Diese Szenen wiederholen sich täglich tausendfach in deutschen Parks und auf Gehwegen: Immer öfter starren Herrchen und Frauchen auf ihr Smartphone, während ihr Hund vergeblich auf Aufmerksamkeit wartet.
Was harmlos wirkt, hat einen Namen und entpuppt sich laut aktuellen Expertenaussagen als schwerwiegendes Problem für die Hundepsyche: Phubbing.
Was hinter „Phubbing“ steckt
Der Begriff setzt sich aus phone (Telefon) und snubbing (ignorieren) zusammen. Gemeint ist die ständige Fixierung aufs Handy – während der eigene Hund dabei komplett auf der Strecke bleibt. Was für viele nur eine kleine Gewohnheit ist, bedeutet für Hunde Stress, Frust und tiefe Unsicherheit.
„Wenn der Mensch nur noch aufs Handy starrt, passiert beim Hund oft genau das Gegenteil – er fängt an zu fühlen. Und zwar Unsicherheit, Frust oder schlicht Langeweile“, warnt Hundetrainerin Katharina Marioth im Gespräch mit Petbook. Die Folgen seien dramatischer als die meisten Halter ahnen würden.
Hunde spüren emotionale Abwesenheit sofort
Hunde registrieren die emotionale Distanz ihrer Bezugspersonen mit erschreckender Präzision. „Hunde kommunizieren über Körpersprache, Mimik, Energie – nicht über Worte. Wenn wir emotional nicht präsent sind, merkt der Hund das sofort“, sagt Marioth.
Für die Vierbeiner entstehe eine paradoxe Situation: Die Bezugsperson ist physisch anwesend, aber mental völlig abwesend. „Es ist für ihn verwirrend: Die Bezugsperson ist körperlich da, aber innerlich weg“, erklärt die Expertin. Diese Verwirrung könne bei den Tieren zu einem „inneren Vakuum“ führen.
Die Folgen: unruhiges Verhalten, Bellen, Zerren an der Leine – und im schlimmsten Fall sogar Aggression. Alles Versuche des Hundes, die verlorene Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. „Für viele Tiere ist das der Anfang von Bindungsproblemen“, warnt Marioth eindringlich.

Training wird zur Vertrauensfalle
Besonders fatal zeigt sich Phubbing beim Hundetraining. „Training ist Kommunikation. Wer im entscheidenden Moment aufs Handy schaut, verliert das Vertrauen seines Hundes – und manchmal sogar den Rückruf“, erläutert die Hundetrainerin.
Vor allem sehr menschenbezogene Hunde wie Australian Shepherds, Retriever oder Begleithunde reagieren extrem empfindlich. Aber auch unsichere Vierbeiner, etwa ehemalige Straßenhunde, können durch die emotionale Abwesenheit ihrer Halter schnell in alte Muster zurückfallen.
Inseln ohne Handy: Das raten Experten
Damit es nicht so weit kommt, dass der Hund sich alleingelassen fühlt, empfiehlt die Hundetrainerin feste „Hunde-Zeiten“. Eine Stunde täglich, in der das Handy in der Tasche bleibt.
„Viele Halter spüren dann erst, wie intensiv die Verbindung zum Hund wird“, so Marioth. In ihren Trainings gilt daher ein striktes Smartphone-Verbot.