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Läufigkeit bei Hündin: Pubertät, Dauer, Phasen

schwangere-huendin advice © Shutterstock

Irgendwann ist es für jeden Hundebesitzer einmal so weit: Unsere Hunde werden erwachsen. Insbesondere für Herrchen und Frauchen mit Hündinnen beginnt jetzt eine ganz besondere Zeit mit vielen hormonellen Vorgängen und manch interessierter Rüde kann sich in der fruchtbaren Phase nicht mehr zurückhalten. Die Läufigkeit beginnt bei weibliche Hunden, sofern sie nicht früh kastriert sind, im ersten Lebensjahr. Dieser Vorgang ist ganz natürlicher Art und kann von Hündin zu Hündin im fruchtbaren Alter unterschiedlich sein.

von Carina Petermann

Vom Welpen zur erwachsenen Hündin: Die Pubertät der Hunde

Die meisten Hündinnen können ihre erste Läufigkeit im Alter von sechs bis zwölf Monaten erwarten, in seltenen Fällen auch erst nach etwa zwei Jahren. Mit dem Eintritt in die Geschlechtsreife befinden sich Hunde gleichzeitig mitten in der Entwicklungsphase ihres Körpers und durchleben die Pubertät. Dieser Zustand auf psychischer und physischer Ebene ist stark vergleichbar mit der Pubertät junger Menschen auf ihrem Weg ins Erwachsenenalter. Alle charakterlichen Züge, die sich die Hunde bis dahin angeeignet haben, können durch den Eintritt der Geschlechtsreife zunächst in Vergessenheit geraten. Die durch die Pubertät entstandenen Veränderungen, unterscheiden sich nicht nur rassenspezifisch, auch das jeweilige Geschlecht macht den Unterschied aus. Während Rüden sich charakterlich stark verändern, sozusagen frech und pubertär wirken, fühlen sich Hündinnen oftmals verletzlich und unsicher in ihrer körperlichen und mentalen Verfassung und Stärke. Rüden hinterfragen in dieser Phase die Führungsqualitäten ihres Menschen und dominieren nicht selten den Haushalt. Hingegen ist dieser Lebensabschnitt für Hündinnen eine Zeit, die viel Verständnis und Aufmerksamkeit ihres Besitzers benötigt.

Zeitpunkt der ersten Läufigkeit nach Hunderasse

Die erste Läufigkeit einer Hündin ist für Besitzer trotz des natürlichen Prozesses eine oftmals irritierende Erfahrung. Damit sich diese Verunsicherung nicht auf die ohnehin noch junge Hündin überträgt, klären wir hier über alle Details der Läufigkeit von Hunden auf.

Die exakte Altersempfänglichkeit der ersten Läufigkeit kann in Abhängigkeit von Hunderasse und Individuum variieren.

  • Kleine Hunderassen neigen zu einer früheren ersten Läufigkeit als größere Hündinnen.

  • Sehr große Rassen, wie beispielsweise Neufundländer oder Bernhardiner, werden oftmals erst im zweiten Lebensjahr zum ersten Mal läufig.

Ein maßgeblicher Faktor, der die erste Läufigkeit zeitlich ebnet und einläutet, ist, wenn das ausgewachsene Körpergewicht erreicht ist. Bei heranwachsenden Hunden sollte somit auf eine ausgewogene und vor allem ausreichende Nahrung und Fütterung geachtet werden.

