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So gelingt das Leben mit einem blinden Hund

Blinder Hund mit Linsentrübung advice
© Shutterstock

Ist der Hund blind, lebt es sich nicht viel anders als mit einem sehenden Vierbeiner. Einziger Unterschied ist, dass seine anderen Sinne stärker ausgeprägt sind und er sich auf eben diese mehr verlässt. Die Fellnase ist nicht grundsätzlich auf seinen Halter angewiesen, jedenfalls nicht mehr als ein Tier mit gesunden Augen. Welche Tipps und Hilfsmittel dennoch sinnvoll im Umgang mit einem blinden Hund sein können, erklären wir.

von Carina Petermann

Das Wichtigste in Kürze

  • Blinde Hunde sind in der Lage, ein (fast) ganz normales Leben zu führen
  • Insbesondere Geschmacks- und Geruchssinn sind bei einem blinden Vierbeiner umso stärker ausgeprägt
  • Es gibt viele praktische Alltagshilfen, die Hund und Haushalt im Umgang mit der Sehbehinderung zu Anfang helfen
  • Die Kommunikation zwischen Halter und Fellnase ist im Miteinander wichtig

Ein blinder Hund im Haushalt: Was ist anders?

Wenn ein blinder Hund einzieht, ändert sich erst einmal das, was sich immer durch ein Haustier ändert: Sie bekommen Zuwachs. Dass dieser nichts sehen kann, schränkt weder Halter noch Hund ein, solange es nicht zugelassen wird. Trotz „nutzloser“ Augen kann ein blinder Hund alles tun, was er möchte. Wichtig zu wissen ist nämlich, dass er durch seine anderen Sinne ebenfalls alles wahrnimmt. Futter- und Schlafplatz erkennt er am Geruch genauso wie Herrchen und/oder Frauchen sowie andere Haustiere im Haushalt. Letztere können sich auch als optimale Hilfe erweisen. So kann ein blinder Hund mit einem Blindenhund als Unterstützung zusammenleben.

Kommt der blinde Hund aus dem Tierheim, macht es Sinn, sich über seine Sehbehinderung ausgiebig zu informieren. Interessant ist, wie lange er blind und ob die Erblindung durch das Alter, eine Krankheit oder einen Unfall eingetreten ist. Dies kann ausschlaggebend für den Umgang sein. Ab und an benötigen blinde Hunde Hilfsmittel. Das ist aber nicht zwingend der Fall. Einige Vierbeiner kommen auch prima ohne Glöckchen, Duftöl oder Ähnlichem zurecht. Das Verhalten des Hundes entscheidet darüber, ob und in welcher Form Hilfsmittel nötig sind.

Tipps für den Alltag

  • Ob ein blinder Hund zur Hundeschule muss, ist davon abhängig, was Sie für richtig befinden. Auch ein Tier ohne Sehvermögen kann schließlich das ein oder andere unerwünschte Verhalten an den Tag legen.
  • Bei Treppen braucht ein blinder Hund im Regelfall etwas Unterstützung. Es hilft ihm, wenn die Treppenstufe durch Geräusche kenntlich gemacht wird.
  • Wer möchte, kann beim Spaziergang auf eine Kennzeichnung setzen. Das ist bei freilaufenden Tieren nicht verkehrt, denn so sind andere Spaziergänger vorgewarnt. Oft trägt ein blinder Hund daher ein Halstuch mit Markierung.
  • Wenn ein blinder Hund orientierungslos ist, unterstützt der Besitzer ihn am besten durch seine Nähe. Es genügt schon, wenn der Vierbeiner zum Schlaf- oder Futterplatz begleitet wird.
  • Liegt ein blinder Hund auf dem Sofa und schläft, ist es wichtig, den Bereich vor dem Möbelstück freizuhalten. Falls er sich erschreckt, hat er gleich einen freien Fluchtweg, ohne sich dabei zu verletzen.
  • Grundsätzlich ist es empfehlenswert, eine gewisse Routine für den Vierbeiner einzurichten. Damit sind gleichbleibende Standorte für Futter und Körbchen gemeint. Wenn ein blinder Hund spezielles Spielzeug hat, kann dies ebenfalls immer am gleichen Ort gelagert werden. So findet er alles problemlos und auf Anhieb.

