Eine unerwartete Begegnung auf den weiten Feldern in der Soester Börde zwischen Soest, Lippetal und Welver sorgt derzeit für heftige Diskussionen in der Region.
Eine junge Lippetalerin berichtet von ihrer Sichtung bei Schoneberg: „Er lief zwischen der Schoneberger Straße und dem Postweg über die Felder. Auf Anweisung der Polizei haben wir ihn eine Zeit lang im Blick behalten.“ Ihr Eindruck in Bezug auf das Wildtier: „Er schien vorsichtig interessiert. Zudem machte er einen jungen Eindruck.“
„Ein wunderschönes Tier, nur so einsam und missverstanden“
Mit „er“ ist ein Wolf gemeint, der aktuell auf Wanderschaft durch die Soester Börde ist. Für viele Menschen eine faszinierende Angelegenheit. In den sozialen Medien häufen sich bereits begeisterte Kommentare wie „Hoffentlich kommt er gut rum und findet ein Rudel zum Anschluss“ oder „ein wunderschönes Tier, nur so einsam und missverstanden“.
Eine Anwohnerin aus dem Möhnetal schwärmt sogar von ihren eigenen Sichtungen in Allagen und Niederbergheim: Bei dem Wolf handele es sich um ein "schönes, großes Tier".
Die Sorge um den Wolf
Viele Menschen sorgen sich um das Wohlergehen des wilden Besuchers. „Hoffentlich wollen sie ihn nicht erschießen“ oder „hoffentlich passiert ihm nichts“, lauten die besorgten Kommentare.
Eine andere Stimme mahnt, keine Hysterie aufkommen zu lassen: „Schließlich nehmen wir Menschen ihm seinen ursprünglichen Lebensraum, weil die Natur dem ständig wachsenden Bauwahn des Menschen weichen muss.“
Die andere Seite der Medaille
Doch nicht alle teilen die Begeisterung. „Schön, dass der Wolf sich wieder angesiedelt hat, aber eine wachsende Population ohne irgendeine Kontrolle wird uns auf die Füße fallen“, gibt eine Userin zu bedenken. Sie vermutet, dass die Willkommensgrüße hauptsächlich von Menschen kommen, die keine Weidetiere halten.
Eine andere Frau bringt ihre Bedenken auf den Punkt: „Ich freue mich auch, wenn ausgestorbene Arten wieder angesiedelt werden, aber ich möchte keinen Wolf auf meinen Spaziergängen mit meinem Dackel treffen.“
EU lockert den strengen Schutzstatus
Interessanterweise hat sich die rechtliche Situation bereits verändert: Seit dem 7. März ist eine Änderung im EU-Recht in Kraft, die den Wolf nur noch unter Schutz, nicht mehr unter strengen Schutz stellt.
Parallel gilt allerdings noch eine andere EU-Richtlinie (FFH), in der der Status bisher unverändert geblieben ist. Mittelfristig könnte es aber auch in NRW möglich werden, sogenannte „Problemwölfe“ zu „entnehmen“.
Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Sicherheit
Die aktuelle Situation in der Soester Börde spiegelt ein grundsätzliches Dilemma wider: Wie viel Wildnis verträgt unsere dicht besiedelte Kulturlandschaft?
Die Rückkehr des Wolfes nach Nordrhein-Westfalen stellt Behörden, Landwirte und Bürger vor neue Herausforderungen – und zwingt zu einem Balanceakt zwischen dem Schutz einer bedrohten Art und der Sicherheit von Menschen und Nutztieren.