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Beruhigungsmittel für Hunde – Pillen gegen die Angst?

Hand gibt Tablette an Chihuahua advice
© Shutterstock

Für den Hundehalter ist es ein herzzerreißender Anblick: Der geliebte Vierbeiner kauert zitternd in der Ecke und verspürt Panik und starken Stress. Kommt solch eine Situation häufiger vor, denken viele Hundebesitzer an Beruhigungsmittel für Hunde. Es ist aber nicht leicht, bei der Vielzahl an Mitteln zu den richtigen zu greifen. Was die Mittel können und wie Hundehalter unterstützend ohne Pillen der Fellnase beiseite stehen können, wird in diesem Ratgeber Artikel durchleuchtet. 

von Carina Petermann

Beruhigungsmittel für Hunde – Angstauslöser

Jede Fellnase ist von ihrem Naturell verschieden – einige sind die Ruhe selbst und meistern souverän stressige Situationen. Dann gibt es die zart besaiteten Vierbeiner, denen schon leichter Trubel zusetzt. Die Sozialisation im Welpenalter spielt für ein entspanntes Wesen als erwachsener Hund eine immense Rolle. Das verdeutlicht das Beispiel, wenn ein Welpe zu früh von seiner Mutter getrennt wurde. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er im späteren Leben anfällig für die Entwicklung von Phobien ist. 
Grundsätzlich ist es empfehlenswert, den eigenen Hund so wenig Hektik wie möglich auszusetzen. Dennoch sind stressige Situationen im Alltag nicht vermeidbar. Einige Beispiele, bei denen sensible Fellnasen gestresst reagieren sind folgende: 

  • Lärm (zum Beispiel an Silvester)
  • Besuch beim Tierarzt oder Hundefriseur
  • Gewitter
  • Autofahrten
  • Trennungsangst, wenn der Hundehalter das Zuhause verlässt
  • Besuch (fremde Menschen oder fremde Hunde)

Beruhigungsmittel für Hunde - Was hilft alternativ?

In vielen Fällen besteht kein Bedarf zu Pillen, Tröpfchen und Co. zu greifen. Daher geht dieser Ratgeber Artikel erst mal darauf ein, wie der Hundehalter alternativ dem vierbeinigen Freund helfen kann. Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die mehr Entspannung in bestimmten Situationen bringen. Außerdem kreisen viele Mythen rund um das Thema, wie sich ein Hundehalter bei einer nervösen Fellnase richtig verhält. 

Nicht die Angst verstärken

Wichtig ist, dass der Hundehalter durch sein Verhalten die Angst des Vierbeiners nicht verstärkt. Das bedeutet keineswegs, dass ein ängstlicher Hund von seinem Besitzer komplett ignoriert werden soll. Vielmehr ist das maßlose Streicheln und das Zureden auf den Hund gemeint. Wenn sich der Hund beispielsweise voller Angst ein Versteck sucht, sollte Frauchen oder Herrchen das respektieren.  

Ruhezonen schaffen

Verspürt die Fellnase im eigenen Zuhause Angst, dann ist ein Rückzugsort wichtig. Ein kuscheliges Hundebett in einem ruhigen Teil der Wohnung ist schon ein Anfang. 

Geräusche dämmen

Natürlich darf ein lautes Geräusch nicht mit einem noch lauteren kompensiert werden. Hier ist eine entspannende und leise Musik gemeint, welche den Lärm von draußen etwas dämmt. So kann vom eigentlichen Angstauslöser abgelenkt werden. Eine beruhigende Wirkung von Musik auf den Vierbeiner wurde zudem durch eine Studie der University of Glasgow wissenschaftlich belegt. Zusätzlich empfiehlt es sich die Wohnung zu verdunkeln, um optische Reize von Außen zu reduzieren. 

Wenn der Hund Nähe sucht

Für den Fall, dass der Vierbeiner zu seinem Menschen von alleine kommt, kann Körperkontakt beruhigen. Früher war der allgemeine Stand: Bloß nicht den Hund durch Streicheln in seiner Angst verstärken. Es kommt auf die Art und Weise an. Gegen ein paar beruhigende Gesten und der Gewissheit, dass der Rudelführer souverän beiseite steht, ist nichts einzuwenden. 

Auspowern

Eine lange Autofahrt steht an und der Hundehalter weiß im Voraus, dass der Hund unter Nervosität leiden wird? So ergeht es vielen Hundebesitzern. Ein ausgiebiger Spaziergang oder – falls es die Gesundheit des Hundes erlaubt – Joggen, Fahrradfahren und Co. sorgen dafür, dass der Hund während der Autofahrt entspannter ist. 

Beruhigungsmittel für Hunde – klassisch oder alternativ?

Haben die beruhigenden Maßnahmen keinerlei Wirkung auf den Vierbeiner, kann eine Einnahme von Beruhigungsmitteln für Hunde in Erwägung gezogen werden. Es gibt verschreibungspflichtige Tabletten, homöopathische Heilmittel in Tropfen-Form, Beruhigungs-Halsbänder und vieles mehr. Für jede Fellnase ist individuell das beste Beruhigungsmittel zu finden. Schritt für Schritt wird sich in den nächsten Abschnitten ihrer Wirkung und möglichen Risiken bzw. Nebenwirkungen gewidmet. 

Verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel für Hunde

Wie sich erahnen lässt, sind diese Mittel intensiv in ihrer Wirkung, da sie nicht frei verkäuflich sind. Darunter gibt es ein Beruhigungsmittel, welches trotz Risiken immer noch Verwendung findet. 

