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Trauer und Tränen: Können Hunde weinen?

Hund mit Träne im Auge advice
© Pixabay

Einige Hundebesitzer sind der festen Überzeugung Tränen bei ihrem traurigen Vierbeiner gesehen zu haben. Andere halten das schlicht für eine Vermenschlichung. Es ist eine Gratwanderung – zu welchen emotionalen Ausdrucksformen Hunde fähig sind und was an Wunschdenken grenzt. Das Thema „Weinen“ ist wissenschaftlich wenig erforscht und vielleicht gerade deshalb hoch spannend. Dieser Artikel geht der interessanten Frage: „Können Hunde weinen?“ auf den Grund. 

von Carina Petermann

Haben Hunde Tränen-Drüsen?

Zunächst wird das Thema aus biologischer Sicht betrachtet. Sind die Voraussetzungen für einen weinenden Hund gegeben? 
Hunde besitzen genauso wie wir Menschen Tränendrüsen. Diese produzieren einen Tränenfilm, welcher sich wie eine Art Schutzfilm über die Oberfläche des Auges legt. So verhilft die Tränenflüssigkeit, Fremdkörper aus dem Auge heraus zu spülen und befeuchtet gleichmäßig die Hornhaut. 

Können Hunde weinen? Die Trauer unseres besten Freundes

Hunde weinen nicht aus emotionalen Gründen – zumindest gibt es keine fundierten Beweise, die dafür sprechen. Das bedeutet keineswegs, dass sie nicht trauern. Die treuen Vierbeiner, die uns Menschen seit Jahrtausenden begleiten, sind selbstverständlich zu Gefühlen, wie Trauer, Glück und Liebe fähig. 
Sie verarbeiten eine traurige Phase, wie zum Beispiel den Verlust eines Hunde-Kumpels ähnlich wie wir Menschen. Nur mit der einen Ausnahme, dass sie keine emotionalen Tränen vergießen. Anzeichen, dass sich der Hund in einer Trauerphase befindet, können folgende sein: 

  • Futterverweigerung
  • Unruhe und nervöses „Suchen“ nach dem vermissten Artgenossen oder Menschen
  • Teilnahmslosigkeit
  • gekrümmte Gang-Art
  • fehlende Motivation zu Gassi-Runden und Spielen

Exkurs: Emotionale Tränen beim Menschen

Bei Tieren ist das Weinen als emotionales Signal wissenschaftlich umstritten. Doch selbst bei uns Menschen zeigt sich: Das Thema „Emotionale Tränen“ ist komplex und noch wenig erforscht. Eine Studie der Ophthalmologin E. M. Messmer (Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München) hat diesen Fachbereich wissenschaftlich untersucht. Es stellte sich heraus, dass viele Faktoren (Beruf, sozialer Status, etc.) eine Rolle dabei spielen, ob wir Menschen viel oder wenig weinen. 
Warum aber Menschen weinen bleibt bis heute umstritten. Einige Wissenschaftler sehen einen biologischen Sinn im Weinen, also als eine Art Schutzfunktion des Körpers. Andere hingegen betrachten es aus der zwischenmenschlichen Komponente und sehen darin eine Art soziale Interaktion. 

Können Hunde weinen? Ursachen einer Tränen-Produktion

Ist das Auge eines Hundes in seiner Funktion gestört, kann es vorkommen, dass ein Hund vermehrt „weint“. Epiphora – so bezeichnen Tiermediziner übermäßig tränende Augen beim Hund. Es gibt eine Reihe von Ursachen, die eine erhöhte Tränen-Produktion beim Hund auslösen:

  • Fremdkörper in den Augen
  • Bakterien, Pilze oder Viren
  • Zugluft, Klimaanlage
  • Erkältung
  • allergische Reaktionen
  • Lid-Fehlstellungen (zum Beispiel Ektropium oder Entropium)
  • Infektions-Erkrankungen
  • Grüner Star
  • zu flache Augen-Höhlen

Im Zweifelsfall ist immer der Gang zum Tierarzt zu empfehlen. Besonders, wenn der Ausfluss nicht wässrig ist, sondern schleimig und eine andere Farbe annimmt. Keine Zeit sollte auch verloren gehen, wenn die Fellnase öfter das Auge zukneift und sichtbar unter dem tränenden Auge leidet. 

Wichtig: Verschreibungspflichtige Augentropfen, die aus einer vergangenen Behandlung übrig geblieben sind, sollten nicht eigenständig beim Hund angewendet werden. Zum einen ist das Haltbarkeitsdatum von Augentropfen meist sehr kurz und zum anderen erfordert die Anwendung vorher einen Test auf eventuelle Schäden der Netzhaut. 

Rot-braune Tränen beim Hund

Viele kleine Hunderassen neigen aufgrund anatomischer Gegebenheiten zu Epiphora. Bei Maltesern, Chihuahuas und Co. können die Tränen nicht über den gewohnten Tränen-Kanal und schließlich über die Nase abfließen. Im Falle der rot-braunen Tränen verläuft die Flüssigkeit über den Lid-Rand. Dort reagiert sie auf Bakterien und Hefe, welche sich auf dem Fell nahe des Auges befinden. Das Ergebnis dieser Reaktion: Das Fell unter dem Lid-Rand verfärbt sich rot-braun. Besonders sichtbar sind die Tränenflecken bei Hunden mit weißem Fell. 
Doch auch andere Ursachen kommen in Frage. Deshalb ist im Zweifelsfall eine Abklärung beim Tierarzt sinnvoll. 

Können Hunde weinen? Fazit

Hunde besitzen Tränendrüsen und verlieren demzufolge im Laufe ihres Lebens Tränen. Einige Hunde mehr, andere weniger, da die Tränen bei einem gesunden Auge über die Nase laufen und schließlich dort verdunsten. Die Frage ob Hunde aus emotionalen Gründen weinen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass nur Menschen in der Lage sind, emotionale Tränen zu vergießen. Aber auch das ist umstritten und die Gefühlswelt der Hunde samt ihrer Ausdrucksformen bleibt noch lange ein Phänomen, welches weiter zu erforschen ist.