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Nacktkatzen: Katzenrassen ohne Fell

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© Shutterstock

Nacktkatzen polarisieren, denn sie sind vollkommen haarlos. Ihre Fans schwärmen von ihrem anhänglichen Wesen und der einzigartigen Optik. Gegner kritisieren das, was fehlt: das Fell. Wir stellen Ihnen Katzenrassen ohne Haare vor und geben Tipps, was es bei der Haltung dieser besonderen Vierbeiner zu beachten gilt.

von Tim Brinkhaus

Katzenrassen ohne Fell

Mit einem weitverbreiteten Missverständnis räumen wir gleich zu Beginn auf: Die meisten der hier vorgestellten Katzen haben ein Fell. Dies ist allerdings so kurz, dass es kaum zu sehen ist.

Die bekannteste Nacktkatze: Canadian Sphynx

Lange Zeit galt die kanadische Sphynx als Synonym für Nacktkatzen überhaupt. Die Sphynx entstand 1966 durch eine zufällige Mutation und ist die erste von Katzenzuchtverbänden anerkannte „Nacktkatzen-Rasse“. Das koboldhafte Aussehen hat die Sphynx mit der gelockten Devon Rex gemeinsam.

Neben dem vermeintlich fehlenden Fell sind bei dieser Rasse die großen Ohren auffallend. Moment mal – vermeintlich fehlendes Fell? Richtig: Wer in den Genuss kommt, eine Sphynx zu streicheln, spürt einen zarten, kaum sichtbaren Flaum. Zusätzlich ist eine leicht faltige Haut rund um Ohren und Schultern bei Sphynx-Katzen erwünscht. Übrigens: Im Film Austin Powers hat es sogar ein Vertreter der Rasse als „Mr. Bigglesworth“ auf die große Kinoleinwand geschafft.

Don Sphynx und Peterbald aus Russland

Die Don Sphynx ist auch unter den Namen „Donskoy“ oder „Don Hairless“ bekannt. Diese Nacktkatzen gibt es in fünf Fellvarianten, wobei die längste ein drei Millimeter kurzes Haarkleid trägt. Ausdrücklich erwünscht sind die wichtigen Schnurrhaare.

Die gleiche genetische Mutation macht die russische Peterbald-Katze nackt: Katzenfreunde kreuzten die Don Sphynx mit orientalischen Samtpfoten und Siam-Katzen, um eine haarlose Katze mit der typischen Statur der Orientalen zu erreichen. Heute hat sich die Peterbald als eigenständige Rasse etabliert. Sie ist allerdings sehr selten.

Weitere haarlose Katzen: Bambino, Kohona, Levkoy

Aus der Kreuzung von zwei umstrittenen Rassen ist die Bambino entstanden. Genauer gesagt: Aus einer Nacktkatze in Kombination mit der Rasse Munchkin. Munchkin sind kurzbeinige Samtpfoten, die auch „Dackelkatzen“ genannt werden. Was ungewöhnlich aussieht, ist oft nicht gesund: Munchkin neigen zu Krankheiten der Wirbelsäule und können zudem nicht katzentypisch springen. Eine Bambino ist also eine nackte, sehr kurzbeinige Katze, die damit gleich zwei Mutationen in sich trägt. Glücklicherweise gibt es kaum Züchter, die die fragwürdigen Zuchtziele einer Bambino-Katze anstreben.

Die Kohona stammt vom schönen Hawaii und hat als einzige der hier aufgelisteten Rassen tatsächlich keinerlei Körperhaare. Also keinen Flaum, keine Schnurrhaare, keine Wimpern – kein einziges Haar. Sie ist extrem selten. In Deutschland wird dies aus gutem Grund so bleiben: Hier ist die Zucht von Katzenrassen ohne Schnurrhaare verboten, was wir später weiter erläutern werden.

Bei der ukrainischen Levkoy handelt es sich um eine von langer Hand geplante Kreuzung. Eine Züchterin aus der Ukraine verpaarte Don Sphynx mit der krummohrigen Scottish Fold, um eine nackte Katze mit krummen Ohren zu „kreieren“. Der Versuch glückte, eine neue Rasse war geboren. Etabliert hat sie sich nicht. Die Ohrenform der Scottish Fold kann genetisch mit einer Skelettdegeneration einhergehen, wenn zwei Träger miteinander gepaart werden. Darum ist die Entstehung dieser neuen Rasse vom Reißbrett besonders kritisch zu hinterfragen.

Nacktkatzen bei Tierhaarallergie

Kaum Haare – keine Tierhaarallergie? Dies ist leider ein Trugschluss. Denn Menschen mit Tierhaarallergie reagieren nicht auf die Haare, sondern auf ein Enzym im Speichel der Allergie auslösenden Tiere. Somit sind „nackte“ Katzen nicht pauschal für Allergiker geeignet.

Kritik und Rechtliches: Sind Nacktkatzen Qualzuchten?

So sehr Freunde der Rassen auch von ihnen schwärmen: Die Zucht von Nacktkatzen ist umstritten. Tierschützer argumentieren damit, dass das Fell nicht nur schützt, sondern die Haare der Kommunikation sowie der Orientierung dienen. Dadurch sollen sie eine höhere Körpertemperatur haben. Fehlen die Schnurrhaare oder sind nur sehr klein – was bei einigen Nacktkatzen der Fall ist – kann sogar das Gesetz eingreifen: Die Zucht ist dann verboten. Dies hat 2015 ein Präzedenzfall vor dem Verwaltungsgericht Berlin gezeigt, bei dem der Richter mit Artikel 11b des Tierschutzgesetzes argumentierte. Dabei handelt es sich um den sogenannten „Qualzucht-Paragraphen“. Entscheidend war in diesem Fall die Tatsache, dass Tasthaare fehlen, welches das auch ein vom Gericht zitierter Gutachter unter tierschutzrechtlichen Aspekten kritisierte.

Haltung und Pflege von Nacktkatzen

Nacktkatzen sind wärmebedürftiger als ihre pelzigen Artgenossen. Viele Halter schätzen an ihnen, dass sie oft die menschliche Körperwärme zum Schmusen suchen. Zudem fühlen sie sich durch den direkten Hautkontakt wärmer als andere Katzen an.

Vor allem in der kalten Jahreszeit sollten Sie einer haarlosen Katze viele kuschelige Ruhestätten zugänglich machen. Auch ein Heizkissen für Heimtiere kann eine gute Ergänzung sein. Im Sommer wiederum können Katzen ohne Fell sich schneller einen Sonnenbrand zuziehen. Halten Sie darum eine Sonnenschutzcreme für Ihren vierbeinigen Nackedei bereit. Gut geeignet sind wasserfeste Cremes für Kinder, die schnell einziehen. Katzen toben gerne miteinander. Doch ein typisches Raufen unter Katerfreunden kann schnell zu Verletzungen führen, weil das schützende Fell fehlt. Es ist darum wichtig, diese Vierbeiner mit sozialverträglichen Artgenossen zu vergesellschaften. Wenn Ihre Nacktkatze häufig Kratzer oder kleine Verletzungen aufweist, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über eine geeignete Wundsalbe.

Von dem außergewöhnlich spärlichen Fell abgesehen, sind Nacktkatzen genauso verspielte, neugierige und liebenswerte Vierbeiner wie ihre pelzigen Artgenossen.

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