Es ist die Zeit um den Jahreswechsel von 2025 auf 2026. Während die Menschen sich auf Silvester vorbereiten, spielt sich im Dreck und in der Kälte von Torgau (Nordsachsen) ein stilles, grausames Drama ab. Die örtliche Tierhilfe wird zu einem Notfall gerufen.
Was die Freiwilligen dort finden, ist kaum mehr als ein Häufchen Elend. Ein kleiner Kater, geschätzt gerade einmal neun Monate alt, völlig abgemagert und am Ende seiner Kräfte. Doch das wahre Ausmaß des Horrors offenbart sich erst, als sich die Tierschützer über den winzigen Körper beugen und dem Tier ins Gesicht sehen.
Katze ohne Augen gefunden
Der Kater ist, wie es die Retter später beschreiben, „dem Tod näher als dem Leben“. Aber insbesondere der Anblick seines Gesichts lässt den Rettern den Atem stocken. Der kleine Kater hat keine Augen…
Wo eigentlich zwei leuchtende Katzenaugen sein sollten, klaffen nur leere Höhlen. Später stellt sich heraus: Die kleine Samtpfote kam ohne Augäpfel zu Welt, eine medizinische Besonderheit. Und die Zeit auf der Straße hatte verheerende Auswirkungen für das Katerchen.
In den leeren Augenhöhlen hat sich bereits Dreck gesammelt, der zu massiven, hochgradig schmerzhaften Entzündungen geführt hat. Was dieses unschuldige Geschöpf in seinem kurzen Leben auf der Straße für Höllenqualen durchgemacht haben muss, lässt sich nur erahnen.
Ein Kampf auf Leben und Tod
Es beginnt ein verzweifelter Kampf gegen die Uhr. Auf der Intensivstation bangen die Helfer um das Leben des Katers, der den Namen Piccolo bekommt. In einer rettenden Operation werden seine Augenhöhlen endlich verschlossen, um den ständigen Entzündungen und Schmerzen ein Ende zu bereiten.
Piccolo überlebt. Sein Körper erzählt von grausamen Entbehrungen, doch sein Herz erweist sich als unzerbrechlich. Obwohl er für immer in vollkommener Dunkelheit gefangen ist, findet er unerwartet einen Weg zurück ins Licht – und zwar durch ein anderes Opfer menschlicher Grausamkeit.
Piccolo und Curly Sue: Die Unzertrennlichen
Kurz nach Neujahr zieht „Curly Sue“ bei den Tierschützern ein. Jemand hatte die kleine Katze Silvester skrupellos mit Böllern beworfen. Auch sie ist ein Notfall, hat Probleme mit dem Gaumensegel und atmet unter lautem Röcheln.
Was für die Pfleger eine gesundheitliche Baustelle ist, wird für den blinden Piccolo zum größten Geschenk: Er nutzt das laute Atmen seiner Kuschel-Partnerin als akustischen Kompass. Wo sie röchelt, ist er sicher. Traumwandlerisch orientiert er sich an ihr, sucht ihre Nähe und findet Trost in der Dunkelheit.
Ein kleines Wunder
Wenn man Piccolo und Curly Sue heute beobachtet, geht einem das Herz auf. Der Kater, der halbtot im Dreck lag und das Schlimmste erlebt hat, ist zurück im Leben. Und auch seiner vierbeinigen Freundin geht es besser.
Gemeinsam kämpfen die beiden gezeichneten Tiere tapfer weiter. Die zwei beweisen jeden Tag aufs Neue: Manchmal ist ein guter Freund eben doch das Allerwichtigste im Leben.