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Wildzaun am Waldrand
© Natallia Boroda / Shutterstock (Symbolbild)

Jäger traut seinen Augen nicht: Er befreit ein Tier aus dem Wildzaun und schreibt Geschichte!

von Stefanie Gräf

Am veröffentlicht

Es hängt im Zaun fest und kämpft um sein Leben. Der Jäger fackelt nicht lange und schneidet das Tier frei. Später wird klar: Dieser Fund ist eine Sensation!

Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein) – Es war ein Routinegang durchs Revier, der plötzlich zur dramatischen Rettungsmission wird. Als ein Jäger im Wald einen dunklen Schatten im Unterholz bemerkt, ahnt er nicht, dass er gleich Zeuge einer historischen Sensation werden wird.

Der Mann nähert sich einem Wildzaun und entdeckt ein Drama: Ein Tier hat sich hoffnungslos im Drahtgeflecht verfangen. Es zappelt, kämpft panisch um sein Leben, doch es gibt kein Entkommen. Die Kräfte des „struppigen Patienten“ schwinden bereits.

Rettung in letzter Sekunde

Der Jäger erkennt sofort den Ernst der Lage. Der Vierbeiner kann sich nicht aus eigener Kraft befreien – ohne Hilfe wäre der Zaun zur tödlichen Falle geworden.

Entschlossen greift der Mann ein. Er schneidet das verängstigte Tier frei. Kaum lässt der Draht locker, nutzt der Gefangene die Chance: Mit einem Satz springt das Kätzchen in die Freiheit und verschwindet im Dickicht des Waldes. Eine genaue Identifizierung? In der Hektik des Augenblicks kaum möglich. Der Retter bleibt allein zurück.

Das entscheidende Beweisstück

Doch der Unbekannte hat am „Tatort“ etwas zurückgelassen. Im Zaun hängen geblieben ist ein Büschel Haare.

Der Jäger spürt, dass hier etwas anders ist. Das waren keine gewöhnlichen Tierhaare. Geistesgegenwärtig sichert er die Spuren,  und übergibt das Material an die Experten. Was folgt, ist ein banges Warten auf das Urteil des Labors.

Das Landesamt für Umwelt (LfU) schickt die Probe zur genetischen Analyse an das renommierte Institut Senckenberg in Gelnhausen. Die Wissenschaftler extrahieren die DNA, vergleichen die Sequenzen – und trauen ihren Daten kaum.

Das Ergebnis ist eine Sensation

Als der Befund eintrifft, herrscht Gewissheit: Der Jäger hat keinen gewöhnlichen Streuner gerettet. Er hielt einen Geist in den Händen.

Das genetische Ergebnis ist eindeutig: Es handelte sich um eine Europäische Wildkatze (Felis silvestris). Das klingt zunächst harmlos, ist aber eine biologische Sensation. Denn in Schleswig-Holstein galt diese scheue Art seit dem Mittelalter als ausgerottet. Seit Jahrhunderten hatte man keinen genetischen Beweis mehr für ihre Existenz in diesem Bundesland – bis dieser eine Jäger den richtigen Riecher hatte.

Europäische Wildkatze in Schleswig-Holstein entdeckt
Europäische Wildkatze (Jesus Cobaleda / Shutterstock - Symbolbild)

Ein Meilenstein für den Norden

„Das Ergebnis ist eindeutig“, bestätigen die Experten. Offenbar hat das Tier, das eigentlich südlich der Elbe heimisch ist, den Fluss überwunden, der lange als unüberwindbare Barriere galt.

Ob der gerettete „Pionier“ allein ist oder ob sich die Wildkatze dauerhaft im Norden ansiedelt, sollen nun weitere Ermittlungen zeigen. In den kommenden Tagen starten BUND und LfU eine großangelegte Suchaktion: das sogenannte „Lockstock-Monitoring“. Dabei werden mit Baldrian besprühte Holzstöcke aufgestellt, um weitere Haare zu sammeln.

Doch eines ist sicher: Dieser Jäger hat mit seinem beherzten Eingreifen nicht nur ein Leben gerettet, sondern auch bewiesen, dass totgesagte Arten manchmal doch zurückkehren.

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