Zweifelhafter Ansatz: Das Mittel Acepromazin

Das Beruhigungsmittel mit dem Wirkstoff Acepromazin steht zunehmend in der Kritik. Zwar wirkt der Hund ruhiger und entspannter, der Grund liegt aber nicht darin, dass er weniger Angst verspürt. Acepromazin ist ein Sedativum und Neuroleptikum. Der Hund wird ruhig gestellt und hat keine Kraft seine Nervosität kundzutun. Innerlich ist die gleiche Angst da, wie ohne die Verabreichung. Für einen ängstlichen Vierbeiner, der sein Befinden nicht ausdrücken kann, muss dies mit extremen Unwohlsein verbunden sein. 

Richtiger Ansatz, doch nicht ohne Nebenwirkungen

Dann gibt es verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel, die das Problem an der Wurzel packen: Benzodiazepine reduzieren das Angstgefühl der Hunde. Die Einnahme ist mit einigen Nebenwirkungen verbunden: Der Hund kann einen gesteigerten Appetit aufweisen und zu weniger Hemmung neigen – was sich bei aggressiven Hunden als problematisch herausstellt.  Benzodiazepine sind unter keinen Umständen zu verabreichen, wenn der Hund bereits Panik verspürt. Dann kann das Mittel zu einer Panikattacke führen. 

Pheromone: Sprays, Halsbänder und Zerstäuber

Bei leichter bis mittelstarker Angst können Pheromon-Produkte zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um die künstliche Nachbildung eines Pheromons, welches eine Hündin nach der Geburt in ihrem Gesäuge ausschüttet. Die Welpen nehmen den Geruch wahr, der in ihnen ein starkes Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit auslöst. Der Botenstoff wirkt Herstellern zufolge auch bei erwachsenen Hunden und wird demnach zur Beruhigung eingesetzt. 
Doch eine Studie, bei denen die Wirkung bei Hunden und Katzen überprüft wurde, widerlegt eine beruhigende Wirkung der künstlich hergestellten Pheromone. Im AVMA Journal ist eine Zusammenfassung zu lesen. 

Zeigt der Hund nur an bestimmten Orten ein nervöses Verhalten, kann der Besitzer mit einem Spray den Beruhigungs-Botenstoff verteilen. 

Pheromone in Halsbändern sind praktisch, wenn der Vierbeiner sowohl drinnen als auch draußen zu einem ängstlichen Verhalten neigt. 

Ein Zerstäuber kann für alle Fellnasen geeignet sein, die im eigenen Zuhause des Öfteren Angst verspüren. Hier wird der Zerstäuber an die Steckdose angeschlossen – so kann der Botenstoff in den Raum abgegeben werden.

Die Kraft der Homöopathie

Obwohl die alternative Heilmethode nicht wissenschaftlich bewiesen ist, wird Homöopathie beim Hund immer beliebter. Es handelt sich meistens um extrem verdünnte, pflanzliche oder mineralische Substanzen. Aufgrund ihrer Beschaffenheit weisen sie kaum Nebenwirkungen auf.  
Am besten fragen Hundehalter einen erfahrenen Tierheilpraktiker oder einen Veterinär mit einer zusätzlichen homöopathischen Ausbildung um Rat. Denn nur richtig dosiert, können sie zu Stress-Abbau und folglich zu mehr Entspannung verhelfen.

Notfall-Tropfen

Beruhigungsmittel für Hunde gibt es für Notfälle, wie an Silvester. Hier empfiehlt es sich die sogenannten „Rescue Drops“ für Hunde auszuprobieren. Obwohl es für Wirksamkeit von Bachblüten bei Hunden keine handfesten Beweise gibt, schwören viele Hundebesitzer auf die sanfte Arznei. Bei den Notfalltropfen sind einzelne Essenzen zu einer Mixtur zusammengestellt. 
Auch hier gilt: Um eine Wirkung zu erzielen, ist die richtige Dosierung wichtig. Unsichere Hundehalter können sich – wie bei der klassischen Homöopathie – bei einem Tierheilpraktiker oder erfahrenen Tierarzt beraten lassen. 

Nebenwirkungen vs. Wirkung

Verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel sollten nur in äußersten Notfällen eingesetzt werden, wenn alles Mögliche schon versucht wurde. Eine dauerhafte Lösung sind die Psychopharmaka keineswegs. Benzodiazepine haben gewissen Risiken und sollten nur nach ausführlicher Absprache mit dem Tierarzt verabreicht werden. Bei den anderen Mitteln, wie zum Beispiel pflanzlichen Beruhigungsmitteln, sind Nebenwirkungen kaum vorhanden. Dafür gibt es wiederum keine überzeugenden Beweise, die für ihre Wirksamkeit sprechen.

Beruhigungsmittel für Hunde – Fazit

Bevor Hundehalter es mit Arznei versuchen, empfiehlt es sich erst einmal andere Maßnahmen einzuleiten. Sei es durch das eigene Verhalten, das der Fellnase die Angst nimmt oder vielleicht auch mit Fachliteratur oder einem guten Hundetrainer. Leichte Formen von ängstlichem Verhalten müssen nicht immer behoben werden. Der Hund ist wie wir Menschen nicht perfekt. 
Aber in einigen Fällen können Beruhigungsmittel für Hunde auch hilfreich sein. Nicht zu verschweigen ist die Tatsache, dass extrem verängstigte Hunde auch eine Gefahr für sich selbst und das Umfeld darstellen können.