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Diagnose Diabetes: Was Hundehalter wissen müssen

Hund wird beim Tierarzt untersucht advice © Shutterstock

Die „Zuckerkrankheit“ Diabetes kann auch Hunde treffen. Doch mit der richtigen Therapie und Einsatz seitens der Besitzer können Diabetes-Hunde ein ganz normales Leben führen. Erfahren Sie hier, was Diabetes für den Hund bedeutet und wie Sie gemeinsam mit Ihrem Tierarzt die Krankheit behandeln.

von Tim Brinkhaus

Was ist Diabetes beim Hund?

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselkrankheit, die bei Hunden ähnlich verläuft wie bei Menschen. In einem gesunden Körper produziert die Bauchspeicheldrüse Insulin. Dieses Hormon transportiert den Zucker aus dem Blut zu den Körperzellen, die daraus Energie gewinnen. Nach einer Mahlzeit steigt der Insulinspiegel an, um den enthaltenen Zucker entsprechend abzubauen. Bei Diabetes funktioniert dieser Insulin-Mechanismus nicht mehr richtig. In Folge gelangt die in der Nahrung enthaltene Glukose nicht in die Zellen, sondern bleibt im Blut. Der Blutzuckerspiegel steigt. Dem Körper fehlt Energie und die Tiere magern im Verlauf der Erkrankung ab.

Wie beim Menschen gibt es auch beim Hund verschiedene Diabetes-Typen.

  • Typ-1-Diabetes bedeutet, dass der Hund zu wenig Insulin produziert.
  • Typ-2-Diabetes tritt nur sehr selten bei Hunden auf. Bei dieser Form ist ausreichend Insulin vorhanden, doch der Körper kann es nicht erkennen. Experten sprechen in diesem Fall von einer Insulinresistenz. Zudem gibt es beim Hund einige Krankheiten, die zu Diabetes-Symptomen führen.
  • Zu diesen Typ-3-Diabetes-Formen zählen das Cushing Syndrom, Schilddrüsenunterfunktionen oder Diabetes während der Trächtigkeit.

Risiko: Warum bekommen Hunde Diabetes?

Häufig spielen genetische Faktoren eine Rolle. Einige Rassen erkranken häufiger an Diabetes als andere. Hierzu zählt eindeutig der Samojede. Auch Rassen wie Pudel, Dackel und Labrador Retriever wird eine Neigung zu Diabetes zugesprochen. Allerdings ist nicht eindeutig, inwiefern die häufigeren Diabetes-Fälle mit der Beliebtheit dieser Rassen zusammenhängen. Auch das Geschlecht hat Einfluss auf das Diabetes-Risiko beim Hund: Hündinnen leiden öfter unter Diabetes als Rüden. Ähnlich wie beim Menschen haben übergewichtige Hunde, die sich wenig bewegen, ein höheres Diabetes-Risiko als normalgewichtige. Die meisten Vierbeiner erkranken im fortgeschrittenen Alter.

Symptome: Daran erkennen Sie Diabetes beim Hund

Wenn Sie diese Symptome über mehrere Tage bei Ihrem Hund beobachten, besteht Verdacht auf Diabetes:

  • starker Durst und entsprechend häufiges Urinieren
  • mehr Hunger, obwohl der Hund abnimmt
  • kleine Wunden heilen langsamer
  • stumpfes Fell
  • Müdigkeit bis hin zur Apathie
  • Spätfolge: Trübung der Augenlinse – Grauer Star

Darüber hinaus kann bei Diabetiker-Hunden eine lebensgefährliche Ketoazidose auftreten. Dabei gerät der ganze Stoffwechsel aus der Balance.

Wenn Ihr Hund keinen Appetit mehr hat, erbricht, Bauchschmerzen hat und sich apathisch verhält: Suchen Sie mit ihm schnellstmöglich einen Tierarzt auf.

Auch Unterzucker im Rahmen einer Insulin-Therapie kann lebensgefährlich sein. Unbehandelt ist Diabetes tödlich.

Diabetes-Therapie für Hunde

Die gute Nachricht ist: Die meisten Hunde mit Diabetes können ein ganz normales Alter erreichen. Die etwas schlechtere Nachricht lautet: Die Diabetes-Therapie erfordert viel Zeit und Engagement seitens des Hundehalters. Ist bei Ihrem Hund die Diagnose Diabetes gestellt worden, wird die Erkrankung vor allem in den ersten Wochen Ihren Tagesablauf beeinflussen.

Doch eins nach dem anderen: Wer den Verdacht hat, dass sein Hund Diabetes hat, besucht mit ihm den Tierarzt. Dieser wird nach Bestätigung der Diagnose durch ein Blutbild und gegebenenfalls eine Urinuntersuchung Insulin verschreiben. Dies muss der Tierhalter künftig jeden Tag spritzen. Allerdings dauert es häufig Wochen oder Monate, bis die korrekte Insulin-Dosis feststeht. Es ist darum wichtig, ein Blutzuckerprofil des Hundes zu erstellen. Das bedeutet, der Hundehalter misst mehrfach täglich den Blutzucker und dokumentiert die Ergebnisse schriftlich. So kann der Tierarzt herausfinden, wie lange und wie stark das Insulin wirkt. Zu wenig Insulin bringt keine Verbesserung, zu viel kann zu einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung führen. Nach Rücksprache mit dem Tierarzt passt der Hundehalter die Insulindosis an.

