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Hundeführerschein: Alles Wissenswerte zum „Lappen für Hunde"

Hund bei Fuß advice
© Shutterstock

Waldi und Bello wollen auch mal ohne Leine über Wald und Wiesen tollen? Dann brauchen Herrchen und Frauchen bald wohl einen Hundeführerschein. In Berlin darf der Hund seit Januar 2019 nur mit gesetzlichem Befähigungsnachweis leinenlos umherspazieren. Andere Bundesländer werden dem Beispiel wahrscheinlich bald folgen.

von Tim Brinkhaus

Das Wichtigste in Kürze:

  • Beim Hundeführerschein handelt es sich um den gesetzlich anerkannten Befähigungsnachweis für Hundehalter.
  • Bislang liegt keine bundesweit einheitliche Regelung bezüglich Pflicht und Inhalten vor
  • Zu den prüfungsrelevanten Inhalten gehören theoretisches Fachwissen, praktischer Grundgehorsam sowie soziale Verträglichkeit des Tieres.
  • Vereine, Verbände und Hundeschulen bieten gezielte Vorbereitungskurse an.
  • Der Führschein ersetzt nicht den Sachkundenachweis, der für bestimmte Hunderassen und sogenannte Listenhunde verpflichtend ist.

Was genau ist der Hundeführerschein?

Beim Hundeführerschein handelt es sich um einen per Gesetz anerkannten Befähigungsnachweis für Hundehalter. Um ihn zu erhalten, muss der Hundebesitzer mindestens eine praktische Prüfung ablegen. Abhängig vom Bundesland kann außerdem eine theoretische Prüfung erforderlich sein. Mit der Bescheinigung belegt der Hundehalter, dass er sein Tier in allen alltagsrelevanten Situationen unter Kontrolle hat. Dabei muss der Hund Grundgehorsam zeigen und der Halter über Sachkunde verfügen. So soll der Gefährdung von Mensch und Tier — besonders in Bezug auf Dritte — vorgebeugt werden. In bestimmten Bundesländern wie Berlin ist eine Leinenbefreiung nur noch mit Nachweis möglich.

Wo kann man den Hundeführerschein machen?

In der Regel werden die Prüfungen von großen Hundeverbänden und -vereinen durchgeführt. Bewährte Vertreter sind beispielsweise der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) oder der Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV).

Auch für die Prüfungsvorbereitung wenden sich Hundebesitzer im Idealfall an die Verbände und Vereine. Zusätzlich bilden auch Hundeschulen und -sportvereine aus.

Welche Inhalte sind Teil von Ausbildung und Prüfung?

Die Anforderungen an Hund und Halter für den Erwerb des Hundeführerscheins sind nicht zu unterschätzen. Vereine, Hundeschulen und Hundetrainer bieten entsprechende Kurse zur Vorbereitung an. Diese umfassen meist etwa zwölf Wochen mit je zwei bis drei Stunden Training pro Woche. Praktische Übungen stehen dabei ebenso auf dem Stundenplan wie theoretisches Wissen. Grundsätzlich bilden drei Teilbereiche die inhaltlichen Grundsäulen:

  • Sachkunde
  • Grundgehorsam
  • Sozialverhalten

Im Rahmen der Vorbereitungskurse eignen sich die Besitzer tiefgreifende Kenntnisse über Hunde sowie deren Haltung an. Neben den praktischen und theoretischen Lerneinheiten stehen den Teilnehmern umfangreiche Unterlagen zum Selbststudium zur Verfügung. Dazu gehören Skripte und Videos sowie Leitfäden und Fragenkataloge. Alle relevanten Inhalte werden am Ende des Kurses durch unabhängige, neutrale Prüfer abgefragt.

Sachkunde

Der theoretische Teil beschäftigt sich mit der spezifischen Sachkunde seitens des Hundehalters. Hier erwirbt der Besitzer umfangreiches Fachwissen rund um Hund, Haltung, Umgang und Ausbildung. Auch exemplarische Prüfungsaufgaben und Fragen werden in der Vorbereitung studiert. Die Themengebiete umfassen unter anderem:

  • Sozialverhalten und Kommunikation
  • Haltung und Pflege
  • Angst und Aggression
  • Lerntheorie, Erziehung und Ausbildung
  • Ernährung und Gesundheit

Gehorsam des Hundes

Der Hundeführerschein belegt in der praktischen Prüfung den verlässlichen Grundgehorsam des Tieres. Jederzeit muss der Hund durch den Halter kontrollierbar sein. Einer der Hauptbestandteile von Prüfungsvorbereitungskursen sind die wichtigsten Grundübungen im Alltag. Anders als im Hundesport steht hierbei jedoch nicht die exakte Ausführung im Vordergrund. In erster Linie geht es um eine vertrauensvolle Bindung zwischen Herr und Vierbeiner. Unter fachmännischer Anleitung bringt der Halter seinem Tier alle Übungen selbst bei. Zu den relevanten Übungen gehören:

  • Leinenführigkeit
  • Rückrufkommando
  • Grundkommandos wie Sitz, Platz, Bleib
  • Fuß unter Ablenkung
  • Gehorsam in Stresssituationen

Sozialverträglichkeit des Hundes

Auch die soziale Verträglichkeit des Tieres ist ein wichtiger Bestandteil der Prüfung. In der Öffentlichkeit und in normalen Alltagssituationen muss der Hund sich angemessen und rücksichtsvoll verhalten. Trotz starker Ablenkung und Belastung muss er kontrollierbar, friedlich und gelassen bleiben. Aggressives Verhalten sowie eine niedrige Stress- und Frustrationsgrenze werden nicht toleriert.

Gibt es bestimmte Teilnahmebedingungen?

Um an Vorbereitungskursen und Prüfungen teilzunehmen, muss der Tierhalter ein Mindestalter von 16 Jahren vorweisen. Der Hund muss mindestens zwölf Monate alt und außerdem haftpflichtversichert, geimpft und gechipt sein.

Wie hoch sind die Kosten für die Prüfung?

Die Kosten für Prüfung und Kurse variieren leicht – abhängig vom Verband. Insgesamt beläuft sich die Summe jedoch auf etwa 100 bis 130 Euro:

  • Kursgebühr: etwa 75 Euro
  • Schulungsunterlagen: etwa 15 Euro
  • Prüfungsgebühren: etwa 25 Euro

Unsere Empfehlung: mit Spaß und Spiel zur Gassi-geh-Lizenz!

Nein, der Hundeführerschein ist noch lange keine deutschlandweite Pflicht. Allerdings macht das gemeinsame Training jede Menge Spaß und schweißt Halter und Hund richtig zusammen! Außerdem können Sie sich im Nachhinein über einen wohlerzogenen Vierbeiner freuen, der Sie problemlos im Alltag begleitet.

Achten Sie in der Vorbereitungszeit auf eine Übungsroutine. Gerade junge Hunde reagieren in unbekannten oder unvertrauten Situationen immer wieder unvorhersehbar. Trainieren Sie deshalb auch abseits des Hundeplatzes: Gehen Sie mit Ihrem haarigen Freund in der Innenstadt oder an vielbefahrenen Straßen spazieren. Nehmen Sie ihn mit ins Straßencafé oder auf den Rummel. Je mehr Waldi kennt, desto entspannter wird er – auch in der Prüfung.