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Was bringt Kokosöl für Hunde?

Was bringt Kokosöl für Hunde? advice
© Symbolbild

Kokosöl ist seit einigen Jahren Bestandteil fast jeder hippen Trendküche und somit wortwörtlich in aller Munde. Doch mittlerweile steht die Allzweckwaffe für schöne Haut und vieles mehr in der Kritik. Unter anderem, weil Kokosöl zwar nicht giftig ist, aber vor allem aus ungesunden gesättigten Fettsäuren besteht. Währenddessen ist der Trend zum Kokosöl beim Hund angekommen, v.a. beim Kampf gegen Zecken, Grasmilben und Flöhe. Was bringt Kokosöl für Hunde?

von Philipp Hornung

Kokosöl gegen Zecken

Zecken auf Hundefell
Zecken bei Hunden sind eine echte Plage© Shutterstock

Am beliebtesten ist Kokosöl für Hunde aufgrund seiner Wirkung gegen Zecken und Flöhe. Wer den Hund mit dem wohlriechenden Öl einreibt, hält die Plagegeistern angeblich fern. Klingt dufte? Doch so einfach ist es nicht. Denn Einreiben bedeutet vor allem zu Beginn: Vor jedem Spaziergang mit Zeckengefahr den ganzen Hund mit einer bis zu walnussgroßen Menge einreiben. Besonders Kopf, Brust und Beine sind wichtig. Langhaarhunde, die von Kopf bis Pfote mit Kokosöl eingerieben werden, riechen gut, sehen aber schnell aus wie begossene Pudel. Das wäre auszuhalten, doch leider bietet Kokosöl keinen sicheren Schutz. Die Bilanz des Redaktionshundes nach einer Woche Kokosöl in Kombination mit Knoblauchpulver ergab eine beachtliche Anzahl von 14 entdeckten Zecken. Anschließend erfolgte eine Behandlung mit einem klassischen Spot-on vom Tierarzt, der berühmt-berüchtigten Chemiekeule. Bilanz nach einer Woche: eine Zecke, die von selbst aus dem Fell purzelte. 14 : 1 für das Spot-on. Ein weiterer Nachteil: Viele Hunde lecken sich das Kokosöl liebend gerne vom Fell. Dies kann zu Durchfall führen.

Also lieber kein Kokosöl gegen Zecken einsetzen? Einige Nutzer berichten davon, dass ihr Hund mit Kokosöl kaum noch Zecken hat. Ausprobieren kann sich lohnen – eine Garantie gibt es nicht. Jedoch ist der Aufwand relativ hoch und der Hund ständig leicht fettig. Wer in Gebieten mit vielen Zecken unterwegs ist und einen tierischen Zecken-Magneten an seiner Seite hat, fragt lieber beim Tierarzt nach einem passenden Mittel.

Zecken übertragen zahlreiche für Hunde gefährliche Krankheiten

Vor allem bei Langhaarhunden sind Zecken schwer zu finden, bevor sie sich vollgesaugt haben. Gegen Flöhe wirkt Kokosöl allenfalls prophylaktisch – und das nur, wenn Sie Glück haben.