Sinnvoller als eine einmal tägliche Insulin-Dosis ist das zweimal tägliche Spritzen. So ist der Blutzuckerhaushalt des Hundes ausgeglichener, da Insulin maximal bis zu 14 Stunden wirkt. Der Hund bekommt zweimal täglich vor der Insulin-Gabe Futter.

Auch beim Füttern ist Disziplin gefragt: Sie sollten immer ungefähr die gleiche Zeit einhalten und das Futter nicht wechseln.

Denn eine andere Zusammenstellung kann bedeuten, dass der mühsam eingestellte Zuckerstoffwechsel durcheinander gerät. Das Futter sollte viele Rohfasern enthalten. Ein geringer Kohlenhydratanteil scheint beim Hund nach bisherigen Erkenntnissen weniger wichtig als bei Katzen. Disziplin ist ebenso bei Snacks und Leckerlis nötig: Belohnungen durch Leckerlis schaden dem Hund. Belohnen Sie Ihren Vierbeiner lieber mit einem Spiel, Streicheln oder greifen Sie – selten – zu gefriergetrockneten Snacks aus reinem Fleisch.

Was kostet eine Diabetes-Behandlung beim Hund?

Die Diabetes-Therapie beim Hund ist teuer. Denn Sie benötigen täglich Insulin und vor allem zu Beginn der Erkrankung viele Teststreifen, bis der Blutzucker eingestellt ist.

Inklusive Diagnose beim Tierarzt können bereits im ersten Monat einige Hundert Euro fällig sein. Anschließend belaufen sich die monatlichen Kosten auf um die 50 Euro aufwärts.

Durch den Grauen Star als Spätfolge des Diabetes erblindet ein hoher Prozentsatz der Diabetiker-Hunde trotz guter Einstellung mit Insulin. Eine mögliche Augenoperation ist wiederum mit Kosten verbunden.

Für das Diabetes-Management beim Hund brauchen Sie

  • Insulin vom Tierarzt – kühl lagern und nicht schütteln
  • Spritzen mit feinen Nadeln
  • ein Blutzuckermessgerät – Apotheken oder Hersteller stellen sie oft gratis zur Verfügung
  • passende Streifen für das Blutzuckermessgerät
  • Einstechhilfe für die Blutzuckermessung mit Lanzetten
  • optional: ein Kirschkernkissen zum Anwärmen des Ohrs

Keine Angst vor Zuckermessen und Insulin-Spritzen beim Hund!

Blutzuckermessen und Spritzen erscheinen Ihnen unmöglich? Keine Angst! Tausende von Tierhaltern haben es vor Ihnen geschafft – das können Sie auch! Das Blutzuckermessen kann zu Beginn kniffelig sein, da Sie eine bestimmte Menge Blut benötigen, damit das Gerät anspringt. Für Ihren Hund ist es nur ein kleiner Pikser. Tipp: Stechen Sie den Hund am äußeren Ohrrand. Erwärmen Sie das Ohr vorher, beispielsweise mit dem erwähnten Kirschkernkissen oder einer Ohrmassage. Wärme regt die Durchblutung an, wodurch sich leichter ein Blutströpfchen bildet.

Das Spritzen wird Ihnen der Tierarzt zeigen. Am besten ist es, wenn Sie in der Tierarztpraxis mit Kochsalzlösung unter den Augen des Tierarztes üben dürfen. Greifen Sie beherzt in eine kleine Speckfalte und spritzen Sie das Insulin in diese. Ihr Hund wird es kaum merken. Denken Sie immer daran: Ihre Anspannung überträgt sich auf Ihr Tier – ebenso wie Ihre Zuversicht. Strahlen Sie Ruhe aus.

Ist Diabetes beim Hund heilbar?

Bei Katzen-Diabetes kann durch veränderte Lebensumstände – Futterumstellung, Abbau von Übergewicht, mehr Bewegung – eine Remission eintreten. Das bedeutet: die Katze benötigt – vorerst – kein Insulin mehr. Beim Hund ist dies fast nie der Fall. Eine Ausnahme können weibliche Hündinnen bilden, die im Laufe ihres Zyklus einen „Läufigkeitsdiabetes“ entwickeln und schnell in Behandlung kommen.

Wenn Sie einen an Diabetes erkrankten Hund haben, bedeutet dies in der Regel eine lebenslange Therapie. Allerdings bei guter Lebensqualität.

Verlieren Sie darum bei einer Diabetes-Diagnose nicht den Mut! Nach einigen Wochen gehört das Diabetes-Management zum Alltag und Sie können Ihrem Vierbeiner hoffentlich noch eine schöne Zeit schenken.