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Frau mit Hund neben sich im Gerichtssaal
© Ki / ChatGPT

Vierbeinige Helfer: Baden-Württemberg setzt auf neuen „Kuschel-Kurs“ vor Gericht

von Stefanie Gräf

Am veröffentlicht

Im Gerichtssaal herrscht oft angstvolles Schweigen, Täter drohen straffrei davonzukommen. Hier sollen nun ganz spezielle ‚Ermittler‘ helfen.

Es ist der Moment, vor dem sich jedes Opfer fürchtet. Der Gerichtssaal ist ungewohntes Terrain, die Blicke der Juristen sind prüfend, und nur wenige Meter entfernt sitzt oft der Mensch, der einem das Schlimmste angetan hat.

Besonders bei Opfern von Sexualdelikten und traumatisierten Kindern herrscht in diesem Augenblick oft nur eines: fatales Schweigen. Doch in Baden-Württemberg setzen die Gericht nun gezielt auf neue Helfer, die genau diese Mauer durchbrechen. Die Besonderheit: Sie tragen keine Robe. Sie haben Fell.

Hunde als Helfer vor Gericht

Die Justiz steht oft vor einem Dilemma: ohne Aussage keine Verurteilung. Doch Scham und Panik machen Zeugen nur zu oft im entscheidenden Moment sprachlos. Genau hier setzt das bundesweit erste Qualifizierungsprogramm für „Vernehmungsbegleithunde“ an, das nun im Südwesten Deutschlands abgeschlossen wurde.

Es ist eine Revolution im Rechtsstaat. Statt harter Paragrafen setzt die Justiz auf einen „sozialen Katalysator“, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Wenn die Hand im Fell das Zittern stoppt

Die Methode ist so simpel wie effektiv: Der Hund liegt ruhig auf einer Decke neben dem Zeugenstuhl. Er fordert nichts, er urteilt nicht.

Experten von „Präventsozial“ bestätigen den medizinischen Effekt, der in Krimis oft unterschätzt wird: Sobald ein Opfer das Tier streichelt, passiert etwas im Körper. Der Blutdruck sinkt. Der rasende Puls beruhigt sich. Die Atmung wird stabil.

Hundeführerin Sabine K. erklärt das Phänomen: „Es kann schwierig sein, anderen Menschen bei der Aussage in die Augen zu schauen.“ Der Hund wird dann zum Anker. Der Blick auf das Tier ersetzt den Blick in die Augen der Richter – oder des Täters.

Für traumatisierte Opfer: Hunde als Helfer vor Gericht
Hundeführerin Sabine K. und ein Vernehmungsbegleithund (poi fdt, Nico Pointer/dpa, Nico Pointer / rtl.de)

Ein Gewinn für die Wahrheit

Von den Hunden, die für diese verantwortungsvolle Aufgabe eingesetzt werden, wird viel verlangt. Sie müssen „gediegen“ sein, absolute Ruhe ausstrahlen, selbst wenn im Saal die Emotionen hochkochen. Eben echte Profis auf vier Pfoten.

Das Landesjustizministerium feiert das Projekt als Meilenstein. Denn am Ende profitiert die Gerechtigkeit: Wenn die Angst weicht, kommen die Worte zurück. Und diese Worte sind oft der Schlüssel, um Täter endlich hinter Gitter zu bringen.

Der „Kuschel-Kurs“ in Baden-Württemberg ist also keine Weichspülerei – er ist eine knallharte Waffe gegen das Vergessen und Verschweigen von Verbrechen.

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