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Wolfshund rennt hinter Langläuferinnen her
© Terje Pedersen/NTB/dpa / welt.de

„Hatte Angst, er beißt mich“: Vierbeiniger Verfolger sorgt für Chaos beim olympischen Sprint

von Stefanie Gräf

Am veröffentlicht

Schock beim olympischen Langlauf-Finale der Damen: Eine Athletin denkt, sie halluziniert vor Erschöpfung und hat Todesangst. Aber das Tier ist völlig real!

Zieleinlauf im olympischen Langlaufstadion im italienischen Tesoro: Im Team-Sprint der Langläuferinnen gehen die Athletinnen an ihre absoluten Grenzen. Der Puls rast, die Lungen brennen, der Blick ist starr auf den Schnee und die nahe gelegene Ziellinie gerichtet… Nur noch wenige Meter bis zur olympischen Medaille!

Doch die Kroatin Tena Hadzic hat genau in diesem entscheidenden Moment eine Erscheinung, die sie an der Realität zweifeln lässt. Mitten auf der olympischen Piste taucht ein Tier auf. Es ist groß. Es ist grau. Er sieht aus wie ein Wolf!

„Ich dachte, ich halluziniere“

Hadzic erstarrt innerlich. Spielt ihr Gehirn ihr einen Streich? „Im ersten Moment dachte ich, es wäre ein Wolf, und ich halluziniere aufgrund des anstrengenden Rennens“, schildert sie später die Sekunden des Schreckens.

Doch das Tier ist real. Und es kommt näher. „Er war extrem groß“, sagt Hadzic. Die Urangst kriecht hoch: „Als ich vorbeilief, hatte ich Angst, dass er mich vielleicht beißt.“

Der Ausbruch des „Ringgeistes“

Der vierbeinige Olympia-Finale-Crasher trägt einen Namen, der perfekt zur düsteren Erscheinung passt: „Nazgul“. Der zweijährige Tschechoslowakische Wolfshund, der sowohl die Langläuferinnen als auch das Publikum im Stadion und an den Fernsehern verrückt gemacht hat, wurde benannt nach den furchteinflößenden Ringgeistern aus „Herr der Ringe“.

Denn während Hadzic auf der Piste um ihr Leben fürchtet, spielt sich wenige Meter entfernt in einem Wohnhaus ein ganz anderes Drama ab. Nazgul ist ein Ausbrecher-König.

Sein Halter hatte ihn allein gelassen. Doch Türen sind für Nazgul kein Hindernis. Er öffnet an dem Tag gleich zwei davon selbstständig, büxt aus der Wohnung aus und verschwindet in Richtung der nahe gelegenen Loipe.

Seine Familie ahnt von nichts – bis sie den Fernseher einschalten. Elisa Varesco, die Schwester von Nazguls Herrchen, traut ihren Augen nicht: „Als wir ihn dann im Fernsehen gesehen haben, waren wir ganz erschrocken.“ Ihr vermisster Hund lief immerhin live bei Olympia um den Sieg mit.

Das Zielfoto für die Ewigkeit

Auf der Zielgeraden erreicht das Chaos seinen Höhepunkt. Nazgul heftet sich an die Fersen der Griechin Konstantina Charalampidou und der Kroatin Hadzic. Am Ende wird es ein menschlich-tierisches Kopf an Kopf Rennen. Der Vierbeiner, den bis zu diesem Moment noch alle für einen Wolf halten, überquert die Ziellinie und wird auch standesgemäß von der offiziellen Zeitmessung erfasst.

Olympisches Zielfoto Wolfshund
Nazguls offizielles Zielforo (OMEGA / bild.de)

Erst im Ziel löst sich die Anspannung. Das vermeintliche Wildtier entpuppt sich als ein neugieriger Hund, der die argentinische Sportlerin Nahiara Díaz Gonzalez fröhlich beschnuppert.

Streckenchef Michel Rainer fängt den Ausreißer schließlich ein – doch schon kurz darauf entwischt der unternehmungslustige Nazgul übrigens erneut. Dieses Mal läuft er allerdings in den Nachbarort, wo er endgültig gesichert werden kann.

Was bleibt, ist ein olympischer Moment, den niemand vergessen wird. Für Charalampidou war der Wolfshund sogar so eine Art ein Glücksbringer: „Dank ihm bin ich jetzt berühmt.“ Doch für Tena Hadzic war es der wohl gruseligste Sprint ihres Lebens.

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