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Auslandsadoption von Hunden: Was man vorher unbedingt wissen muss

Straßenhunde in Rumänien advice © Symbolbild

Manche verlieben sich spontan im Urlaub in Rumänien, Spanien, Portugal oder Griechenland in einen Vierbeiner. Andere suchen gezielt nach einem Hund aus dem ausländischen Tierschutz oder nach einem Rassehund von einem ausländischen Züchter. Doch die Adoption eines Hundes aus dem Ausland kann einige Hürden mit sich bringen. Wir geben Tipps!

von Philipp Hornung

Gründe für einen Hund aus dem ausländischen Tierschutz

„Hier gibt’s doch genug Tiere im Tierheim, warum holst du einen Hund aus Spanien?“

Wer einen Hund aus dem ausländischen Tierschutz einziehen lässt, wird früher oder später solche Sätze hören. Denn die Adoption eines Hundes aus dem Ausland ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Nicht nur, weil es in Deutschland, Österreich und der Schweiz ebenfalls viele Vierbeiner gibt, die auf ein gutes Zuhause warten. Sondern auch, weil die Vierbeiner aus südlichen und östlichen Ländern unter Verdacht stehen, Krankheiten mitzubringen.

Doch viele deutsche Tierheime haben Partnerschaften mit ausländischen Organisationen und übernehmen regelmäßig Hunde aus dem Ausland. In Ländern wie Rumänien, Portugal, Spanien oder Griechenland sind viel Aufklärungsarbeit und Projekte rund um die Kastration von Streunern wichtig. Nur so kann sich etwas an der schlechten Lage ändern. Aber das hilft den jetzt lebenden Tieren nicht – und davon gibt es viele! In einigen Ländern sind die Haltungsbedingungen in „Tierheimen“ vergleichsweise katastrophal: zu viele Tiere, zu wenig Geld. Oft sitzen dort Straßenhunde, aber auch von ihren Besitzern entsorgte Vierbeiner, hinter Gittern. Vor allem junge Hunde ohne traumatische Erfahrungen lassen sich in Deutschland gut vermitteln. Alte und kranke brauchen einen Platz für „Notfelle“. In ihrer Heimat haben diese Vierbeiner keine Chance.

In manchen Ländern wie Rumänen müssen Tierauffangstationen Tiere nach mehreren Wochen Aufenthalt töten, wenn sie keinen Interessenten haben. Eine Adoption kann ihr Leben retten.

Was, wenn Sie sich spontan in einen Straßenhund verlieben? Kontaktieren Sie den örtlichen Tierschutz und bitten Sie um Hilfe. Denn während eines regulären Urlaubs ist es in den meisten Fällen nicht möglich, die nötigen Voraussetzungen für die Reise über die Grenze zu erfüllen.

Hunde aus Rumänien adoptieren

Straßenhund in Rumänien
Straßenhund in Rumänien© Shutterstock

Seit 2014 dürfen herrenlose Hunde in Rumänien nach zwei Wochen Wartezeit getötet werden. Zudem gibt es eine Kastrationspflicht für freilaufende Hunde, die sich viele Halter nicht leisten können.

In Rumänien steht das größte Tierheim der Welt: das Tierheim Smeura in Pitesti mit rund 5.400 Tieren.

Gegründet haben es deutsche Tierschützer vom Verein Tierhilfe Hoffnung als Reaktion auf die unbarmherzigen Tötungen rumänischer Straßenhunde. Sie arbeiten mit zahlreichen Tierheimen in Deutschland und anderen Ländern zusammen, denen sie die Hunde aus Rumänien bringen. So läuft die abschließende Gesundheitskontrolle und Vermittlung über ein lokales Tierheim. Dies kann mehr über den Charakter des Hundes herausfinden, bevor er zur Vermittlung steht. Tierhilfe Hoffnung bietet rumänischen Haltern außerdem in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund kostenlose Kastrationen an. Natürlich gibt es zahlreiche weitere Organisationen, die Hunde aus Rumänien vermitteln.

Mehr Informationen zur Adoption von Hunden aus Rumänien finden Sie hier.

Hunde aus Portugal oder Spanien adoptieren

Streuner auf Madeira
Ein Streuner in Madeira© Shutterstock

Auch in weiteren bei Touristen beliebten Ländern wie Portugal oder Spanien gibt es viele Straßenhunde. Hierzu zählen in Spanien viele Podencos und Galgos, die bei der Jagd ausgedient haben. die In den Touristenhochburgen sind es weniger, doch das Problem ist nach wie vor groß. Viele Tierschutzorganisationen setzen sich für die Kastration von Streunern ein und vermitteln Tiere nach Deutschland. Auch sie suchen regelmäßig Flugpaten.

Mehr Informationen zur Adoption von Hunden aus Spanien finden Sie hier.