Die erste Läufigkeit verläuft meist nicht ganz ohne Probleme und gleicht später kaum noch dem regulären Zyklus einer Hündin. Beispielsweise kommt es manchmal zu einer sogenannten ‚stillen Läufigkeit’. Trotz der typischen hormonellen Veränderungen, sind körperlich keine Merkmale der Läufigkeit festzustellen. Die Hündin benimmt sich also, durch Hormone gesteuert, wie während einer normalen Läufigkeit, dennoch sind keine physischen Merkmale, äußere Merkmale, wie Ausfluss oder Schmierblutung zu entdecken. So kommt es nicht selten zu einer unentdeckten ‚Hitze’ der Hündin. Mentale Schwierigkeiten oder Verhaltensstörungen können so also falsch gedeutet und missverstanden werden. Manche Hündinnen besitzen einen Zyklus mit Störungen. Hierbei unterteilt sich die Läufigkeit in verschiedene Stadien, was bedeutet, dass sich die „hitzigen Tage“ ständig unterbrechen. Die Hündin wird hierbei mehrmals, in kurzen Intervallen, hintereinander läufig. Ein sog. „Split-Zyklus“ kann oftmals leider eine starke psychische Belastung für das betroffene Tier darstellen. Solche Anomalien der ersten Läufigkeit entstehen bei jungen Hündinnen durch die noch nicht vollkommen körperliche Entwicklung. Die Häufigkeit unregelmäßiger Läufigkeit bei Hündinnen ist sehr hoch, dennoch stellen kleine Abweichungen normaler Zyklen noch keinerlei Grund zur Sorge dar. Gezüchtete Hunde wurden in ihrer ursprünglichen Genetik über Jahrtausende verändert, gleichzeitig haben sich auch körperliche Merkmale ihrer Umgebung und Haltung angepasst.

Die vier Stufen der Läufigkeit: Vorbrunst, Brunst, Nachbrunst, Ruhephase

Proöstrus (Vorbrunst)

Die erste Stufe der Läufigkeit wird als Proöstrus (Vorbrunst) bezeichnet. Diese Phase dauert im Durchschnitt neun Tage, kann jedoch durch Rasse und Größe von drei bis siebzehn Tagen variieren. Die Hündin durchläuft jetzt verschiedene Stadien der körperlichen Veränderung: Die Vulva schwillt an und blutiger Scheidenausfluss tritt aus. Die Menge der ausgeschiedenen Körperflüssigkeiten unterscheidet sich bei Hunden und variiert von Rasse zu Rasse und Körpergröße. Zu diesem Zeitpunkt ist wichtig zu erwähnen, dass die Hündin zwar noch nicht fruchtbar ist, für Rüden aber bereits auffällig gut riecht. Das vermehrte Interesse der männlichen Hunde beeindruckt die läufige Hündin aber noch nicht. Ganz im Gegenteil empfindet sie die starke Aufmerksamkeit als stressig und belastend und versucht sich durch aggressive Gegenreaktion zu helfen. Ein Zusammentreffen mit höchst aufdringlichen Rüden zu dieser Phase kann also auch gefährlich für Hunde verlaufen.

Östrus (Brunst)

In der zweiten Phase, auch Östrus (Brunst) genannt, wird die Hündin nun deckbereit. Die sogenannte „Standhitze“, bezeichnet gleichzeitig auch die nun bereitwillige Paarung. Die Hündin beißt nun keine Rüden mehr weg, sie bespielt den ihr zugeneigten Rüden und zeigt sich am anderen Geschlecht höchst interessiert. Für Halter, die keinen Nachwuchs ihrer Hunde wünschen, beginnt nun eine stressige Zeit. Jeder für die Hündin interessante Rüde bekommt nun die volle Aufmerksamkeit, Spaziergänge können so zum Spießrutenlauf werden. Die unkastrierte Hündin bleibt ständig stehen, läuft weg und gibt sich ungehörig. Durchschnittlich dauert die Standhitze etwa neun Tage an, manche Weibchen schaffen es sogar aber auch weit darüber hinaus, bis zu 21 Tage, in der Brunst zu verweilen. Die Vulva ist nicht mehr ganz so stark geschwollen und der Ausfluss der Scheide wird wässriger, meist schleimig. Während dieser Phase des Östrus finden in Abständen einiger Tage mehrere Eisprünge statt. Besonders in den ersten Tagen, meist zwischen dem zweiten und dem vierten Tag, befindet sich die Hündin somit in der fruchtbaren Zeit. Zur sicheren Vermeidung des Geschlechtsakts sollten Halter mit einer läufigen Hündin also besonders aufmerksam im Umgang mit anderen, männlichen Hunden sein. Hundeparks und Auslaufgebiete können in den ersten Tagen vermieden werden, der Stress der ‚hitzigen’ Hündin klingt so schneller ab und unkastrierte Rüden, werden dem Geruch nicht unnötig ausgesetzt.

