Es ist ein Anruf, der den Helfern der Tierhilfe Wolfsburg durch Mark und Bein geht. Am anderen Ende der Leitung bricht Finderin Jessi komplett in Tränen aus. Sie weint so heftig, dass sie kaum sprechen kann. Es ist ein Weinen voller nackter Verzweiflung.
Denn die Frau hat gerade etwas ansehen müssen, das ein normaler menschlicher Verstand eigentlich nicht mehr wirklich begreifen kann. Denn es handelt sich um einen Fund, der wie aus einem finsteren Albtraum wirkt.
Ein verzweifelter Schrei aus dem nassen Gras
Jessi ist mitten auf einem Feld unterwegs, als die ländliche Idylle schlagartig zerbricht. Versteckt im hohen, nassen Gras eines tiefen Grabens liegt ein Bündel unschuldiger Leben. Mehrere Katzenbabys - weggeworfen wie Müll, zum Sterben ausgesetzt!
Dass die Winzlinge überhaupt entdeckt werden, grenzt an ein medizinisches Wunder. Es ist purer Zufall. Denn eines der Katzenbabys mobilisiert seine allerletzten Kräfte und schreit sich gerade in dem Moment die Seele aus dem Leib. Ein gellender Hilferuf in der Einsamkeit, der den Rettern den Weg weist. Sonst hätte niemand in diesem Dickicht nachgesehen.
Die grausame Wahrheit hinter der Tat
Als Jessi und ihre Mitstreiter beginnen, die völlig entkräfteten Kätzchen aus dem nassen Graben einzusammeln, sackt ihnen der Magen weg. Das hier ist kein Unfall. Dahinter steckt ein wahrhaft eiskalter, skrupelloser Täter!
Im Graben liegen nicht einfach Geschwister aus einem Wurf. Es ist ein regelrechter Friedhof der Lebendigen, bestehend aus drei völlig unterschiedlichen Altersstufen: Ein Teil der Katzenbabys ist gerade einmal einen Tag alt, sie sind blind, nackt und absolut hilflos. Andere sind etwa drei Wochen alt. Die ältesten Kätzchen sind schätzungsweise fünf bis sechs Wochen alt.
Drei verschiedene, zusammengewürfelte Katzenfamilien wurden hier einfach entsorgt. Dehydriert, abgemagert bis auf die Knochen, liegen sie mit überstreckten Köpfen da. Als wehrlose Opfer unvorstellbarer Gleichgültigkeit.
Teppiche aus Fliegeneiern
Die Retter kämpfen sofort gegen die Zeit, doch die Bilder brennen sich tief ein. Überall sind Fliegeneier! Sie sind über die winzigen Körper verteilt. Besonders schlimm hat es einen kleinen, schwarzen Kater erwischt. Unter seinem verklebten Fell verbergen sich ganze Teppiche aus Fliegenbrut. Eine Gesichtshälfte ist kaum noch zu erkennen. Die Maden und Eier quellen bereits aus seinem Auge, weil es so unendlich viele sind.
„Ich werde diese Bilder niemals vergessen“, heißt es im emotionalen Protokoll der Tierhilfe.
Der kleine Kater liegt auf der Seite und ringt verzweifelt nach Luft. Seine Schleimhäute sind grau – ein deutliches Zeichen, dass der Tod bereits nach ihm greift. Er ist so ausgemergelt, dass er sich kaum noch bewegen kann. In einer fieberhaften Rettungsaktion versuchen alle gemeinsam, auch noch das letzte Ei zu entfernen, die Babys irgendwie zu wärmen und Leben in die kalten Körper zu hauchen. Es ist ein absoluter Sekundenkrimi.
Ein Wunder gegen jede Wahrscheinlichkeit
Doch diese Geschichte, die so düster begann, zeigt am Ende die unbändige Kraft des Lebens. Entgegen aller Erwartungen der Helfer haben ausgerechnet die beiden am schlimmsten betroffenen Babys die Kurve gekriegt: Sowohl der kleine schwarze Kater mit dem zerstörten Auge als auch das nur einen Tag alte Kitten leben und kämpfen.
Was bleibt, ist die fassungslose Wut auf den unbekannten Täter. Wie kann man fühlende Lebewesen auf ein Feld fahren, sie in einen Graben werfen und sich einfach aus dem Staub machen? Dreht man sich da noch einmal um? Hört man die Schreie im Rückspiegel, oder ist einem alles einfach völlig egal?
Das Netz reagiert mit einer gewaltigen Welle des Entsetzens und der Solidarität. Weit über 5.000 Menschen leiden auf Facebook mit, Tausende teilen und kommentieren den Beitrag der Tierhilfe Wolfsburg. Sie alle hoffen jetzt auf das eine: Dass die kleinen Kämpfer durchkommen – und der Täter für diese Grausamkeit zur Rechenschaft gezogen wird.