Hunde aus Griechenland adoptieren

Während sich viele Straßenhunde in Griechenland in der Touristen-Saison durchschlagen können, sieht es danach düster aus. Hier gibt es viele Streuner, die sich unkontrolliert vermehren.

Viele Hunde sterben an Giftködern. Die griechischen Tierheime sind chronisch überfüllt.

Einige Tierschutzorganisationen aus Deutschland haben sich auf die Vermittlung von griechischen Hunden konzentriert. Sie suchen nicht nur neue Besitzer für ihre Hunde, sondern immer wieder Flugpaten.

Mittelmeer-Krankheiten

Bei einer Reise nach Deutschland sind ein EU-Heimtierausweis sowie eine gültige Tollwut-Impfung Pflicht. Um Formalien kümmern sich die jeweiligen Tierschutzvereine. Viele Hundehalter fürchten die „Mittelmeerkrankheiten“ wie Leishmaniose, Ehrlichiose und Babesiose. Seriöse Tierschutzorganisationen testen die Tiere vor der Vermittlung auf diese Krankheiten. Allerdings sollten Sie den Test einige Wochen nach der Ankunft Ihres neuen Mitbewohners wiederholen lassen. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über den besten Zeitpunkt. Leishmaniose und Ehrlichiose können in seltenen Fällen Jahre nach einem negativen Bluttest ausbrechen. Nehmen Sie darum die jährlichen Kontrolluntersuchungen mit Ihrer neuen Fellnase unbedingt wahr.

Verhalten ehemaliger Straßenhunde

Viele unterschätzen die Schwierigkeiten, die ein Hund aus einem komplett anderen Lebensumfeld mit sich bringen kann. Diese Herausforderungen hängen davon ab, was der Vierbeiner bisher erlebt hat. Versuchen Sie, so viel wie möglich über die Vorgeschichte herauszufinden. Sitzt der Hund bis zur Vermittlung im Ausland, haben Sie vorher keine Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen. Prüfen Sie kritisch, ob der Hund zu Ihren Lebensumständen passt.

Kinder und Katzen im Rudel, Autofahren, Treppen steigen, Alleinbleiben-Können sind einige der vielen Bereiche, die ehemalige Straßenhunde oft nicht kennen. Manche Hunde kennen weder Halsband noch Leine.

Wenn Sie solche Herausforderungen annehmen, kontaktieren Sie am besten bereits vor Einzug des Hundes einen Hundetrainer. Sprechen Sie offen mit der vermittelnden Tierschutzorganisation über Ihre Hundeerfahrung und das, was den Vierbeiner bei Ihnen erwartet.

Tipp: Viele Organisationen haben Hunde aus dem ausländischen Tierschutz in privaten deutschen Pflegestellen untergebracht. Dies ermöglicht Ihnen, Ihren Wunschhund zu besuchen. Zudem kann die Pflegestelle Ihnen mehr Infos rund um den Charakter des möglichen neuen Mitbewohners geben.

Sechs Tipps: Hunde aus dem Ausland adoptieren

  • Adoptieren Sie kein Tier aus Mitleid, sondern lassen Sie sich Zeit für die Entscheidung.
  • Achten Sie auf gesundheitliche Vorsorge und Schutz vor Mittelmeerkrankheiten.
  • Stellen Sie viele Fragen rund um den Charakter des neuen Vierbeiners und überlegen Sie, ob dieser zu Ihrer Hundeerfahrung passt.
  • Unterstützen Sie nur Tierschutzvereine, die nachhaltig arbeiten – zum Beispiel durch Kastrationsprojekte im Ausland.
  • Stellen Sie Ihren neuen Mitbewohner baldmöglichst dem Tierarzt vor.
  • Unsicher? Pflegestellen in Deutschland ermöglichen ein Kennenlernen.

Ein Rassehund aus dem Ausland

Ihr Wunschhund ist Ihnen zu teuer und Sie werfen darum einen Blick nach Polen oder Tschechien? Nur aus Kostengründen ist dies keine gute Idee! Natürlich gibt es dort ausgezeichnete und seriöse Hundezüchter. Leider aber auch solche, die Tiere unter fragwürdigen Bedingungen züchten, um sie günstig anzubieten. Gesundheitsüberprüfungen, Papiere, umfangreiche Prägung der Welpen – Fehlanzeige! Zudem leiden die Elterntiere oft unter schlechten Haltungsbedingungen. Schauen Sie sich lieber bei Tierschutzvereinen um, die auch Rassehunde vermitteln.

Wer auf der Suche nach einer seltenen und landesspezifischen Rasse ist, kann sich im Heimatland dieser Rasse nach geeigneten Hunden umschauen. Holen Sie den Vierbeiner in jedem Fall selbst in seinem Zuhause ab. So können Sie sich einen besseren Eindruck von der Zucht machen.