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Giardien bei Katze: Symptome, Ansteckung, Diagnose, Behandlung

Giardien Parasit advice
© Shutterstock

„Giardien“ lösen bei Katzen- und Hundehaltern oft bei der bloßen Erwähnung einen beschleunigten Puls aus. Was steckt hinter den unbeliebten Plagegeistern?

von Tim Brinkhaus

Was sind Giardien?

Giardien sind kleine Einzeller, die im Darm von Säugetieren leben. Hier heften sie sich mithilfe eines Saugnapfs an die Darmschleimhaut und verursachen Durchfälle. Im Körper vermehren sie sich nicht nur sehr schnell, sondern verwandeln sich teilweise in Zysten. Diese verlassen den Wirt über den Kot, um sich außerhalb weiterzuverbreiten. Zysten sind sehr robust und können bis zu vier Monate lang auf einen neuen Wirt warten. 

Symptome: Durchfall und Co.

Die Giardien sitzen im Dünndarm, wo sie die Darmschleimhaut beschädigen. Ein infiziertes Tier leidet an Durchfällen, die teilweise blutig sind. Allerdings ist es nicht im Sinne des Parasiten, seinen Wirt schachmatt zu setzen. Darum können ansonsten gesunde Katzen Giardien in sich tragen, ohne Symptome zu zeigen. Erst bei immungeschwächten oder sehr jungen Tieren gerät der Körper aus dem Gleichgewicht. Starke Durchfälle können das Tier so schwächen, dass es lebensgefährlich wird. Darum gilt vor allem bei jungen Katzen: Bei schweren, wiederkehrenden Durchfällen sollten sie schnellstmöglich zum Tierarzt.

Diagnose vom Tierarzt: Schnelltest vs. ELISA

Wenn Ihre Katze mehrfach hintereinander unter Durchfall oder Erbrechen unbekannter Ursache leidet, sollten Sie es Ihrem Tierarzt vorstellen. Dieser kann einen möglichen Parasitenbefall mit verschiedenen Tests nachweisen. Am anfälligsten für Fehler ist dabei ein einfacher Kotabstrich, den der Tierarzt unter einem Objektiv vergrößert. Sehr sicher hingegen ist der ELISA-Test, der mittels Antikörper-Bestimmung einen Giardien-Befall nachweisen kann. Dieser ist jedoch zeitaufwändiger und kostenintensiver. Es gibt weitere mögliche Tests, zu deren Vor- und Nachteilen Ihr Tierarzt Sie beraten kann.

Wie ansteckend sind Giardien bei Katzen?

Katzen: Ansteckung und Inkubationszeit

Katzen stecken sich meist über den Kot ihrer Artgenossen an. Hat sich eine Katze mit Giardien infiziert, dauert es zwischen zwei und drei Wochen, bis sie zum Träger wird. In einer Katzengruppe können mehrere Tiere Giardien in sich tragen, ohne dass alle Symptome zeigen. Infizierte Katzen scheiden über ihren Kot Millionen von Zysten aus, die sich im neuen Wirt wieder zu Giardien entwickeln.

Ansteckungsgefahr für den Menschen

Giardien sind auf den Menschen übertragbar und gehören damit zu den Zoonosen. Viele Menschen haben bereits Erfahrungen mit Giardien gemacht: Wer bei Reisen in tropische Regionen unter heftigen Durchfällen leidet, hat sich wahrscheinlich die ungebetenen Besucher eingefangen. Der bei Katzen meist anzutreffende Parasit Giardia intestinalis ist grundsätzlich übertragbar. Neuere Forschungen zeigen allerdings, dass Giardien in verschiedenen Genotypen vorkommen, die teilweise wirtsspezifisch sind. Das bedeutet: Nicht immer besteht eine Ansteckungsgefahr für den Menschen. Übrigens: Stellt ein Humanmediziner einen Befall fest, muss er dies gemäß Infektionsschutz-Gesetz in Deutschland melden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass in Europa rund zwei Prozent der Menschen mit Giardien infiziert sind – viele ahnen über Jahre nichts davon. Andere klagen über Durchfälle, Blähungen oder Schmerzen im Bereich des Darms.

Andere Haustiere

Hunde und andere Haustiere wie Chinchillas können ebenfalls von Giardien befallen sein und sich untereinander sowie Katzen oder Menschen anstecken. Auch wenn manche Giardien wirtsspezifisch sind, ist bei vielen eine Übertragung möglich. Sollten Sie eine Samtpfote mit Giardien haben, macht es Sinn, die übrigen Tiere testen und behandeln zu lassen, um ein erneutes Anstecken zu verhindern.

Behandlung von Giardien bei Katzen

Ihr Tierarzt wird eine zu Ihrem Tier passende Therapie gegen Giardien einleiten.

