Es ist ein Bild, das so gar nicht zu einem internationalen Flughafen passen will. Wo sonst Geschäftsleute ihre Rollkoffer hektisch zum Gate ziehen und Urlauber dem Abflug entgegenfiebern, herrschte in der Silvesternacht 2025/2026 eine surreale Atmosphäre.
Auf dem kalten Steinboden des Berliner Flughafens (BER) liegen Decken ausgebreitet. Bollerwagen voller Proviant stehen herum. Und mittendrin: Menschen, die ihre zitternden Hunde im Arm halten.
Letzte Zuflucht für Böller-Flüchtlinge
Diese Menschen und Hunde wollen nicht verreisen. Sie sind hier, weil sie nirgendwo anders mehr hin können. Es sind die „Böller-Flüchtlinge“. Während Die Hauptstadt Berlin draußen in einer ohrenbetäubenden „Knall-Hölle“ versinkt, ist das Terminal für sie der letzte sichere Ort.
Unter den Campern im Check-in-Bereich sind Laura und Annique. Die beiden Tiertrainerinnen haben sich hier ein provisorisches Lager eingerichtet. Nicht aus Abenteuerlust, sondern aus purer Not. Bei Annique liegt die 13-jährige Bardino-Mix-Hündin Mali.
Jeder Knall ist Gefahr
Das Schicksal der Hündin rührt zu Tränen. „Mali ist herzkrank und hat Krebs“, erzählt Annique im Gespräch mit bild.de, während draußen die Welt explodiert. Für die kranke Hündin könnte der Stress tödlich enden. Hier drinnen, hinter den dicken Scheiben des Terminals, ist sie sicher. „Ein kleines Wunder, dass wir den Jahreswechsel zusammen erleben können“, sagt ihr Frauchen.
Auch Laura ist hier, um ihren Collie Hubert (9) zu schützen. Zu Hause würde er bei jedem Böller panisch die Augen aufreißen, sich weigern, vor die Tür zu gehen. Hier ist er ruhig.
Die Stille hat ihren Preis
Dass ausgerechnet Flughäfen wie der BER, Frankfurt, Hannover oder Paderborn/Lippstadt zu Oasen der Ruhe werden, liegt an den strengen Sicherheitsvorschriften: Rund um Airports gilt ein striktes Feuerwerksverbot. Keine Rakete darf hier steigen.
Doch die Flucht hat ihren Preis. Wer es sich leisten konnte, checkte im Hotel direkt am Flughafen ein – trotz 60 Euro Hundezuschlag war an diesem Abend alles restlos ausgebucht. Für alle anderen blieb nur der harte Boden des Terminals.
Bis 4 Uhr morgens harrten Laura, Annique und Hunderte andere aus. Sie feierten keine Party. Sie warteten einfach nur darauf, dass der Böller-Wahnsinn in der Stadt endet und sie ihre Schützlinge wieder sicher nach Hause bringen können.