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Getreidefreies Hundefutter im Fressnapf: Ja oder nein zum Getreide?

hund vor leerem und vor gefülltem fressnapf advice © Shutterstock

Getreide im Hundefutter – ja oder nein? Die Einen füttern es, ohne zu hinterfragen. Die Anderen verteufeln es. Und wiederum andere füttern nur bestimmte Getreidesorten. Doch was hat es auf sich mit dem Hype um getreidefreies Hundefutter? Getreide kann  beim Hund Verdauungsprobleme und Allergien verursachen. Genauso kann aber auch getreidefreies Futter Hunde krank machen.

von Carina Petermann

Können Hunde Getreide im Hundefutter verdauen und verwerten?

Hunde stammen vom Wolf ab, der ein Beutegreifer ist und sich von Beutetieren ernährt. Deshalb scheint für viele klar zu sein, dass auch der Hund ein reiner Fleischfresser ist. Doch so einfach ist es nicht.

Der Hund begleitet den Menschen bereits viele Tausend Jahre. Als die Menschen begannen, Landwirtschaft zu betreiben, änderte sich auch der Speiseplan der Hunde. Sie jagten immer weniger und fraßen stattdessen Getreidebrei, Essensreste und Fäkalien. Auch im Kot vieler heute noch existierenden Wildhundepopulationen lässt sich nur noch ein geringer Fleischanteil nachweisen.

So eine Entwicklung hat auch genetische Veränderungen zur Folge. Das konnten Wissenschaftler in mehreren Studien nachweisen. Hunde haben weitaus mehr Kopien von Genen, die für die Stärkeverdauung zuständig sind. Dabei sind Rassenunterschiede zu beobachten. Weniger ursprüngliche Hunderassen, die schon früher sehr nah am Menschen lebten und aus landwirtschaftlich geprägten Regionen stammen, haben die größte genetische Anpassung an eine Stärkeverdauung. 

Sowol Wölfe als auch Hunde können Stärke verdauen, Hunde aber – so wird nun vermutet – weitaus besser. Ganze Getreidekörner kann ein Hund allerdings nicht verwerten. Sie werden in der Regel im Ganzen wieder ausgeschieden. Damit der Hund sie verdauen und ihre Nährstoffe verwerten kann, müssen sie „aufgeschlossen“ sein, z.B. durch Erhitzen oder Walzen. Stärke gehört zu den Kohlenhydraten und ist eine wertvolle Energiequelle. Da Hunde ihre Energie aber ausschließlich über Eiweiße und Fette beziehen können, sind sie nicht zwingend auf diese Stärke angewiesen.

Warum getreidefreies Hundefutter füttern?

Auch wenn Hunde Getreide verdauen können, gibt es mehrere Gründe, die gegen ein getreidehaltiges Hundefutter sprechen.

Getreide als billiges Füllmaterial

Dass in vielen Hundefuttersorten große Mengen Getreide enthalten sind, liegt daran, dass es billiger ist als Fleisch. Doch die Verdauung des Hundes ist nicht darauf ausgelegt, überwiegend Getreide zu fressen. Es kann deshalb zu Verdauungsproblemen wie Blähungen und Durchfällen führen.

Getreidefreies Futter enthält kein Gluten

Das als Klebereiweiß bekannte Speicherprotein Gluten gilt als Verursacher von Allergien und Unverträglichkeiten. Im Weizen und Dinkel ist besonders viel davon enthalten. Wie Menschen können auch Hunde an einer Glutenunverträglichkeit leiden. Einige Vertreter der Hunderasse Border Terrier leiden zudem an der Krankheit Canine Epileptoid Cramping Syndrome, bei denen die betroffenen Hunde sogar an Epilepsie ähnlichen Anfällen leiden, wenn sie glutenhaltiges Futter bekommen.

Auch wenn vieles gegen Getreide im Hundefutter spricht, sollte dieses nicht verteufelt werden. Unzählige Hunde kommen mit getreidehaltigem Futter wunderbar zurecht.

Gutes Hundefutter ohne Getreide erkennen

Wenn ein Hundefutter getreidefrei ist, heißt das noch lange nicht, dass es sich um ein gutes Hundefutter handelt. Folgende Punkte helfen Ihnen, ein getreidefreies Hundefutter im Handel auf seine Qualität hin zu überprüfen.

Die Zusammensetzung des Hundefutters ist im besten Fall offen oder halboffen deklariert.

Das heißt, alle  Zutaten sind genau und mit Mengenangabe aufgelistet. Statt „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ (geschlossene Deklaration) steht auf der Packung beispielsweise „Hühnerfleisch (50%), Hühnerherzen (10%), Hühnerleber (2%),...“ (offene Deklaration). Diese offene Deklarationen wenden nur wenige Hersteller an, um ihre Rezepturen zu schützen. Verbreiteter ist die halboffene Deklaration ohne Mengenangabe, die aber im Gegensatz zur geschlossenen ein ungefähres Mengenverhältnis abschätzen lässt.</li>

Das Futter Ihres Hundes enthält als Hauptbestandteil Fleisch bzw. tierische Bestandteile.

Die Auflistung der Zusammensetzung wird nach Menge sortiert. Die Bestandteile sind absteigend genannt. Die Zutaten, die vorn stehen, sind in größerer Menge enthalten. Achten Sie darauf, ob seitens des Herstellers grobe Bestandteile in Einzelwerte aufgeteilt werden. Ein Futter mit der Auflistung „Fleisch, Kartoffelflocken, Kartoffelstärke, Kartoffeleiweiß“ enthält mit großer Wahrscheinlichkeit weit mehr Kartoffeln als Fleisch. Durch den Trick der Aufteilung steht das Fleisch mengenmäßig an erster Stelle und erweckt so den Eindruck als wäre es der Hauptbestandteil.</li>

Gutes Hundefutter enthält neben Fleisch und Innereien auch Ballaststoffe.

Ballaststoffe spielen in der Hundeernährung eine wichtige Rolle. Zu ihnen zählen die schwer oder kaum zu verdauenden Bestandteile, die auch ein Beutetier hat (z.B. Fell, Federn). Wie ein Zuviel von Ballaststoffen zu Verdauungsproblemen führen kann, tut es ein Zuwenig genauso. Als Ballaststoffe kann einem Hundefutter Kartoffeln, Gemüse, Flohsamenschalen oder Pseudogetreide zugefügt werden. Pseudogetreide ist glutenfreies Getreide wie Reis, Amaranth, Hirse, Quinoa, Mais und Buchweizen. Geht es Ihnen einzig und allein darum glutenfrei zu füttern, kann dieses eine gute Alternative sein.</li>

Das getreidefreie Futter enthält keine großen Mengen Hülsenfrüchte.

Nordamerikanische Wissenschaftler entdeckten einen Zusammenhang zwischen DCM, einer Herzerkrankungen bei Hunden, und einem niedrigen Taurinspiegel im Blut. Taurin ist eine Aminosulfonsäure, die eine wichtige Rolle für die Herzfunktion spielt. Während Katzen Taurin über die Nahrung aufnehmen müssen, können Hunde es selbst herstellen. Die Mehrheit der erkrankten Hunde bekam im Zeitraum der Diagnose von ihren Besitzern ein getreidefreies Futter mit hohem Anteil von Hülsenfrüchten und Kartoffeln. Es wird deshalb vermutet, dass die enthaltenen Hülsenfrüchte und ggf. auch Kartoffeln in größerer Menge die Bildung von Taurin hemmen.