Es ist ein Ort, der für ein Tier den sicheren Tod bedeuten kann. Die Autobahnabfahrt Coswig (Landkreis Meißen/Sachsen) an der A9: dröhnende Motoren, rasende Lkw und ohrenbetäubender Lärm. Genau hier, mitten in dieser lebensfeindlichen Kulisse, leuchten am 1. März zwei eisblaue Augen aus dem Dreck.
Ein sogenannter Pomsky – eine teure, trendige Mischung aus Pomeranian und Husky – wurde dort an diesem Tag eiskalt ausgesetzt und sich selbst überlassen. Wie Sperrmüll, den man achtlos am Straßenrand entsorgt.
Verwahrloster Pomsky ausgesetzt
Als der circa dreijährige Rüde namens Koda im Tierheim Wittenberg ankommt, erzählt sein Körper die ganze Geschichte eines langen Leidenswegs. Von dem flauschigen Fell, das Designer-Hunde dieser Art normalerweise auszeichnet, ist nichts mehr übrig.
Koda steckt in einem starren Panzer aus komplett verfilztem Unterfell. Die Pfleger müssen zu einer radikalen Maßnahme greifen: Koda muss komplett geschoren werden.
Eine Prozedur, bei der viele Hunde in Panik geraten. Doch Koda erträgt das Surren der Schermaschine unfassbar brav und geduldig, als wüsste er, dass man ihn gerade von einer monatelangen Last befreit.
Dass sich bis heute niemand gemeldet hat, um den auffälligen Hund als vermisst zu melden, überrascht in Wittenberg niemanden. Der vernachlässigte Zustand ist Beweis genug, dass Koda in seinem alten Leben schon lange keinen Wert mehr für seine Menschen besaß.
Kodas unsichtbare Narben auf der Seele
Mittlerweile hat Koda die körperlichen Strapazen hinter sich gelassen. Er ist gechippt, geimpft, kerngesund und zeigt sich von seiner besten Seite: Er ist ein verspielter, kluger Rüde, der die Energie seiner Husky-Vorfahren in sich trägt und sich bestens mit Hündinnen versteht. Doch ein Tier, um das sich offensichtlich niemand so richtig gekümmert hat, trägt Narben davon, die man nicht auf den ersten Blick sieht.
Koda hat offensichtlich in seinem bisherigen Leben gelernt, dass Ressourcen knapp sind. Er muss erst wieder verinnerlichen, dass er nie wieder hungern wird. Beim Thema Futter zeigt er sich unentspannt – ein klarer Überlebensinstinkt aus einer dunklen Zeit.
Das Tierheim Wittenberg sucht für diesen Neustart daher ganz gezielt keine Anfänger. Koda braucht Menschen mit Hundeerfahrung, die ihm Sicherheit und Struktur geben. Ein Haushalt mit kleinen Kindern ist für ihn tabu.
Wer Koda zeigen möchte, dass Menschen nicht nur aussetzen und vernachlässigen, sondern auch bedingungslos lieben können, wird gebeten, sich per Mail an das Tierheim Wittenberg zu wenden.