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Schlabber-Alarm: Warum Hunde uns Menschen ablecken

Hund leckt Mädchen im Gesicht ab advice
© Shutterstock

„Er gibt dir Küsschen”, „Das ist eine Geste der Unterwerfung”, „Er mag den salzigen Geschmack von deiner Haut”... Was bekommt man nicht alles zu hören, wenn man von einem Hund im gesicht, an der Hand oder anderswo abgeschleckt wird! Diese Geste von Hunden gibt uns Rätsel auf - wir wissen nicht immer so genau, wie wir sie interpretieren sollen. Manchmal kann es störend sein oder ein Unwohlsein des Hundes zum Ausdruck bringen, aber dieses Verhalten steht für die meisten Menschen immer mit positiven Gefühlen in Verbindung. Hier erfahren Sie alles über diese Geste von Hunden!

von Philipp Hornung,

Der Hund ist ein soziales Tier, das heißt er bildet hierarchisch aufgebaute Gruppen. Eine der Eigenschaften von sozialen Tierarten ist ihre Fähigkeit zur Kommunikation untereinander: Sie ist eine der Grundbedingungen dafür, dass eine Gruppe zusammenhalten kann. Die Kommunikation dient dazu, dass die einzelnen Individuen sich über ihre Gefühle und Bedürfnisse austauschen können.

Das Ablecken ist ein Kommunikationsmittel des Hundes. Es ist wichtig zu verstehen, was diese Geste in verschiedenen Kontexten bedeuten kann: Heißt das Abschlecken, dass mein Hund normal ist, oder ist es eine Folge einer Verhaltensstörung, ein Ausdruck von Unglück?

Wozu dient die Zunge des Hundes?

Labrador Retriever streckt Zunge raus
Labrador Retriever streck Zunge aus Maul© Shutterstock
  • Die Zunge dient ihm nicht nur zur Kommunikation: Wie wir benutzt auch der Hund sie als Wahrnehmungsorgan, und zwar für den Geschmackssinn (der sehr nahe beim Geruchssinn liegt).
  • Das Ablecken ist auch ein Verhalten, das der Körperpflege dient, welche der Hund für sein Wohlbefinden vornimmt, indem er sein eigenes Fell leckt.
  • Die Zunge dient auch passiv zur internen Temperaturregulierung des Hundes: Da sie sehr stark durchblutet ist, verbreitet sie mit der Atmung Wärme, wenn der Hund hechelt.

Es handelt sich also um ein sehr vielseitiges Werkzeug, das der Hund regelmäßig für verschiedene Bedürfnisse verwendet. Die Zunge ist für den Hund fast so etwas wie die Hände für den Menschen: Sie dient zum Austausch mit unserer Umgebung, zur Erkundung von Gegenständen, aber auch zur Kommunikation mit Seinesgleichen.

Was sind die verschiedenen Bedeutungen des Ableckens?

In der Tierverhaltensforschung schaut man sich üblicherweise zunächst an, unter welchen Umständen das Tier ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt, um es dann erklären zu können. Das kann uns wertvolle Hinweise auf die Intention geben, die dahintersteht (und die theoretisch bleibt: Wir können den Hund schließlich nicht um Erklärungen bitten oder seine Gedanken lesen).

Was das Ablecken angeht, muss man also verschiedene Situationen klar unterscheiden:

  • Heischen um Aufmerksamkeit: Der Welpe leckt seine Mutter ab, um Nahrung (durch Regurgitation) zu bekommen. Danach benutzt der Hund diese Geste häufig, um Freude und sein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit von uns zum Ausdruck zu bringen. Übrigens ist er dabei vor allem darauf aus, das Gesicht abzulecken.
  • Beruhigungsritual: Dieser Begriff wird oft verwendet, wenn man eine Situation beschreibt, die häufig nach einer Auseinandersetzung auftritt. Man kann es sowohl beim Opfer, das versucht, den Konflikt zu entschärfen, als auch beim angreifenden Hund, der gerade zugebissen hat, beobachten: Letzterer leckt die Bissstelle ab.

Man hält dieses Verhalten oft für eine Geste der Unterwerfung, aber in Wirklichkeit hat ein Hund keine Vorstellung von Dominanz und Hierarchie. Man sollte dieses Verhalten als eine positive Interaktion ansehen, die in verschiedenen Kontexten auftreten kann und die der Hund anwendet, um die negativen Gefühle in seiner Umgebung abzuschwächen.

