Es ist die dunkle Nacht zu Karsamstag im nordrhein-westfälischen Ahlen. Der Regen prasselt unaufhörlich herab. Niemand bemerkt, wie jemand in der Dunkelheit vor das geschlossene Tor des örtlichen Tierheims tritt und heimlich eine Metallbox auf dem nassen Boden abstellt.
Als ein Mitarbeiter am nächsten Morgen durch puren Zufall die völlig durchnässte Box entdeckt, stockt ihm der Atem.
Blinder Hunde-Opi eiskalt entsorgt
Auf der Kiste klebt ein Zettel mit einer eiskalten Warnung: „Vorsicht! Aggressiv-blind-bissiger Hund!“. Ein Satz, der wie ein Schlag in die Magengrube wirkt.
Doch als die Helfer die Box öffnen, blicken sie nicht in das Gesicht einer Bestie – sondern in den Abgrund menschlicher Herzlosigkeit.
Verängstigt und verwahrlost
Im Inneren kauert „Michi“, ein zwölf Jahre alter Tibet-Terrier-Mischling. Das verängstigte Tier ist bis auf die Knochen durchnässt, völlig verstört und übersät mit Flöhen. Michi ist komplett blind.
Er kann nicht sehen, wo er ist. Er weiß nicht, wer die Menschen sind, die ihn jetzt berühren. In seiner nackten Panik schnappt der Senior reflexhaft um sich – nicht aus Bösartigkeit, sondern weil er sich im absoluten Nichts seiner Blindheit tödlich bedroht fühlt.
Für die Tierschützer in Ahlen ist es ein Anblick, der sie fassungslos macht. Sarah D. vom Tierschutzverein bringt das Drama auf den Punkt: „Gerade wenn es sehr alte Tiere sind, die dann auch noch wie in diesem Fall eine Beeinträchtigung mit der Blindheit haben, ist das wirklich eine Katastrophe für die Tiere, weil die alles verlieren in dem Moment.“
Und Michis gesamte vertraute Welt ist in einer einzigen, kalten Regennacht dahin...
Belohnung für die Wahrheit
Aktuell erholt sich der völlig erschöpfte Senior in einer Quarantäne-Station, wird medizinisch versorgt und langsam aufgepäppelt. Doch sein Schicksal lässt niemanden los.
Ein verzweifelter Aufruf in den sozialen Netzwerken, um die Herkunft des Hundes zu klären, verlief bislang im Leeren. Wer entledigt sich auf so herzlose Weise eines treuen Gefährten, der gerade im Alter Schutz und Liebe braucht?
Um diese Frage zu beantworten, hat die Tierrechtsorganisation PETA nun ein Kopfgeld ausgesetzt. 500 Euro Belohnung warten auf den entscheidenden Hinweis, der zu der Person führt, die Michi wie weggeworfenen Müll im Regen zurückgelassen hat.
Das alte, blinde Fellknäuel wird die Bilder jener Nacht zwar nie sehen können, doch die Narben auf seiner Seele werden noch lange bleiben.