Medikamente: Fenbendazol (Panacur) und Metronidazol

Tierärzten stehen derzeit zwei Wirkstoffe zur Verfügung, um Giardien bei Hunden und Katzen zu bekämpfen. Dabei handelt es sich um das als „Panacur“ bekannte Fenbendazol sowie den Wirkstoff Metronidazol. Metronidazol ist mittlerweile als aromatisierte Tablette erhältlich, so dass viele Katzen sie als Leckerli fressen. Dies kann bei scheuen Katzen ein großer Vorteil sein. Auch eine Kombination aus beiden Medikamenten ist möglich. 

Geheimtipp Spartrix?

Schaut man sich in den Weiten des Internets um, stößt man schnell auf ein Mittel namens Spartrix. Zahlreiche Internet-Foren erwecken den Eindruck, Spartrix sei das beste Mittel zur Giardien-Therapie bei Katzen. Es enthält den Wirkstoff Carnidazol und ist im Gegensatz zu den bisher genannten Medikamenten gegen Giardien nicht rezeptpflichtig. Allerdings hat es einen großen Haken: Bisher ist Spartrix lediglich für Tauben zugelassen. Ähnlich verhält es sich mit dem ebenfalls für Tauben zugelassenen Medikament T+K+K. Keines dieser Medikamente ist frei von möglichen Nebenwirkungen. Darum raten wir immer zu einer Therapie unter tierärztlicher Kontrolle.

Desinfektionsmittel und Hygiene bei Giardien

Wer sich durch Internet-Foren liest, gewinnt schnell den Eindruck, ein Giardien-Befall komme einer Katastrophe gleich. Denn fortan heißt es: desinfizieren, putzen, wischen, bedampfen und waschen. Hier geben wir Entwarnung: Ja, bei Giardien-Befall ist Hygiene unverzichtbar. Aber: Nein, sie müssen deswegen weder Urlaub nehmen noch eine Putzkolonne einstellen. Allerdings kommen Sie um einige Arbeitsstunden nicht herum. Hier unsere Tipps: Reinigen Sie täglich den Po Ihrer Samtpfote mit lauwarmem, frischem Wasser und einem milden Shampoo für Katzen. Kochen Sie ebenfalls täglich sämtliche Futter- und Wassernäpfe aus. Kochen Sie die Katzentoilette im Idealfall täglich mit kochendem Wasser aus. Gießen Sie Kotstellen im Garten, wenn bekannt, mit kochendem Wasser ab. Ersetzen Sie die Lieblingsdecke Ihrer Mieze vorübergehend durch flauschige Handtücher, die Sie in die Kochwäsche geben und täglich waschen. Halamid mit dem Wirkstoff Chloramin-T eignet sich zum Desinfizieren von Polstern, Kratzbäumen und anderen Plätzen, auf denen Ihre Samtpfoten sich gerne aufhalten. Achten Sie auf die Hinweise auf der Verpackung und gute Durchlüftung. Weitere Tipps und einen Erfahrungsbericht einer betroffenen Katzenbesitzerin finden Sie hier.

Hilft Homöopathie bei Giardien?

Homöopathie kann Giardien nicht bekämpfen. Allerdings können naturheilkundliche oder homöopathische Mittel das Immunsystem von geschwächten Tieren stärken und so einen Beitrag zum Gesundwerden Ihres tierischen Lieblings leisten. Sprechen Sie Ihren Tierarzt auf eine Darmsanierung an, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Tier weiterhin auffällig ist. Auch amerikanische Ulmenrinde hat sich vielfach bewährt, wenn es darum geht, den Katzendarm nach Giardien und Antibiotika ins Gleichgewicht zu bringen.

Dauer der Behandlung

Führen Sie die Behandlung nach Anweisung Ihres Tierarztes aus. Leider kann es einige Wochen dauern, bis alle Maßnahmen greifen. Insbesondere, wenn die Tiere sich erneut infizieren. Nach Gabe der letzten Tablette sollten Sie rund sechs Wochen bis zur nächsten Kotprobe warten, um ein korrektes Ergebnis zu erhalten. Ist Ihr Tier anfällig für Giardien, kann es zu Rückfällen kommen.

Tödliche Giardien: Panikmache oder echte Gefahr?

Giardien sind in erster Linie ärgerlich und lästig. Für schwache und sehr junge Katzen kann ein Befall tödlich enden. Dies ist jedoch die Ausnahme. Arbeiten Sie eng mit Ihrem Tierarzt zusammen. Lassen Sie sich keine Angst einjagen, indem Sie sich durch Foren klicken, die Giardien mit der Apokalypse gleichsetzen. Atmen Sie durch und seien Sie gewiss: Es kann dauern, aber irgendwann werden Sie und Ihre Samtpfote die ungebetenen Parasiten los!