Praktische Hilfsmittel für Haus, Garten & Co.

Gut geeignet für den Garten sind beispielsweise portable Zäune. Diese sind immer so anzubringen, wie es gerade nötig ist. Gleiches gilt für Tür- und/oder Treppengitter. Das ist sinnvoll, wenn der Hund kürzlich in einen neuen Haushalt eingezogen ist und die Umgebung noch nicht gut kennt. Bei vielen Hundebesitzern sind die kleinen lautgebenden Glöckchen weniger beliebt. Sie können diese hellklingenden Hilfsmittel sowohl selbst tragen als auch an anderen Tieren im Haushalt befestigen. So hat der blinde Hund stets ein akustisches Signal im Ohr, wenn sich jemand nähert. Für den täglichen Spaziergang kann ein blinder Hund normales Geschirr tragen oder spezielle Sicherheitsgurte mit Kollisionsschutz.

Wenn sich ein blinder Hund den Kopf stößt, können Halter das Problem auf zweierlei Art behandeln. Entweder alle unnötigen Hindernisse werden stets aus seinem Bewegungsradius entfernt oder er trägt einen Kopfschutz für blinde Hunde. Bei Letzterem besteht allerdings die Gefahr, dass die Tiere davon gar nicht begeistert sind. Daher ist die Prävention, also die Beseitigung von Hindernissen, empfehlenswerter. Ist der Hund blind und taub, ist es ratsam, auf weitere Hilfsmittel umzusiedeln. Duftöle helfen beispielsweise durch den ausgeprägten Geruchssinn zu erkennen, wo sich Schlafstelle und Futterplatz befinden.

Unsere Empfehlung: Vertrauen schaffen, Signale einführen und möglichst normal behandeln
  • Ganz wichtig für den Umgang mit blinden und tauben Hunden ist das Vertrauen. Der Vierbeiner muss spüren, dass Sie ihm Situationen zutrauen und dass er bei Ihnen sicher ist. Spürt er Ihre Angst, kann es sein, dass er dadurch ebenfalls verunsichert ist.
  • Die Kommunikation spielt ebenfalls eine große Rolle. Führen Sie bestimmte Signale und Rufbefehle ein, die der blinde Hund sofort einordnen kann. Dadurch wird auch die Beziehung zwischen Halter und Haustier verbessert. Wichtig ist hierbei auch eine Ankündigung vor der anschließenden Handlung. Geben Sie dem Tier genaue Hinweise, was als Nächstes folgt.
  • Ein Tier ohne Sehvermögen ist häufig sehr reizempfindlich, weshalb ihre Reaktionen oftmals stärker ausfallen. Dies kann unter Umständen sogar bedrohlich wirken. Herrchen und Frauchen sollten daher stets unterstützend wirken und im besten Fall erkennen, wann es zu viel wird. Ist ein blinder Hund depressiv, verstimmt oder ängstlich, ist schon ein Kopftätscheln zu viel. Das trifft aber grundsätzlich auf jedes Tier zu.
  • Wenn sich das Haustier überhaupt nicht gut zurechtfindet, ist es sinnvoll, dass ein blinder Hund einen Blindenhund bekommt. Der sehende Partner ist eine große Hilfe und wird zudem der beste Freund des Vierbeiners.

Das Allerwichtigste ist jedoch, dass Sie Ihren Hund ganz normal behandeln. Er freut sich genauso über ein Leckerli, eine Streicheleinheit und viel Auslauf wie ein Tier mit gesunden Augen.