Kokosöl gegen Würmer

Wurm beim Hund
Ringwurm bei Jack Russell© Shutterstock

Auch gegen lästige Endoparasiten soll Kokosöl helfen: gegen Würmer. Im Internet gibt es hierzu zahlreiche Informationen. Wer kritisch hinschaut, sieht jedoch: Die meisten davon stammen von Seiten, die Kokosöl anbieten oder zu entsprechenden Shops verlinken. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Teilweise sind abenteuerliche Theorien zu lesen: Das Kokosöl solle verhindern, dass sich die Würmer an der Darmwand einhaken. Wahrscheinlicher ist, dass die Laurinsäure die Zellwände der Würmer schädigt und weitere Inhaltsstoffe die Schleimhaut des Darms positiv beeinflussen. Unklar ist jedoch, wie große Mengen der Hund verzehren müsste, um einen solchen Effekt zu erreichen. Denn ein Zuviel des Öls kann zu Durchfall und langfristig zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Einen sicheren Schutz vor Würmern bietet Kokosöl somit nicht. Es schafft allenfalls ein Milieu, in dem die Parasiten sich nicht wohlfühlen. So können Sie bei einigen Hunden einem Wurmbefall vorbeugen. Wer auf Kokosöl zur Wurmabwehr setzt, sollte zumindest alle drei Monate eine Kotprobe seines Hundes beim Tierarzt abgeben. Ist sie frei von Würmern, liegt es – vielleicht – am Kokosöl. Gegen einen bereits vorhandenen Wurmbefall sollten Sie mit einer Wurmkur vom Tierarzt vorgehen. Wer vorbeugend Kokosöl verabreichen möchte, kann dem Hund einen halben bis einen ganzen Teelöffel Kokosöl pro zehn Kilogramm Körpergewicht und Tag ins Futter geben.

Kokosöl gegen Grasmilben

Sind die Milben einmal im Ohr, ist es zu spät für den Einsatz von Kokosöl – dann ist der Tierarzt am Zug. Doch Hunde, die zu Milbenbefall neigen, können Sie mit Kokosöl schützen. Massieren Sie hierfür eine winzige, auf Ihren Fingern verriebene Menge in die Ohrmuscheln ein. Der Duft soll Milben fernhalten.

Kokosöl schützt die Pfoten

Hundepfote
Kokosöl schütze die Hundepfoten© Shutterstock

Eine gute Einsatzmöglichkeit für die vermeintliche Allzweck-Waffe sind die Pfoten des Hundes. Denn harte Straßenbeläge, Streusalz oder Kies setzen den Ballen zu. Die Haut wird rissig, was zu Schmerzen und Verletzungen führen kann. Wer seinem Hund regelmäßig die Ballen mit Kokosöl einreibt, beugt vor. Die Haut bleibt geschmeidiger. Vor allem im Winter ist Kokosöl auf den Pfotenballen eine wahre Wohltat für Ihren Vierbeiner. Auch auf rauer Haut oder leicht wunden Stellen kann Kokosöl helfen. Eine antibakterielle Wirkung, wie oft propagiert, ist nicht belegt.

Ist Kokosöl schädlich für Hunde?

Wie so oft gilt: Die Dosis ist entscheidend. Wer täglich geringe Mengen Kokosöl ins Futter gibt, schadet seinem Hund nicht. Doch empfindliche Vierbeiner können mit Durchfall auf den Zusatz reagieren. Da Kokosöl zu 90 Prozent aus gesättigten Fettsäuren besteht, raten Experten Menschen vom häufigen Verzehr ab. Inwiefern die Fettsäuren bei Hunden gesundheitsschädlich sind, ist nicht belegt. Wer einen Hund mit Diabetes hat, sollte ihm kein Kokosöl ins Futter geben. Denn dieses kann die Ketonwerte im Blut ungünstig beeinflussen, wofür Diabetiker-Hunde anfälliger sind. Auch bei Bauchspeicheldrüsenentzündungen des Hundes sollten Sie Kokosöl nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt ins Futter geben. Bedenken Sie, dass viele Hunde Kokosöl aus dem Fell lecken. Dies gilt es bezüglich der empfohlenen Höchstmenge von einem Teelöffel pro zehn Kilogramm Körpergewicht zu berücksichtigen. Spürhunde und andere Nasenarbeiter können durch den regelmäßigen Verzehr von Kokosöl teilweise weniger gut schnüffeln.

Kokosöl für den Hund: Top oder Flop?

Auch wenn auf vielen Internetseiten anderes zu lesen ist: Ein Wundermittel ist Kokosöl nicht.

Zudem birgt der Boom rund um das Öl der haarigen Nuss das Risiko für eine ähnliche Monokultur wie beim Palmöl. Wie bei so vielen der vermeintlichen „Superfoods“ gilt also: Erst nachdenken, dann nutzen. Wer ohnehin ein Glas Kokosöl im Haus hat, kann ausprobieren, ob der duftende Inhalt einen Mehrwert für den eigenen Vierbeiner mitbringt.