltenstherapeutische Maßnahmen

  • Den Hund artgerecht beschäftigen und auslasten

Hygieneerziehung

  • Abbruchkommandos trainieren

  • Jeden Versuch der Kotaufnahme direkt unterbinden

  • Hat der Hund es doch geschafft Kot aufzunehmen, nicht schimpfen, er würde den Zusammenhang drei Sekunden später nicht mehr verstehen

Risikomanagement

  • Im Garten jeden Kothaufen direkt entfernen, damit der Hund gar keine Möglichkeit hat den Kot aufzunehmen

  • Zwinger direkt säubern

Hausmittel

  • Vor dem Gassigehen Harzer Roller, Romadur oder anderen besonders stinkenden Käse füttern

  • Trockenen Pansen oder frischen grünen Pansen füttern

  • Banane ins Futter mischen

  • Frischen ungewaschenen Blättermagen füttern

  • In jede Futtergabe ein kleines Stück Hefe geben

  • Biotin und Vitamin-B Nahrungsergänzung

  • Auf BARF (Biologisch Artgerechte Roh Fütterung) umstellen