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Leinenaggression beim Hund: Ursachen und hilfreiche Tipps

Shiba Inu Hund bellt an Leine

Was hilft wirklich bei Leinenaggression?

© Semiglass / Shutterstock

Dieser Artikel klärt über eine Baustelle auf, die vielen Hundehalter ein Begriff ist: Die Rede ist von der Leinenaggression beim Hund.

von Stephanie Klein

Am 21.05.21, 15:45 veröffentlicht

Was ist Leinenaggression beim Hund?

Die Leinenaggression bei Hunden beschreibt ein angriffslustiges Verhalten bei der Sichtung eines Artgenossen. Der pöbelnde Vierbeiner springt dabei in die Leine und gibt ein lautes, bedrohliches Bellen von sich. Die Leinenaggression grenzt sich von einer generellen Unverträglichkeit ab. Denn im Freilauf zeigt sich der oft als Raufbold abgestempelte Vierbeiner als umgänglich und entspannt.

Doch warum ist eine Leine für das Verhalten ausschlaggebend? Ganz einfach: Das Hundezubehör ist zwar im Alltag unverzichtbar, jedoch schränkt es die Kommunikation ein. Einige Hunde sehen in einer aggressiven Reaktion den einzigen Ausweg.

Aggression ist ein natürliches Verhalten eines jeden Hundes. Allerdings ist hier eine Reaktion gemeint, die jenseits des Tolerierbaren ist und für Hund und Mensch Stress pur bedeutet.

Damit die Spaziergänge an der Leine wieder entspannt verlaufen, bedarf es eines konsequenten Trainings. Sich nicht mit dem Thema auseinanderzusetzen oder das Problem zu beschönigen, ist bei der Leinenaggression fatal. Mit der Zeit wird die Reaktion ritualisiert, sprich: Der Hund schlägt aus Gewohnheit Alarm. Plus: Aus Unkenntnis senden Hundehalter oft sogar Signale, die den Leinenrambo in seinem Verhalten bestärken. Die Herausforderung beim Training ist zunächst, die Ursache für das angriffslustige Verhalten festzustellen.

Leinenaggressionen: Häufige Ursachen

Ein pöbelnder Hund möchte durch seine Reaktion etwas bewirken. Doch was genau macht aus einem sonst friedliebenden Vierbeiner einen Raufbold?

Fehlende Frustationstoleranz

Ein oft unterschätztes Thema ist die Frustationstoleranz des Hundes. Bekommt der Hund immer seinen Willen durchgesetzt, ist er Frust auszuhalten nicht gewohnt. Eine Hundeleine stellt bei ungeduldigen Hunden einen Störfaktor dar. Sieht der Vierbeiner einen Artgenossen und möchte direkt mit ihm Kontakt aufnehmen, hindert ihn die Leine daran. Frustration in Form von lautem Bellen ist hierbei fast vorprogrammiert.

Wenig Sozialisierung in der Welpenzeit

Während der Welpenphase erlernen die heranwachsenden Vierbeiner die Hundesprache. Durch eine längere Isolation (z. B. durch Krankheit oder Unterbringung bei einem unseriösen Hundezüchter) fällt diese entscheidende Prägephase weg. Die Folge: Selbst die Grundlagen der Körpersprache deuten betroffene Vierbeiner nicht richtig und reagieren mit Unsicherheit.

Wamiz-Ratgeber: Welpenerziehung

Unsicherheit seitens des Hundehalters

Das fluchtartige Überqueren der Straße, eine nervöse Stimme oder hektische Bewegungen: Zeigt ein Hundehalter bereits bei Sichtung eines anderen Vierbeiners Unsicherheit oder gar Angst, überträgt sich diese Emotion auf den angeleinten Hund. Schließlich registriert der beste Freund des Menschen schnell, wenn seine Bezugsperson nicht Herr der Lage ist. Als logische Konsequenz versucht er nun, die Gefahr selbst mit lautem Gebell unter Kontrolle zu bringen.

Aggressionen aus territorialen Gründen

Es kommt vor, dass Hunde Leinenaggressionen ausschließlich in Gebieten zeigen, die sie als ihr Revier ansehen. Typische Beispiele sind der Weg direkt vor der Haustür und der Park in der Nähe des Wohnortes. Die Gefahr bei dieser territorial veranlagten Leinenaggression ist, dass sich das Revier oft ausbreitet. Nach und nach verteidigt der Hund weitere Gassi Routen, selbst wenn er sich erst seit ein paar Minuten dort aufhält.

