Es gibt Hunde, die kommen ins Tierheim, weil ihre Halter keine Zeit mehr für sie haben. Und es gibt Fälle wie Alaska.
Wenn die Pfleger im Tierheim Bad Salzuflen (NRW) diesen weißen Schäferhund ansehen, blicken sie nicht nur in traurige Augen. Sie blicken auf einen Körper, der eine Geschichte von jahrelanger Qual, Gefangenschaft und purer Verzweiflung erzählt.
Die Beine offenbaren das Drama
Der erste Blick fällt auf seine Beine. Und dieser Blick genügt, um zu verstehen, was Alaska durchmachen musste. Sie sind gezeichnet von offenen Liegeschwielen, vernarbt und wund.
Solche Verletzungen entstehen nicht über Nacht. Sie sind der Beweis für ein langes Martyrium auf hartem, kaltem Untergrund. Alaska lag fast immer. Weil er nicht wegkonnte.
Er wollte Stahl zerbeißen
Die „Rettungsmission“, wie das Tierheim seine Ankunft im November nennt, brachte die ganze schreckliche Wahrheit ans Licht. Alaska lebte an der Kette. Fixiert und nahezu bewegungsunfähig.
Wie sehr der Schäferhund unter diesem Zustand litt, offenbart ein Blick in sein Maul. Seine Zähne sind schwer beschädigt. Nicht durch Alter oder Krankheit, sondern durch Panik. „In seiner Verzweiflung wollte er die Kette durchbeißen“, berichten die Tierschützer entsetzt. Alaska biss auf Eisen herum, bis der Zahnschmelz brach, nur um frei zu sein.
61 Kilo Leid
Zu den Wunden und dem eitrigen Abszess an der Flanke kam ein weiteres, sichtbares Zeichen der Vernachlässigung: Alaska wog bei seiner Ankunft unfassbare 61 Kilogramm. Ein massives Übergewicht für einen Schäferhund, angefuttert aus Frust und Bewegungsmangel.
Mittlerweile haben die Ärzte und Pfleger Schwerstarbeit geleistet. Alaska ist runter auf 53 Kilo, die Wunden werden versorgt. Doch die seelischen Narben? Die scheinen erstaunlicherweise wie weggewischt.
Das Wunder von Bad Salzuflen
Es grenzt an ein Wunder: Trotz der Menschen, die ihm das angetan haben, liebt Alaska Zweibeiner. Er ist nicht aggressiv geworden, sondern sucht Nähe, fordert lautstark Leckerchen und will einfach nur leben. „Er will alles nachholen, was ihm bisher verwehrt blieb“, so die Pfleger.
Im Netz kocht derweil die Wut hoch. Unter den Bildern des gezeichneten Hundes fordern User Konsequenzen: „Ich hoffe, die ehemaligen Halter werden richtig hart bestraft!“, schreibt einer. Ein anderer fragt fassungslos: „Warum nur können Menschen so schreckliche Lebewesen sein?“
Alaska sucht nun Menschen, die ihm den Glauben an das Gute endgültig zurückgeben. Ein ebenerdiges Zuhause mit Garten, gerne als Zweithund, wo er nie wieder Ketten spüren muss – nur noch streichelnde Hände.