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So erkennen Sie, ob sich Ihr Vierbeiner bei Ihnen langweilt

Gelangweilter Hund advice
© Shutterstock

Ein Hund, der sich langweilt, wenn er allein oder in Gesellschaft ist, ist ein Hund, dessen grundlegende Bedürfnisse zum Teil nicht erfüllt werden. Es handelt sich um soziale Wesen, die das Bedürfnis verspüren, sich zu bewegen und Aufmerksamkeit zu bekommen. Allerdings fallen die Bedürfnisse eines Hundes je nach seinem individuellen Charakter unterschiedlich aus. Was sind die Anzeichen dafür, dass ein Hund sich langweilt, und was kann man dagegen tun?

von Nina Brandtner

Untätigkeit ist eine Quelle des Unwohlseins, die man in unserer höchst aktiven Gesellschaft häufig unterschätzt. Die meisten künftigen Hundebesitzer haben keine Vorstellung davon, wie viel Zeit ihr vierbeiniger Freund in Anspruch nehmen wird.

Hunde sind intelligente Tiere, die komplexe Verhaltensweisen an den Tag legen und zu Überlegungen in der Lage sind. Sie sind von Natur aus neugierig, erkunden gern neue Umgebungen und machen neue Erfahrungen - sowohl im Kontakt mit anderen Tieren oder mit Menschen, als auch in Form von der Erforschung neuer Gegenstände in ihrer Umgebung. Sie sind dazu in der Lage, viel zu lernen, und können ihr Repertoire an Verhaltensweisen schnell erweitern und höhere Ansprüche an ihre Besitzer und/oder Spielgefährten stellen.

Ein Hund, der sich langweilt, ist ein Hund, dessen Bedürfnisse nicht hinreichend befriedigt werden.

Ein erster und sehr wichtiger Schritt für Hundebesitzer, die sich um das Wohlergehen ihres vierbeinigen Freundes sorgen, ist es sich zu informieren und die Anzeichen von Langeweile bei ihrem Hund erkennen zu lernen.

Was sind die Anzeichen dafür, dass die Bedürfnisse eines Hundes nicht erfüllt werden?

Leider sind sie sehr zahlreich, und der Hund kann kreativ und intelligent genug sein, um sich eine Beschäftigung zu suchen! Zum Beispiel Schäden an der Einrichtung: viele Hundebesitzer glauben, ihr Hund würde diese aus Rache verursachen und seine Wut an den Möbeln herauslassen. Sehen Sie sich dazu einmal die folgende Szene an, die in der Abwesenheit von Menschen aufgenommen worden ist: Sieht dieser Hund nicht eher so aus, als hätte er eine Menge Spaß?

 

Das ist die Herausforderung, vor der Hundetrainer stehen, wenn sie eine Verhaltensstörung bei einem Hund feststellen: Man muss herausfinden, wodurch diese ausgelöst wird. Dabei kann es sich sowohl einfach um eine schlechte Angewohnheit (also eine Laune des Hundes) handeln, als auch um den Ausdruck eines tiefgreifenden Unwohlseins, das mit der Nichterfüllung von Bedürfnissen des Hundes zusammenhängt. Viele Hundebesitzer klagen über die Dummheiten, die ihre Hunde während ihrer Abwesenheit anstellen, weil sie sich langweilen.

Die Liste der Verhaltensstörungen, die auftreten können, ist lang:

Man spricht auch von passiver Misshandlung, wenn die Bedürfnisse eines Haustiers nicht erfüllt werden, ohne dass der Besitzer dies bemerken würde. Das passiert häufig, wenn der Hund nichts zu tun hat, und unsere hektische Lebensweise führt oft dazu, dass wir nicht genug für ihn da sein können.

Wie viele Hunde werden zu Unrecht als hyperaktiv angesehen, obwohl sie eigentlich einfach nicht in einer Umgebung leben, die ihnen gerecht wird?

Das kann mit der Zeit zu schwerwiegenden Verhaltensstörungen führen, die man in manchen Fällen als zwanghaft bezeichnen könnte. Denn Untätigkeit ist auch ein Prozess, der sich auf lange Sicht auswirkt: Ein Tag des Alleinseins ist unangenehm für einen Hund, macht ihn aber nicht unglücklich, wenn es sich dabei um einen Einzelfall handelt. Das ist bei einem Hund, der stets Zugang zu seinem Garten hat, aber nie dort herauskommt, anders, wie der etwas extreme, aber vielsagende Fall in diesem Video zeigt:

Wie kann man einen Hund stundenlang beschäftigen?

Ein Hund, der sich langweilt, wird den Kontakt zu Ihnen suchen. Es liegt in seiner geselligen Natur, nach Tätigkeiten in Gesellschaft von anderen und nach Aufmerksamkeit zu suchen. Daher sollte man zunächst einmal auf ihn eingehen und mit seinem Hund spielen. Sie können können diese Situationen ganz einfach zur Gewohnheit werden lassen, denn Hunde lernen gern dazu und Ihrer wird von sich aus mit Spielzeugen zu Ihnen kommen, wenn er sieht, dass Sie positiv darauf reagieren! Das ist eine ausgezeichnete Art, sich gut um seinen Hund zu kümmern.

Hunde lassen sich genauso einfach beschäftigen wie Kleinkinder.

In der Regel bereiten Sie Ihrem Hund schon mit ein wenig Aufmerksamkeit eine große Freude. Sie können das Spiel auch für sich selbst unterhaltsam gestalten, zum Beispiel indem Sie Agility, Obedience oder andere Hundesportarten mit ihm machen. Diese Art von Aktivitäten führt auch dazu, dass die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Hund verstärkt wird und es Ihrem vierbeinigen Freund gut geht. Sein Bedarf nach Aktivität kann sich je nach seinem Alter, seinen aktuellen Bedürfnissen und seinem Temperament verändern und bleibt nicht sein Leben lang gleich.

