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Wenn die Kniescheibe herausspringt: Patellaluxation beim Hund

Hund mit Patellaluxation advice
© Shutterstock

Bei der Patellaluxation springt, salopp gesagt, die Kniescheibe heraus. Dabei gibt es bei Hunden ein charakteristisches Gangbild, wenn das passiert. Sind Tiere von der Patellaluxation betroffen, sind ihre Knochen von Unter- und Oberschenkel so geformt, dass ihr gerades Kniescheibenband nicht mittig über die dafür vorgesehene Rinne verläuft. Und die Kniescheibe damit natürlich auch nicht mehr.

von Silke Reininger

Das Kniegelenk wird durch große Muskeln gestreckt. Die Muskeln entspringen an Oberschenkel- und Beckenknochen. Sie verlaufen an der Oberschenkelvorderseite, um sich dann direkt über dem Kniegelenk in einer gemeinsamen Sehne zu treffen. Die Sehne wird als gerades Kniescheibenband oder Patellarsehne bezeichnet. Die Sehne verläuft vorne über das Kniegelenk bis zum Unterschenkel und setzt direkt unterhalb vom Kniegelenk an. Die Kniescheibe ist in dieses Band eingelagert. Dabei verläuft die Kniescheibe wie in einer Rinne. Wenn sie ihre mittige Position verlässt, spricht man bei betroffenen Hunden von einer Patellaluxation: Die Kniescheibe springt hinaus. Der Streckmechanismus kann dadurch nicht mehr richtig funktionieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Herausspringen der Kniescheibe ist nach innen oder außen möglich
  • Nach innen springt sie häufiger heraus
  • Manchmal kommt es nur hin und wieder zu einer Luxation. Sie kann sogar ein Zufallsbefund vom Tierarzt sein
  • Es gibt vier Grade bei einer Patellaluxation

Wie zeigt sich eine Patellaluxation?

Es gibt für das Herausspringen der Kniescheibe eine ganz typische Lahmheit. Der Hund läuft normal, auf einmal ist das Aussetzen des betroffenen Beins für ein bis zwei Schritte zu bemerken, anschließend läuft der Hund ganz normal weiter. Diese „Hüpfen“ wird oft von Tierhaltern als lustig angesehen und völlig fehlinterpretiert. Es ist ein klassisches Symptom einer Patellaluxation. Wenn ein Halter das bemerkt, sollte er seinen Hund aber baldmöglichst einem Tierarzt vorstellen.

Gibt es Hunde, die besonders anfällig sind?

Überwiegend leiden kleine Hunde und Zwergrassen an einer Patellaluxation. Mittlerweile sind aber auch mehrere mittlere und größere Hunderassen davon betroffen. Bei ihnen findet die Luxation eher nach außen statt, während bei den kleinen Rassen die Luxation auf die Innenseite erfolgt. Es gibt einen Nachweis seit vielen Jahren, dass die Vererbung der Patellaluxation häufig gegeben ist.

Die Luxation ist nicht bei allen Rassen gleich stark ausgeprägt, aber besonders bei Zwergpudel, Yorkshire Terrier, Chihuahua oder Pekinese gibt es viele Fälle.

Wann sollte der Hund zum Tierarzt?

Fällt beim Spazierengehen mehrfach auf, dass der Hund das Bein komplett entlastet, sollte er baldmöglichst zum Tierarzt. Wird eine Patellaluxation nicht behandelt, hat das zwar nicht sofort eine Arthrose zur Folge, führt aber zu einer Schädigung des Knorpels. Die Fehlhaltung kann zudem zu einem Kreuzbandriss führen. Der Tierarzt kann die Luxation in vier Grade einteilen.

  • Keine Luxation entspricht dem Grad 1. Damit wäre der Hund zur Zucht zugelassen. Beim Grad 1 geht die Kniescheibe spontan zurück in die Normalposition. Hier gibt es kaum Lahmheiten
  • Bei den Graden 1 oder 2 kann Physiotherapie helfen. Die Kniescheibe bleibt durch gerichteten Muskelzug an ihrem Platz. Es kommt hierbei meist zu einer geringen Bildung von Arthrose, allerdings wird der Knorpel zwischen Patella und Oberschenkel abgetragen, wenn die Patellaluxation jahrelang nicht behandelt wird. Das lässt sich auch bei einer Operation nicht wieder beheben. 
  • Grad 2 und 3 sind fließend und lassen sich manchmal nur schwer unterscheiden. Die Kniescheibe ist bei beiden oftmals nicht in der Rinne, die Verlagerung der Kniescheibe ist dauerhaft. Die Hunde können die Kraft nicht übertragen und entlasten das Bein
  • Die Grade 2 bis 4 zeigt ein Hund meist schon deutlich. In der Regel muss hier eine Operation folgen
  • Beim Grad 4 ist es nicht mehr möglich, die Patella aus der Luxation zurück zu schieben. Das kann übersehen werden, wenn die Hunde für Monate bis Jahre ziemlich stabil laufen. Bis sie schließlich eine massive Arthrose bekommen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Am sichersten und so ziemlich die einzige Möglichkeit ist in dem Fall die Operation. Dabei wird die Patella in die richtige Position gebracht und fixiert. Die Knochen werden entsprechend präpariert, damit die Patella auch dauerhaft an ihrem Platz bleibt. Ist der Knorpel schon sehr stark geschädigt, kann eine Halbprothese zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um eine teure Operation. Die Standard-Operation zum Beheben der Luxation liegt ungefähr bei 800 Euro. Für die Halbprothese muss wesentlich tiefer in die Tasche gegriffen werden. Einer Patellaluxation vorzubeugen ist eigentlich nicht möglich. Durch gezieltes Muskeltraining könnte beim Junghund die Kniescheibe zwar stabilisiert werden, aber das hat auf Dauer keinen Effekt.

Die Patellaluxation wird genetisch weitergegeben. Die einzig effektive Vorbeugung wäre das Züchten mit Patellaluxationsfreien Hunden.

Unser Tipp

Besonders bei kleinen Hunden sollten sich Interessenten die Papiere der Eltern zeigen lassen, ob diese Bescheinigungen der Patellaluxation-Freiheit haben. Wenn zudem mehr Züchter konsequent darauf achten würden, dass wirklich nur mit Hunden gezüchtet wird, die nicht vorbelastet sind, lässt sich das Problem beheben. Die Behandlung ist in den meisten Fällen nur operativ möglich. Die Prognose dafür ist gut. Wer keine Tierkrankenversicherung hat, muss die Kosten selbst tragen.