Auf Niedersachsens Hundehalter rollt eine gewaltige Änderung zu. Die rot-grüne Landesregierung in Hannover macht ernst und plant eine umfassende Reform des Hundegesetzes.
Der vorliegende Entwurf aus dem Landwirtschaftsministerium gleicht einem Paukenschlag, der vor allem langjährige Hundehalter kalt erwischen dürfte. Bisher galt in Niedersachsen die Devise: Wer Erfahrung hat, wird in Ruhe gelassen. Doch damit soll jetzt Schluss sein.
Erfahrung schützt vor Prüfung nicht mehr
Es ist der wohl brisanteste Punkt des Entwurfs: Künftig sollen alle Halterinnen und Halter, die sich einen Hund anschaffen, den sogenannten Hundeführerschein (Sachkundenachweis) ablegen müssen.
Bisher gab es eine großzügige Ausnahme: Wer in den letzten zehn Jahren mindestens zwei Jahre lang einen Hund gehalten hatte, galt als „erfahren“ und musste nicht zur Prüfung. Diese Regelung soll nun gestrichen werden. Egal ob Neuling oder alter Hase – wer sich einen neuen Vierbeiner holt, muss sein Wissen beweisen. Ein Hammer für tausende erfahrene Tierfreunde!
Zweite Chance für „Beißer“?
Doch die Reform hat auch eine durchaus positive Seite – und die betrifft die sogenannten „gefährlichen Hunde“. Bisher galt die Einstufung als „gesteigert aggressiv“ oft als lebenslanges Stigma.
Hier plant das Land eine Kehrtwende hin zur Rehabilitation. Wer nachweist, dass sein Hund durch Training eine dauerhafte Verhaltensänderung zeigt, kann die Einstufung „gefährlich“ wieder loswerden.
Die Hürden sind jedoch hoch: Mindestens 2,5 Jahre müssen zwischen dem Vorfall und der „Begnadigung“ liegen. Ein Hoffnungsschimmer für viele Tiere, die sonst ihr Leben lang mit Maulkorbzwang belegt wären.
Keine Rasseliste in Sicht
Während andere Bundesländer bestimmte Rassen pauschal verurteilen, bleibt Niedersachsen seiner Linie treu: Es wird weiterhin keine Rasseliste geben. Das Ministerium sieht keinen fachlichen Grund dafür.
Stattdessen will man genau hinschauen, wo die Hunde hingehen: Wer umzieht oder sein Tier abgibt, muss dies künftig sofort melden, damit kein Tier mehr „durchs Raster fällt“.
Der Gesetzesentwurf soll laut dpa schon „in nächster Zeit“ ins Kabinett. Hundehalter sollten sich also warm anziehen – die neuen Regeln stehen quasi schon vor der Tür.