Lolek und Bolek – zwei absolute Schwergewichte, die optisch eigentlich jeden Einbrecher in die Flucht schlagen könnten. Doch der Schein trügt gewaltig. Denn tief im Inneren dieser imposanten Kolosse schlagen zwei Hasenherzen.
Deshalb entwickelt sich der Gang zum Auslauf mit den beiden Herdenschutzhunden im Tierheim Köln-Dellbrück aktuell zur wohl niedlichsten „Mission Impossible“ Deutschlands.
Der 2-Tüten-Leckerchen-Marathon
„Nehmt euch eine Tüte Popcorn, es dauert ein wenig“, warnt das Tierheim-Team am 16. Januar seine Social-Media-Community vor. Und das ist keine Untertreibung. Denn zwei gestandene Männer, bewaffnet mit Engelsgeduld und einer strategischen Menge an Leckerchen, sind nötig, um die beiden Hunde zu bewegen.
Das Ziel ist dabei nur: Einfach nur in den Auslauf gehen. Doch was wie eine leichte Übung klingt, ist für die beiden Sensibelchen eine ähnliche Herausforderung wie die Besteigung des Mount Everest in Turnschuhen.
Appetit schlägt Angst
Ein Video belegt: Die Tierpfleger Uwe und Christian geben alles. Mit viel Spucke, gutem Zureden und – noch viel wichtiger – kulinarischen Bestechungsmitteln versuchen sie, die beiden Riesen in den großen Auslauf zu bewegen.
Das Ergebnis der schweißtreibenden Aktion: ein Verbrauch von knapp zwei ganzen Tüten Leckerchen und ein Video, das beweist, dass Größe rein gar nichts mit Mut zu tun hat. Schritt für Schritt, Zögern für Zögern vergessen die Riesenbabys zum Glück über die feinen Häppchen ihre Umgebung.
Die traurige Wahrheit hinter der Angst
Doch so sehr man über die tollpatschigen Versuche der beiden schmunzeln muss, der Grund für ihr Verhalten schnürt Tierfreunden die Kehle zu. Dass Lolek und Bolek selbst vor einem simplen Halsband zurückschrecken, liegt an ihrer Vergangenheit.
Die zwei verbrachten ihre Jugend isoliert auf einem Firmengelände. „Unglaublich, aber wahr: Lolek und Bolek kennen einfach gar nichts“, berichteten die Kölner Tierschützer im Dezember 2025 erschüttert. Kein Gassi-Gehen, keine Autos, keine Welt außerhalb des Zauns. Ihr Halter hatte sie dort als Welpen zurückgelassen und war schließlich irgendwann einfach ganz verschwunden!
Als das Duo im Tierheim ankam, waren die beiden Rüden so überfordert, dass sie keinen Schritt machten – die Mitarbeiter mussten die schweren Tiere tatsächlich hineintragen.
Riesenbabys suchen Profis
Trotz dieses denkbar schlechten Starts ins Leben haben sich die beiden ihr freundliches Wesen bewahrt. Sie sind verschmust, zutraulich und, wie der Ausflug zeigt, mit Essen durchaus zu motivieren.
An eine normale Vermittlung ist aktuell noch nicht zu denken. Lolek und Bolek müssen erst das „kleine Hunde-Einmaleins“ lernen und verstehen, dass die Welt da draußen gar nicht so gruselig ist, wie sie denken. Das Team hofft aber, dass echte Experten für Herdenschutzhunde schon jetzt ein Auge auf die beiden Rohdiamanten werfen.
Bis es aber soweit ist, werden Uwe und Christian wohl noch einige Leckerchen-Tüten opfern müssen.