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Katze mit Down-Syndrom – gibt es das wirklich?

Türkische Katze mit Down Syndrom advice
© Hürriyet

„Niedliche“ oder „lustige“ Tiere mit Down-Syndrom – das Internet bietet zahlreiche Bilder mit diesen oder ähnlichen Hashtags. Darunter sind auch Katzen zu finden, die an Trisomie 21 leiden sollen. Doch was ist wahr am Hype um die Samtpfoten mit dem außergewöhnlichen Look? Lesen Sie hier, was es mit Katzen und dem Down-Syndrom auf sich hat.

von Carina Petermann

Was ist das Down-Syndrom?

Unter „Down-Syndrom“ verstehen wir eine genetische Entwicklungsstörung beim Menschen. Lebewesen geben ihre Erbinformation über Chromosomen weiter. Ein Chromosomensatz beim Menschen besteht aus 23 Paaren, also 46 Chromosomen. Beim Down-Syndrom besteht ein Satz hingegen aus 47 Chromosomen, da Chromosom 21 dreifach vorhanden ist. Daher leitet sich die ebenfalls verwendete Bezeichnung „Trisomie 21“ ab. Aus dieser Fehlanlage resultieren diverse Störungen in der geistigen sowie körperlichen Entwicklung, die sich auch optisch bemerkbar machen: Menschen mit Down-Syndrom haben oft ein flacheres Gesicht und schräg stehende Augen. Viele sind kleiner, gedrungener und in ihren motorischen sowie geistigen Fähigkeiten eingeschränkt.

Kater Otto: Süße Tiere mit „Down-Syndrom“ als viraler Hit

„Süße Tiere mit Down-Syndrom“ sind beliebt in den Weiten des Internets. Ein berühmtes Beispiel ist Kater Otto, der aus der Türkei stammt. Otto wurde im Sommer 2013 als kleines Streunerkätzchen in den Straßen von Ankara gefunden. Kurze Zeit später war er in der Türkei und darüber hinaus berühmt, denn: Otto fiel durch seinen besonderen Look auf: weit auseinander stehende, schräg liegende Augen. Die einzigartige Optik ließ gar einen Tierarzt verkünden, Otto sei die erste Katze der Türkei mit Down-Syndrom. Rund ein Jahr später starb Otto – vermutlich an Herzversagen.

 

Looking different doesn't mean you can't be fantastic! We are all PAWsome :) Share if you agree <3

Posted by Monty on Saturday, February 27, 2016

 

Auch Kater Monty ist eine virtuelle Berühmtheit geworden: Er hat bereits 440.000 Fans auf seinem Facebook-Account gewonnen. Seine jetzigen Besitzer, das Ehepaar Michael und Mikala, haben Monty aus einem dänischen Tierheim adoptiert und ermöglichen ihm ein sorgenfreies Leben. Die große Fangemeinde wiederum hat Montys Besitzer dazu animiert, einen Internet-Shop mit Fanartikeln zu eröffnen.

Darum kann es keine Katzen mit Down-Syndrom geben

Wir rufen uns ins Gedächtnis: Das menschliche Erbgut besteht aus 23 Chromosomenpaaren. Hat ein Mensch das Down-Syndrom, liegt der entscheidende Unterschied auf dem 21. Paar, das bei Betroffenen ein Chromosom zu viel hat. Katzen hingegen haben lediglich 19 Chromosomenpaare. Da kein 21. Paar vorliegt, können sie keinen genetischen Defekt aufweisen, der durch einen Fehler auf genau diesem Paar definiert ist.

Katzen mit optischem „Down-Syndrom“ – mögliche Gründe

Natürlich können Katzen andere genetische Defekte aufweisen, die uns an das Down-Syndrom beim Menschen erinnern. Diese Tiere haben zwar keine Trisomie 21, aber eine andere genetisch bedingte Fehlentwicklung.

Ein Risikofaktor für genetische Defekte ist beispielsweise Inzucht, also Eltern, die eng miteinander verwandt sind. Ebenso erhöhen Infektionen der Mutterkatze das Risiko, dass das Erbgut Schaden nimmt. Auch bestimmte Medikamente oder Umweltgifte machen Fehlbildungen wahrscheinlicher. Oft kommt es in diesen Fällen dazu, dass die Kätzchen tot zur Welt kommen. Oder aber die Mutterkatze verstößt sie direkt nach der Geburt.

Der kleine Kater Otto hatte Glück im Unglück. Doch da er im jungen Alter von rund einem Jahr starb, hatte er vermutlich weitere genetische Defekte. Katzen wie er sind zudem oft weniger beweglich sowie ängstlicher als ihre Artgenossen. Die Besitzer von Kater Monty berichten beispielsweise, dass er im Schlaf uriniert. Wir können festhalten: Es gibt kein einheitliches Krankheitsbild von genetischen Fehlentwicklungen bei Katzen, das mit dem menschlichen Down-Syndrom vergleichbar ist. Ähnlich aussehende Symptome bei Katzen sind Zufall.

Mythos „Down-Syndrom“ bei Hunden, Kühen, Tigern…?

 

Ein weiteres Beispiel für eine „Katze“ mit Down-Syndrom ist Kenny. „Kenny“ war ein weißer Tiger. Bilder von ihm tauchen häufig auf, wenn es rund um Tiere mit „Down-Syndrom“ geht. Kenny starb 2018 im Turpentine Creek, einem Schutzpark für Wildtiere in den USA. Aufgrund seiner Gesichtszüge kam das Gerücht auf, Kenny habe das „Down-Syndrom“. Tatsächlich war sein deformiertes Gesicht die Folge von Inzucht. Die Tierschutzorganisation hatte Kenny von seinem Vorbesitzer gerettet. Da Inzucht bei der Zucht von weißen Tigern häufig eine große Rolle spielt, liegt ein daraus resultierender genetischer Fehler nahe.

Wer sich durchs Internet klickt und danach sucht, stößt auf zahlreiche „süße“ oder „witzige“ Fotos, die Tiere mit vermeintlichem „Down-Syndrom“ zeigen. Doch da alle Tiere sich von uns Menschen genetisch stark unterscheiden, ist es bei keinem davon sinnvoll, von „Down-Syndrom“ zu sprechen. Diese Vierbeiner – und Delfine – haben also einen zufälligen genetischen Defekt. Ob sie besonders „süß“ oder „witzig“ sind, liegt im Auge des Betrachters. Kater Monty jedenfalls überzeugt durch seinen Charme und zeigt, dass Handicap-Katzen viel Freude bereiten.