Angriff ist die beste Verteidigung

Sensible Hunde haben an einer schlechten Erfahrung an der Leine mit einem Artgenossen noch lange zu kauen. Einige reagieren daraufhin bei nachfolgenden Begegnungen mit Unterwürfigkeit, andere hingegen mit Drohgebärden. Nicht immer ist dem Hundehalter eine solch negative Erfahrung bewusst. Denn neben einer ernsten Verletzung kann es sich auch um ein leichtes Umrempeln oder Ähnliches handeln. Was grundsätzlich gilt: Es gab in der Vergangenheit einen Moment, indem sich der eigene Hund unsicher gefühlt hat und keinen Schutz von seinem Menschen erfahren hat.

Leinenaggression während der Pubertät

Nach dem Welpenalter kommt eine Zeit, in der ein Hund voller Energie strotzt. Ein Mittel, diese Lebhaftigkeit loszuwerden, stellt ein aggressives Verhalten an der Leine dar. Hinzu kommt: Grenzen seitens der Hundehalter sind noch nicht gefestigt und der „Teenager“ versucht, diese durch rüpelhaftes Verhalten auszutesten.

Lesen Sie hier, wie Sie eine Leinenaggression bei Hunden abgewöhnen
© Aleksey Boyko / Shutterstock

Leinenaggression, was hilft wirklich? 5 nützliche Tipps

Die Leinenaggression abzutrainieren, sollten Hundehalter so früh wie möglich in Angriff nehmen. Ein Ende des aggressiven Verhaltens ist nicht nur für den Menschen eine große Erleichterung. Auch für den betroffenen Hund bedeutet es einen Befreiungsschlag, da er sich fortan nicht mehr selbst um den Ablauf der Begegnungen kümmern muss. Da es unterschiedliche Ursachen für die Leinenaggression gibt, ist auch der Ansatz für das Training von Hund zu Hund unterschiedlich. Zudem ist nicht jeder Hund mit den gleichen Mitteln zu motivieren. Bei dem komplexen Thema gibt es demnach kein Patentrezept, vielmehr gilt: Jedes Training muss individuell auf den Hund abgestimmt werden. Die folgenden Tipps können beim Abtrainieren eine Rolle spielen.

Leinenführigkeit trainieren

Gewinnt der Vierbeiner beim Gassi gehen die Oberhand, entscheidet er auch über den Ablauf bei Hundebegegnungen. Eine gute Leinenführigkeit gehört zu den Grundlagen in der Hundeerziehung. Denn hierbei geht es nicht nur um entspanntes Laufen an der Leine, sondern um die Beziehung zwischen Hund und Mensch. Beim Training lernt der Hund, sich an seinen Menschen zu orientieren und bekommt durch ihn Sicherheit und Führung vermittelt.

Ruhe bewahren

Wenn ein Hund Rabatz macht, hat es noch nie geholfen, darauf ebenso mit lautem Geschimpfe zu reagieren. Der unsichere Vierbeiner empfindet dies als eine Art Verstärkung seines Menschen. Infolgedessen wird er mit dem Bellen nicht aufhören, sondern zusammen mit seinem Menschen um die Wette grölen. Ruhe zu bewahren reicht allerdings nicht aus, um die Leinenaggression abzutrainieren. Vielmehr ist es als Basis für das Training zu betrachten.

Der Halbkreis

Aus der Sicht eines Hundes ist es „unhöflich“, wenn ein fremder Artgenosse frontal auf ihn zugestürmt kommt. Im Freilauf laufen sozialverträgliche Hunde meist einen Bogen um einen Artgenossen, um ihre friedliebenden Absichten zu vermitteln. Hundehalter erzielen eine Entschärfung in angespannten Begegnungen an der Leine, indem sie ihren Vierbeiner auf der anderen Seite des fremden Hundes halten und in einem Halbkreis an ihm vorbeigehen.

Alternativen bieten

Bei einigen Hunden wirkt eine alternative Beschäftigung zum Pöbeln wahre Wunder. Ein Futterdummy eignet sich für verspielte oder gierige Hunde. Darüber hinaus kommt ein Sitz-Kommando am Wegrand oder direkt hinter dem Menschen oft zum Einsatz. Alle genannten Alternativen geben dem unsicheren Vierbeiner in dieser prekären Situation eine Aufgabe. Er weiß, wie er sich bei Hundebegegnungen an der Leine verhalten soll und wird dafür belohnt.

Hundetrainer einschalten

Das Thema Leinenaggression beim Hund selbst in die Hand zu nehmen, erfordert viel Expertise in der Körpersprache des Hundes. Genauso wichtig ist es, ein Gefühl für das perfekte Timing zu haben und die Fähigkeit, sein eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen. Bevor die falschen Ansätze verfolgt werden und die Erfolge ausbleiben, ist der professionelle Rat eines Hundetrainers einzuholen. Dieser beobachtet neutral das Verhalten des Hund-Mensch-Gespanns. Darauf aufbauend erstellt der Hundeexperte ein Trainingskonzept und begleitet das Team auf dem Weg zu entspannten Gassi Runden an der Leine.