In Hochdorf-Assenheim im Rhein-Pfalz-Kreis spielt sich derzeit ein Drama ab, das zeigt, wie schnell aus einem harmlosen Kauf eine Gefahr für Leib und Leben werden kann. Ein Mann kauft einen Hund. Doch was er am Ende bekommt, ist eine tickende Zeitbombe.
Denn weil die Tierliebe über die Vernunft siegt, zerplatzt eine Sicherheit, auf die wir uns fast zwei Jahrzehnte lang verlassen haben. Mit dem neuen Vierbeiner wird eine eigentlich besiegt geglaubte Seuche wieder zu einer akuten Bedrohung in Deutschland.
Der Klick, der alles verändert
Die fatale Geschichte beginnt auf einer Internetplattform, dort entdeckt der Tierfreund einen Hund aus Russland, in den er sich sofort verliebt. Schnell ist er sich mit der vermittelnden Organisation einig und der Vierbeiner tritt eine lange Reise quer durch Europa an.
Zusammen mit anderen Tieren wird der Hund transportiert – bestimmt für Österreich, die Schweiz, Belgien, Frankreich. Und eben Deutschland. Auf dem Papier sieht alles sauber aus: Der Hund hat einen Chip, ist geimpft und laut Unterlagen ist er acht Monate alt. Allerdings gibt es da ein Problem, wie sich erst später herausstellt: Das Papier lügt...
Das tödliche Geheimnis
Der Hund kommt im Rhein-Pfalz-Kreis an. Doch die Freude währt nicht lange. Das Tier verändert sich. Es zeigt „Verhaltensauffälligkeiten“, wirkt krank. Der Tierarzt, dem der Hund vorgestellt wird, ordnet sicherheitshalber eine strenge Quarantäne am. Am 25. Januar verliert der Hund den Kampf gegen die mysteriöse Erkrankung und stirbt.
Was dann folgt, ist ein Schock für die Behörden: Die Untersuchung des toten Körpers bringt die grausame Wahrheit ans Licht. Der Hund war infiziert - mit Tollwut. Das tödliche Lyssavirus ist zurück in Deutschland. Dabei galt es seit 2008 hierzulande offiziell als ausgerottet.
Ein Netz aus Lügen
Wie konnte das passieren? Die Ermittlungen decken jetzt, nach dem Tod des Tieres, das ganze Ausmaß des Betrugs auf. Der Hund war viel jünger als in den Papieren angegeben und ist illegal eingereist.
Und schlimmer noch: Der Stempel im Impfpass, der vermeintlich Sicherheit suggerierte, war wohl eine Fälschung. Das Tier hatte keinerlei Schutz gegen die Seuche – und brachte sie so über die Grenze.
Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen Verstoßes gegen das Tiergesundheitsgesetz. Doch für den kleinen Hund kommt jede Hilfe zu spät. Er war das Opfer skrupelloser Händler, die für Profit eine tödliche Katastrophe riskieren.
Tollwut ist kein harmloser Schnupfen. Sie endet für ungeimpfte Menschen und Tiere fast immer tödlich. Weltweit sterben jährlich 60.000 Menschen daran. Dass diese Zahl in Deutschland bei Null bleibt, ist Glück – und dem schnellen Handeln der Behörden zu verdanken.
Dieser Fall ist eine letzte, eindringliche Warnung: Wer Tiere billig im Netz kauft, zahlt am Ende oft einen grausamen Preis.