Mithilfe solcher Aktivitäten können Sie das zweitwichtigste Bedürfnis Ihres Hundes erfüllen: das nach körperlicher Bewegung. Denken Sie daran, dass Hunde Tiere mit viel Ausdauer sind und es je nach Rasse nicht für jeden Menschen möglich ist, ihren Bedarf nach körperlicher Aktivität zu erfüllen! Zwei Hunde langweilen sich weniger, denn sie können miteinander spielen und sich gegenseitig Gesellschaft leisten. So entgehen sie der Tatenlosigkeit, aber natürlich hat nicht jeder genug Platz für mehrere Hunde.

Außerdem haben die Hunde trotzdem das Bedürfnis nach Spielen und anderen Aktivitäten in ihrem Alltag.

Denken Sie auch daran, die Lebensumgebung des Hundes so zu gestalten, dass er sich allein beschäftigen kann, wenn er möchte. Es gibt jede Menge Spielzeuge, die Sie je nach den Vorlieben Ihres Hundes ausprobieren können: Kauspielzeuge, Intelligenzspiele für Hunde usw. Hundetrainer können Ihnen auch jede Menge Übungen zeigen, die Sie mit Ihrem Wauwau ausprobieren können.

Was sind die natürlichen Tätigkeiten eines Hundes?

Diese Frage hat eine offensichtliche Schwachstelle: einen „natürlichen” Hund zu definieren, ist schwierig. Genetiker und andere Wissenschaftler sprechen heute vom Hund als gesonderte Tierart. Von hundeähnlichen Raubtieren unterscheidet er sich dadurch, dass er in der Umgebung von Menschen lebt und auf sehr spezifische Art gezüchtet wird.

Schon seit über 10.000 Jahren leben Hunde mit uns zusammen, sind an unsere Lebensweisen, unsere Häuser und das Futter gewöhnt, das wir ihnen geben.

Ihr Verdauungsapparat hat sich zum Teil an unsere Ernährung angepasst, und die karnivore Ernährung des Wolfes ist nach und nach zum „opportunistischen Fleischfressertum” des Hundes geworden. Das beeinflusst auch sein Verhalten, und zahlreiche Studien haben gezeigt, dass zwischen Hund und Wolf heute erhebliche Unterschiede bestehen.

Einer dieser Unterschiede ist die Gewöhnung an den Menschen, was natürlich nur logisch erscheint, wenn man sich anschaut, in welcher Umgebung Hunde leben. Aber auch die Wahrnehmung des Hundes ist davon geprägt, was sich insbesondere an seiner Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit dem Menschen erkennen lässt: Der Hund erkennt einen Fingerzeig deutlich schneller als der Wolf!

Ein Mittel, die natürlichen Aktivitäten des Hundes herauszufinden, ohne ihn mit dem Wolf zu vergleichen, ist die Beobachtung von Hunden in verschiedenen Umgebungen und die Analyse dessen, was sie tun! Die wissenschaftliche Literatur bietet uns heute zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema „Zeitmanagement” bei Hunden. Dabei handelt es sich um die Analyse der Verteilung von Verhaltensweisen eines Hundes im Laufe eines Tages.

Das Zeitmanagement eines Hundes

Zum Beispiel haben Ethnologen das Zeitmanagement von streunenden Hunden untersucht. Die Hunde, die eine vollkommene Bewegungsfreiheit besaßen und sich in einer Umgebung mit vielen Nahrungsquellen befanden, gestalteten ihre Tage wie folgt:

  • 53% (~ 6 Std.) = Untätigkeit
  • 27% (~ 3 Std.) = Erkundung der Umgebung, Herumlaufen
  • 11% (~ 1 Std. 30) = sozialer Austausch
  • 6% (~ 1 Std.) = Handlungen zum Selbsterhalt (Fressen, Trinken,...)
  • 0,3% = Bellen und anderer Gebrauch der Stimme
  • Körperpflege <<< 0,1%

Wie man schon feststellen kann, ist ein Hund nicht allzu aktiv, wenn seine Bedürfnisse erfüllt werden, und er verbringt über ein Viertel des Tages damit, seine Umgebung zu beobachten und sich auszuruhen. Dennoch hat er mit 3 Stunden Bewegung am Tag ein ziemlich hohes Aktivitätsniveau. Auch sein Bedürfnis nach sozialen Kontakten ist offenkundig groß.

Seine Handlungen zum Selbsterhalt (Fressen, Trinken,...) nehmen nur eine Stunde ein (und Körperpflege geht bei ihm sehr schnell!).

Das entspricht den Empfehlungen, die Hundetrainer für die meisten Wauwaus geben:

  • mindestens 2 Std. Spaziergänge im Freien, jeden Tag (und am besten ohne Leine!)
  • stimulierende Spiele und Tätigkeiten, die Interaktionen ermöglichen und positive Gefühle von Kooperativität, Freiheit und freier Wahl auslösen

Natürlich sind diese Zahlen Durschnittswerte, und sie können von einem Hund zum anderen stark variieren. Sie hängen von der jeweiligen Rasse, dem individuellen Temperament und den bisherigen Lebenserfahrungen eines Hundes ab.

Am schwierigsten ist es, Langeweile bei seinem Hund zu erkennen. Denken Sie daher daran, einen Verhaltensexperten für Hunde hinzuzuziehen, wenn Sie Zweifel haben und glauben, eines der oben genannten Anzeichen zu beobachten. Es ist nicht einfach, dies sofort an Ort und Stelle zu analysieren, und oft ist das Feststellen der Langweile bei einem Hund schon der erste Schritt zur Besserung!