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Tierisches Frühwarnsystem: Hunde, die Krebs und Tumore riechen

Hund erschnüffelt Krebs advice
© Shutterstock

Immer wieder gibt es in den Medien Berichte darüber, dass Hunde bei ahnungslosen Menschen Krebs erkennen. Da eine frühzeitige Erkennung oft Leben rettet, feiern viele Betroffene Krebsspürhunde als Helden. Keine Frage, Vierbeiner besitzen einen außerordentlich feinen Geruchssinn. Es gibt Hunde, die Drogen erschnüffeln oder die Fährte von vermissten Personen anhand einer einzigen Duftprobe aufnehmen. Warum nicht auch Hunde, die Krebs und Tumore riechen?

von Nina Brandtner

Wie gut können Hunde riechen?

220 Millionen Riechzellen – eine Zahl, die uns nur erahnen lässt, wozu die Nase eines Hundes fähig ist. Dabei handelt es sich um den Durchschnittswert – der Geruchssinn unterscheidet sich von Rasse zu Rasse. Ein Bloodhound belegt den ersten Platz mit 300 Millionen Riechzellen. Im Vergleich zu den Menschen, die „nur“ 5 Millionen Riechzellen besitzen, ist das erstaunlich.

Doch das ist längst nicht alles: Schnüffelt die Fellnase, ist sie im Stande pro Minute bis zu 300 Mal einzuatmen. Die Vierbeiner gehören eindeutig zu den Makrosmatikern (Nasentiere). Dazu zählen jene Lebewesen, die einen so starken Geruchssinn besitzen, dass sie ihre Welt vorwiegend durch die Gerüche wahrnehmen. Deshalb schnuppern Hunde beispielsweise so gern am Intimbereich.

Hunde riechen Brustkrebs, Lungenkrebs und Co.

Ja, Forscher gehen derzeit davon aus, dass speziell ausgebildete Hunde in der Lage sind, ausgestoßene Chemikalien eines Tumors zu erschnüffeln. Je nachdem, wo sich der Tumor befindet, spielen hier verschiedene Ausdünstungen der erkrankten Person eine Rolle.

Welche Tumore können Hunde erschnuppern?

Die für den Hund riechbaren Chemikalien sind beispielsweise im Urin von Menschen enthalten, die an Prostata- oder Blasenkrebs erkranken. Genauso erkennen die Nasen trainierter Hunde anhand des Geruches einer getragenen Damenbinde, ob eine Frau an Gebärmutterhalskrebs leidet. Weiter erkennen Vierbeiner an dem Atem eines Menschen, ob er an Lungenkrebs erkrankt ist. Es gibt zudem Nachweise, dass Krebsspürhunde Brustkrebs in einem frühzeitigem Stadium erkennen.

Wie Hunde Krebs riechen, bleibt ein Rätsel

Wie die Vierbeiner aber Krebsarten wittern, bleibt derzeit ein Rätsel. Mediziner versuchen, die Methode der Krebsspürhunde zu verstehen, um sie in Zukunft mit Geräten zu imitieren - einer elektronischen Nase also.

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Die Hundenase kann, woran moderne wissenschaftliche Geräte scheitern: Krebs riechen© Shutterstock

Krebsspürhunde: Ausbildung und Training

Hunde sind in der Lage, verschwindend geringe Substanzen zu erschnüffeln. Während der Ausbildung zum Krebsspürhund lernt der Vierbeiner, einen Geruch mit einer Erkrankung zu verknüpfen. Hierzu kommen spezielle Duftproben von gesunden als auch an Krebs erkrankten Menschen zum Einsatz. Erkennt der Spürhund die Probe des an Krebs erkrankten Menschen, so lernt er dies durch „Sitz“ oder „Platz“ anzuzeigen.

Wichtig sind Erfolgserlebnisse, damit der Krebsspürhund jedes Mal mit voller Motivation an die Schnüffelarbeit herangeht. Bestärkt werden die Hunde beispielsweise mit dem Klicker-Training und mit einer anschließenden Belohnung.

