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Epilepsie bei Katzen: Wie helfe ich meinem Vierbeiner?

Katze epileptischer Anfall advice
© Shutterstock

Rund zwei bis drei von hundert Katzen erkranken im Laufe ihres Lebens an Epilepsie. Für die Halter ist die Diagnose ein Schock. Doch mit Geduld, einem erfahrenen Tierarzt und den richtigen Medikamenten können sie die Krankheit gut in den Griff bekommen.

von Nina Brandtner

Was ist Epilepsie?

Mit Epilepsie beim Menschen verbinden viele krampfartige Anfälle, bei denen der Betroffene auf den Boden fällt und dort unkontrolliert zusammenzuckt. Nach kurzer Zeit ist der vermeintliche Spuk vorbei. Viele Betroffene erinnern nur die frischen blauen Flecken an die Episode, sie nehmen den Anfall nicht bewusst wahr.

Ähnlich verhält es sich bei Hunden oder Katzen. Epilepsie ist Folge von elektrischen Entladungen im Gehirn, die quasi Kurzschlüsse in den Nerven verursachen. Diese lösen unkontrollierte Muskelbewegungen aus.

Experten unterscheiden zwischen idiopathischer und sekundärer Epilepsie. Die idiopathische Epilepsie basiert auf Fehlfunktionen des Gehirns und steht für die „klassische“ Epilepsie. Bei der sekundären Epilepsie stecken andere Gründe hinter der Krankheit. Während bei Hunden in den meisten Fällen eine idiopathische Epilepsie vorliegt, ist es bei Katzen umgekehrt:

Rund 80 Prozent leiden an sekundärer Epilepsie. Ihre Epilepsie tritt also in Folge einer anderen Erkrankung auf.

Dies können Hirntumore, Feline Infektiöse Peritonitis (FIP), Wurmbefallein Schädel-Hirn-Trauma oder seltenere Krankheiten wie die Feline Hippokampusnekrose sein.

Symptome von Epilepsie bei Katzen

Wir unterscheiden zwischen fokalen und generalisierten Anfällen. Beim fokalen Anfall sind nur einzelne Gliedmaßen betroffen, die sich unkontrolliert bewegen. Beim generalisierten Anfall fällt die Katze um und rudert mit den Beinen. Es kann zu Zittern, starken Kieferbewegungen oder Schaumbildung vor dem Maul kommen. Manchmal, wie bei der Felinen Hippokampusnekrose, neigt die Katze neben generalisierten Anfällen zu unkontrolliertem Schlucken und Speicheln.

Fokale Anfälle beschränken sich auf einzelne Muskelgruppen – zum Beispiel ein wild zuckendes Bein. Manche fokalen Anfälle sind kaum zu erkennen: Die Katze schnappt wiederholt nach imaginären Fliegen, kratzt sich auffällig, rennt wild hin und her. Auffallend ist meist ein glasiger, starrer Blick. Zudem können Verhaltensveränderungen wie Aggression oder Apathie im Zusammenhang mit der Erkrankung stehen.

Wie beim Menschen gibt es bei der Katze verschiedene Stadien eines epileptischen Anfalls:

Die Aura-Phase kündigt den Anfall an

In dieser Phase sind viele Katzen unruhig, gehen hin und her oder miauen. Wenn möglich, sperren Sie die Katze in einen sicheren Raum ein, in dem sie sich nicht verletzen kann.

Der Epileptische Anfall (Iktus)

Der eigentliche Anfall dauert bei Katzen bis zu zwei Minuten. Tipp: Wenn Sie denken, dass Ihre Katze einen epileptischen Anfall hat, nehmen Sie diesen mit Ihrem Smartphone auf. Die Aufnahme können Sie später Ihrem Tierarzt zeigen.

Fassen Sie Ihre Katze während eines Anfalls nicht an – es besteht große Verletzungsgefahr!

Postiktale Phase

Nach einem Anfall sind viele Samtpfoten desorientiert und verwirrt. Es dauert einige Stunden, bis sie wieder zu sich kommen. Außerdem zeigen viele in dieser Phase großen Appetit.

Epilepsie-Diagnose vom Tierarzt

Wenn Sie einen epileptischen Anfall bei Ihrem vierbeinigen Gefährten vermuten, sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen. Selbst fokale Anfälle, die sich auf einzelne Körperteile beschränken, können unbehandelt gefährlich werden. Denn es kann zu einem Status epilepticus kommen – einem extrem lange andauernden Anfall, der das Gehirn schädigen kann. Gleiches gilt bei sogenannten Cluster Anfällen, also bei zwei oder mehr Anfällen innerhalb von 24 Stunden.

Epilepsie ist immer eine Ausschlussdiagnose – zumal die Anfälle bei Katzen meist andere Ursachen haben. Ihr Tierarzt wird untersuchen, ob Anzeichen für eine Vergiftung oder Sauerstoffunterversorgung vorliegen. Er wird Sie ausführlich zur Vorgeschichte des Tieres und den Umständen des beobachteten epileptischen Anfalls befragen. Es erfolgt eine gründliche Untersuchung inklusive Blutabnahme, in vielen Fällen wird der Tierarzt ein MRT anordnen.

Therapie von Epilepsie-Katzen

Oft richtet sich die Therapie nach der primären Erkrankung, die die Epilepsie auslöst. Nicht immer ist es möglich, die Anfälle künftig komplett auszuschließen.

Bei der großen Mehrheit der Tiere können Halter und Tierarzt die Zahl der Anfälle um über 50 Prozent reduzieren.

Die Epilepsie selbst wird bei Katzen vor allem mit Phenobarbital therapiert, das zweimal täglich zu verabreichen ist. Viele Samtpfoten können bei regelmäßiger Gabe anfallsfrei bleiben. Dies bedeutet, dass der Katzenhalter sich mit der Tablettengabe vertraut machen muss. Im Urlaub oder bei Krankheit ist eine zuverlässige Person mit der Tablettengabe zu beauftragen. In manchen Fällen kommen alternativ Kaliumbromid oder Diazepam zum Einsatz. Ihr Tierarzt wird mit Blick auf den Allgemeinzustand Ihrer Katze das optimale Medikament auswählen.

Vor allem zu Beginn sind Geduld und einige Tierarztgänge gefragt. Denn es kann dauern, bis die für Ihre Katze richtige Dosis ermittelt ist. Eine zu hohe Dosis kann Leberschäden nach sich ziehen. Setzen Sie die Therapie nicht ohne Rücksprache mit dem Tierarzt ab. Es könnte zu einem schweren epileptischen Anfall kommen.

Freigang für Epilepsie-Katzen?

Grundsätzlich ist das Ziel einer Epilepsie-Therapie, die Anfälle zu reduzieren. Bei einer primären Epilepsie ist es nicht immer möglich, dass die Katze komplett anfallsfrei wird. Auch wenn nur zwei Anfälle pro Jahr auftreten, können diese bei Freigang tödlich enden. Zum Beispiel, wenn die Samtpfote sich auf einer Straße aufhält, während sie einen Anfall bekommt.

Optimal wäre, Epilepsie-Katzen einen gesicherten Freigang mit einem Katzenzaun zu ermöglichen.

Überprüfen Sie auch, ob in den eigenen vier Wänden Gefahr droht. Liegt Ihre Samtpfote am liebsten auf einem zwei Meter hohen Schrank, bieten Sie einen alternativen Schlafplatz an.