Metöstrus (Nachbrunst)

Die Nachbrunst, auch Metöstrus, bezeichnet die vorletzte Phase der Läufigkeit. Die hormonellen Veränderungen klingen langsam ab. Die Vulva schwillt ab, der Ausfluss verändert sich farblich, wird gelb und verschwindet. Die Hündin ist ab diesem Zeitpunkt offiziell und biologisch nicht mehr läufig, kann aber hormonell-bedingt noch über einige Wochen hinweg Symptome der Läufigkeit aufweisen. Da der Prozess der Läufigkeit bei Hunden nicht wie bei Menschen einem monatlichen Zyklus folgt, sondern nur mehrmals im Jahr auftritt, können die hormonellen Veränderungen einige Zeit in Anspruch nehmen, sich wieder gänzlich abzubauen. Die Gelbkörper sind während des Eisprungs an den Eierstöcken entstanden und haben kontinuierlich das Hormon Progesteron produziert. Progesteron dient dem Embryo zum Wachstum und zur erfolgreichen Einnistung in der Gebärmutter. Die gelben Körperchen produzieren das Hormon in der Zyklusphase aber unabhängig von einer möglichen Befruchtung, was bedeutet, dass der Abbau ohne erfolgreiche Trächtigkeit der Hündin, langsamer abgebaut werden muss. Der gänzliche Abbau kann somit bis zu zwölf Wochen andauern. In manchen Fällen, können Phasen der Läufigkeit ohne erfolgreiche Befruchtung auch schwere Folgen nach sich ziehen: einige Hündinnen, die zu einem schweren und verlangsamten Abbau der Zyklus-Hormone neigen, kann der sinkende Progesteron-Spiegel die Ausschüttung von Trächtigkeitssymptomen anstoßen. So kommt es zu einer Ausschüttung des Hormons Prolaktin, welches für die Milchproduktion der Hündin zuständig ist, wodurch die Hündin nun einer sog. Scheinträchtigkeit ausgesetzt ist. Nicht nur hormonelle Gründe verantworten Fälle einer Scheinträchtigkeit bei Hündinnen. Im weiteren Verlaufs des Artikels verweisen wir noch einmal detailliert auf die Gründe und Auswirkungen.

Anöstrus (Ruhephase)

Die letzte Phase des Zyklus bezeichnet den Anöstrus. Die sog. Ruhephase der Läufigkeit beschreibt eine gänzliche Beendigung der äußeren Anzeichen, dennoch werden Sexualhormone weiterhin in Mengen produziert. Diese Phase wird deshalb nicht nur als letzter Abschnitt der Läufigkeit beschrieben, sie leitet eine erneute „heiße Phase“ auch wieder ein. Dabei schwanken Hormone, wie Progesteron und Östrogen. Im Übergang der Phasen von Anöstrus zur Proöstrus wird eine erneute Läufigkeit körperlich, also hormonell, bereits wieder vorbereitet. Hierbei bilden sich Eibläschen, Follikel, an den Eierstöcken. Die Eizellen können in den Follikeln bis zum Eisprung heranreifen.

Hündin läufig: Was Hundehalter beachten sollten

Die erste Läufigkeit ist für jeden Hundebesitzer eine besondere Zeit, die viel Verständnis und Ruhe benötigt. Viele Hündinnen vergessen in diesen Momenten teilweise sogar ihre gute Erziehung und wirken triebgesteuert statt ansprechbar. Andere Weibchen werden sogar zärtlicher und wenden sich mehr ihren Besitzern zu. Wichtig zu verstehen ist, dass diese Phasen hormongesteuert sind und Hündinnen einem großen Stressfaktor ausgesetzt sind, teilweise sogar zu Depressionen oder melancholischem Verhalten neigen. Der Prozess der Läufigkeit ist ein natürlicher Ablauf des Lebens. Hunde verstehen aus ihrem Instinkt heraus, was zu tun ist. Sie putzen sich Sekrete der Läufigkeit selbst weg und achten von Natur aus auf Sauberkeit. Sollte eine Hündin diesen instinktiven Charakter verloren oder zu wenig ausgeprägt haben, können Besitzer mit einem speziellen „Höschen“ für läufige Hündinnen Abhilfe leisten. Auch in der Begegnung mit interessierten und potenziellen Anwärtern kann so vieles verhindert und die Hündin weniger gestresst werden.