Vorteile des Einsatzes von Krebsspürhunden

  • Faktor Zeitpunkt: Je früher Ärzte eine Krebserkrankung entdecken, desto höher sind die Heilungschancen. Hier geht der Punkt deutlich an die Spürnase des Vierbeiners: Hunde sind in der Lage, Krebs im Frühstadium zu erkennen. In einigen Fällen sogar früher als Mediziner, die ihr Fachwissen und eine hochentwickelte Technik einsetzen
  • Schmerzfrei, ohne Komplikationen und Risiken: Das Hunde-Screening stellt im Vergleich zum Röntgen, MRT oder CT eine schonende Methode dar, um Krebs zu erkennen
  • Erschwinglich: Sicherlich kostet die Ausbildung eines Spürhundes etwas Geld und vor allem Zeit. Im Gegensatz zu den hochmodernen Maschinen, die sich vor allem Ärzte in Entwicklungsländern nicht leisten können, sind die Kosten aber um ein Vielfaches geringer

Krebsuchhunde: Erfahrung und Studien

Zahlreiche internationale Studien belegen: Es gibt Hunde, die Krebs und Tumore riechen. Die Frage ist, wie verlässlich Hunde als Frühwarnsystem sind und ob sie zukünftig flächendeckend als medizinische Helfer eingesetzt werden können. Daher ein paar Zahlen zur Genauigkeit der Hundenase.

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Zahlreiche Studien sollen die Aussagekraft von Hundenasen testen© Shutterstock

Studie mit Beagle: Trefferquote über 90 Prozent

Eine mexikanische Studie von einem Team rund um Dr. Héctor Guerrero-Flores untersuchte die Treffsicherheit eines Beagle-Rüden. Bei dieser Studie ging es um Gebärmutterhalskrebs und die Erkennung der Hunde anhand des Geruches an Damenbinden. Nach einer Trainingsphase mit dem Klicker-Training ging es zur Testphase über. Am Ende der Studie lag der Vierbeiner in über 90 Prozent richtig. Das klingt vielversprechend und geht sogar über den herkömmlichen Pap-Test hinaus.

Durchwachsenes Ergebnis deutsch-österreichischer Studie

Dem entgegen steht eine deutsch-österreichische Studie um den Forscher Klaus Hackner. Hier wurden mehrere Hunde auf ihre Treffsicherheit bei der Früherkennung von Krebs eingesetzt. Der Wert lag zwischen 30.9 % und 84.0 %. Dieses Ergebnis verpasst der Hoffnung auf Tumordiagnostik von Hunden einen Dämpfer.

Studien mit positiven Ergebnissen überwiegen

Die beiden unterschiedlichen Ergebnisse verwirren. Die Forscher der zweiten Studie halten es für möglich, dass Müdigkeit, Langeweile oder unterbewusstes Eingreifen von Mitarbeitern zu einem unzuverlässigen Tumordiagnostik der Vierbeiner führen. Dennoch ist festzuhalten: Insgesamt überwiegen die Studien, welche die Fähigkeit der Hunde belegen.

Hunde, die Krebs und Tumore riechen – Fazit

Hunde, die in der Zukunft teure Maschinen für die Krebsfrüherkennung ersetzen werden – eine Vorstellung, von denen noch nicht alle Wissenschaftler überzeugt sind. Das Themengebiet hat zwar in den letzten Jahren einen deutlichen Vorsprung durch Studien erfahren, dennoch ist es derzeit noch zu früh, um eindeutige Erkenntnisse daraus abzuleiten. Aktuell verfolgen Mediziner das Ziel, die Duftstoffe ausfindig zu machen, die der Hund wahrnimmt. So kann wie so oft der Mensch sich Dinge von Tieren abgucken und davon profitieren.

Gegenwärtig gilt: Hunde, die Krebs und Tumore riechen, sollten nicht als einziges Mittel für die Erkennung von Krebsarten eingesetzt werden. Viele Studien ergaben zwar eine geringe Fehlerquote. Doch Hunde sind in dieser Hinsicht wie wir Menschen – nicht frei von Fehlern.