Der Regionalzug der NordWestBahn ist an diesem Montagmorgen im Februar 2026 unterwegs nach Bremen. Zwischen Pendlern, Schülern und Reisenden sitzt ein Fahrgast, der so gar nicht in die hektische Morgenstimmung passen will. Kein Gepäck, kein Smartphone in der Hand – und vor allem: kein Ticket.
Stattdessen blickt dieser Passagier entspannt aus dem Fenster, als gehöre ihm der Waggon, und betrachtet aufmerksam die vorbeiziehende norddeutsche Landschaft.
Der Zugriff am Hauptbahnhof
Als der Zug nach 38 Minuten Fahrt und rund 30 Kilometern im Bremer Hauptbahnhof einrollt, wartet bereits das Empfangskomitee. Die Bundespolizei ist informiert. Die Beamten betreten den Zug, um die Situation zu klären. Doch als sie vor der „Schwarzfahrerin“ stehen, greifen sie nicht zum Strafzettel-Block, sondern zur Wasserschale.
Denn der illegale Fahrgast ist Shila – eine zweijährige Katze, die sich auch von uniformierten Beamten nicht aus der Ruhe bringen lässt.
„Nicht schon wieder!“
Wenig später klingelt bei Shilas Haltern in Niedersachsen das Telefon. Die Nachricht: „Wir haben Ihre Katze in Bremen.“ Für Carolin T. ist das kein Schock, sondern eher ein Déjà-vu, wie sie im Interview von sz.de verrät. Ihr erster Gedanke: „Nicht schon wieder!“
Denn Shila ist in ihrer Heimatstadt Berne eine lokale Berühmtheit – und eine notorische Ausreißerin mit einem ganz speziellen Hobby. Sie liebt es, „kutschiert“ zu werden. Ob im Auto oder in der Bahn: Shila steigt ein, schaut raus und „chillt ihr Leben“, wie ihre Halterin erzählt.
Warum der Plan diesmal schiefging
Eigentlich ist Shila ein Profi. Sie kennt die Strecke. Normalerweise weiß sie genau, dass sie einfach sitzen bleiben muss, bis der Zug umkehrt, oder sie steigt zwischendurch aus, um die Gegend zu erkunden.
Warum sie diesmal bis zur Endstation in die Arme der Polizei fuhr? Es war schlichtweg zu viel Liebe im Spiel. Andere Fahrgäste waren so begeistert von der flauschigen Mitreisenden, dass sie Shila mit Leckerlis und Streicheleinheiten verwöhnten. Abgelenkt durch so viel Zuneigung verpasste die Katze einfach ihren Ausstieg.
Die dreisteste Ausrede der Welt
Shila selbst scheint sich keiner Schuld bewusst zu sein. Ihre „Ausrede“ für den Ausflug ist so simpel wie entwaffnend: Sie macht einfach, was sie will. Sie lässt sich nichts sagen.
Wenn sie nicht gerade Zug fährt, besucht sie den örtlichen Supermarkt, schaut beim Blutspenden zu oder lässt sich im Altenheim mit frischem Hühnchen füttern. „Die Liebe von Katzen muss man sich verdienen“, sagt ihre Halterin leicht resigniert aber liebevoll.
Nach ihrem Abenteuer wurde Shila wohlbehalten abgeholt. Sie ist gechipt, geimpft und wird zu Hause verwöhnt. Doch die Bahn-Mitarbeiter halten sicherheitshalber schon mal Ausschau: Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Shila wieder am Gleis steht.