Das liebevolle Ablecken, das die menschlichen Gefährten eines Hundes oft als Küsschen interpretieren, ist sehr ähnlich zu verstehen, auch wenn es nicht auf eine negative Interaktion folgt. Die Wirkung bleibt dieselbe, nämlich Entspannung, Stressabbau und positive Gefühle sowohl beim Hund, als auch beim Menschen.

Es ist interessant zu beobachten, dass in einer solchen Interaktion auch das Stressniveau bei dem Hund sinkt, der die Geste ausführt: Sie hat auch eine beruhigende Wirkung auf das Tier selbst. Dieses Ritual ist also sowohl für den Empfänger, als auch für den Geber positiv. Und der Hund kann sich natürlich auch selbst abschlecken, wenn er gestresst ist. In jedem Fall kann es sich bei einem Hund, der zu häufig etwas oder jemanden ableckt, um einen Ausdruck des Unwohlseins handeln.

Hund leckt Hand ab
Baby-Bulldogge leckt Hand ab© Shutterstock

Woher weiß ich, ob mein Hund zu häufig etwas oder jemanden ableckt?

Dies ist von einem Individuum zum anderen sehr unterschiedlich, aber sobald dieses Verhalten störend wird, kann man es als exzessiv betrachten. Dies kann sich in Form von der Dauer der Aktivität des Ableckens oder durch den zwanghaften Kontext, in dem das Verhalten auftritt, bemerkbar machen.

Jedenfalls können nur Verhaltensexperten die Diagnose stellen, und ein Tierarzt mit Kenntnissen in der Tierverhaltenstherapie bietet in einem solchen Fall den Vorteil, dass er zugleich auch biologische Ursachen ausschließen kann. Das Ablecken kann nämlich zum Beispiel auf eine Hautkrankheit zurückzuführen sein. Man muss immer zuerst die biologischen Ursachen überprüfen, bevor man über eine rein verhaltenstheoretische Erklärung nachdenken kann.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Hund sich in Bezug auf das Ablecken unnormal verhält, dann zögern Sie nicht, mit einem Verhaltensexperten für Hunde oder einem Tierarzt mit Kenntnissen in der Verhaltenstherapie darüber zu reden.

Wie kann man diesem Verhalten entgegenwirken?

In den meisten Fällen ist nicht das Verhalten des Hundes anormal, wenn er jemanden abschleckt, sondern diese Geste stört den Besitzer: Wie beim Bellen gibt es keine festen Regeln, sondern vielmehr Unterschiede aufgrund des Charakters der Beteiligten und der verschiedenen Lebensweisen.

Wenn das Ablecken als störend empfunden wird oder der Hund dieses Verhalten exzessiv an den Tag legt, muss man vor allem die Gründe dafür herausfinden: Sucht der Hund nach Aufmerksamkeit, handelt es sich um ein zwanghaftes Beruhigungsritual, bringt der Hund damit Stress oder Unwohlsein zum Ausdruck? Denn die Suche nach und Behandlung von der Ursache ist die beste Lösung, um das unerwünschte Verhalten zu beheben.

Eine Verhaltensänderung kann zusätzlich zur Behandlung der Ursache auch durch positive Erziehungsmethoden bewirkt werden. Diese basieren auf Belohnungen, und die Therapie besteht darin, dem Hund beizubringen, auf andere Verhaltensweisen auszuweichen und das Ablecken zu vermeiden. Das Ziel dabei ist es, die Interaktion nicht durch die Verwendung von Strafen negativ zu gestalten, sondern im Gegenteil Belohnungen als Motivationsquelle zu verwenden, um den Hund dazu zu animieren, ein anderes Verhalten an den Tag zu legen.

Letztendlich ist das Ablecken in den allermeisten Fällen eine sehr positive Interaktion mit Ihrem Hund. Achten Sie aber auf die Hygiene - vor allem bei Kindern und dem Ablecken von Gesichtern. In diesem Kontext möchte ich auf die Existenz von seltenen Krankheiten hinweisen, wie zum Beispiel Infektionen mit dem Bakterium Capnocytophaga canimorsus, die infolge des Ableckens von Wunden auftreten können.