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Hundesport Obedience: Die Königsdisziplin des Gehorsams

Hund beim Obedience Training advice © Shutterstock

Obedience ist die hohe Kunst im Hundesport. Sie muss Schritt für Schritt erlernt werden. Spezielles Zubehör wird nur wenig benötigt. Aber was hilfreich ist, ist ein Obedience Trainings Tagebuch, um die Fortschritte festhalten zu können.

von Silke Reininger

Obedience Training– die Hohe Schule im Hundesport

Obedience wird vom englischen Wort für Gehorsam abgeleitet. Es geht beim Obedience um das perfekte Verständnis zwischen Hund und Mensch. Viele vergleichen das Obedience Training mit Dressurreiten, das Agility mit Springreiten. Beim Gehorsamstraining handelt es sich um eine Art der besonderen Kür.

Perfekte Kommunikation und Gehorsam

Die perfekte Kommunikation ist das A und O, die zwischen Mensch und Hund herrschen muss. Hier sind die richtige Erziehung und Konsequenz wichtig. Der Hund muss seinem Menschen zu 100 Prozent vertrauen. Er muss einige Übungen ausführen, die sehr weit entfernt vom Halter sind und teilweise auch außer Sichtweite. Die soziale Verträglichkeit vom Hund auf andere Tiere und Menschen ist ein Prüfungspunkt. Selbst wenn der Begriff „Gehorsam” darauf hinweisen würde, geht es nicht um Drill beim Obedience Training. Der Hund soll nicht einfach nur gehorchen. Vielmehr soll er seinem Menschen freiwillig folgen und hören was sein Mensch sagt. Das wird erreicht, wenn der Vierbeiner mit Spaß trainiert und die Vorteile erkennt, die er hat, wenn er sich nach seinem Menschen richtet.

Geeignete Hunderassen für Obedience

Generell können alle Hunde am Obedience teilnehmen. Dabei macht es keinen Unterschied, wie groß oder klein, welcher Rasse sie angehören oder wie alt sie sind. Ob Ihr Hund geeignet ist, können Sie also selbst einschätzen - aber natürlich soll es auch dem Hund Spaß machen. Die Richter haben die Anweisung, auf Besonderheiten der Teilnehmer bei der Bewertung Rücksicht zu nehmen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Die Geschichte vom Obedience Training

Obedience Training kommt, genauso wie Agility, aus England. Obedience wurde im Rahmen der Vielseitigkeitsprüfungen erfunden. Das war vor fast einem Jahrhundert. Als anerkannte Hundesportart gilt es erst seit 1951. Dabei werden vier verschiedene Obedience Klassen eingeteilt. Beginner, Klasse Eins, Klasse Zwei und Klasse Drei. Es gibt pro Leistungsklasse jeweils zehn Übungen. Diese müssen fehlerfrei nacheinander ausgeführt werden. Dazu gehören:

  • Apportieren
  • Eigenidentifikation
  • Positionswechsel
  • Wesensfestigkeit

Beim Obedience liegt das Hauptaugenmerk nicht auf körperlicher Leistung oder Schnelligkeit. Die Bindung zwischen Hund und Halter soll gefestigt werden. Deswegen bietet sich Obedience Training für alle Hunde an.

In der Prüfung: Obedience Übungen

Im Obedience gibt es keine festgelegten Abläufe für die Prüfung. Daher wird der Halter mit seinem Hund von einem Ringsteward auf den Platz gebracht und durch die Prüfung geführt, bevor die Bewertung der Übungen staffindet. Da der Halter erst in der Prüfung erfährt, welche Übungen er zu absolvieren hat, sollten alle möglichst alle Aufgaben üben.

Einzelne Übungen starten und enden immer in der Grundstellung. Der Hund sitzt dafür dicht an der linken Seite des Hundehalters und hält mit ihm Blickkontakt. Hund und Hundeführer sind in der Körperachse exakt parallel ausgerichtet, die Schulter vom Hund ist auf der Höhe vom Knie des Menschen. Mit exakt ausgerichtet ist gemeint, dass der Hund „gerade“ nach vorn sitzt. Dann beginnt die Ausführung der Übungen:

Verhalten anderen Hunden gegenüber

Die erste Prüfung ist das Verhalten gegenüber anderen Hunden. Dabei stellen sich alle Hund-Mensch-Teams in einer Reihe auf. Anschließend geht das erste Team mit einem Abstand von einem Meter vor und hinter den anderen Teams vorbei. Dabei sollen die Hunde gleichgültig oder freundlich sein. Ein aggressives Verhalten sollte auf keinen Fall gezeigt werden. Fällt ein Hund durch ein negatives Verhalten auf, wird das Team aus der Prüfung ausgeschlossen.

Stehen und Betasten

Der nächste Teil ist Stehen und Betasten. Der Hundeführer tritt aus der Gruppe heraus, wenn ihn der Ringsteward dazu auffordert. Der Halter kann entscheiden, ob er mit oder ohne Leine arbeiten möchte. Mensch und Hund gehen in die Grundstellung. Nach Anweisung vom Ringsteward muss der Hund stehen. Der Halter geht schräg neben den Hund. Bleibt die Leine dran, muss sie locker durchhängen. Der Halter darf den Hund beruhigen, Kommandos dürfen aber nicht gegeben werden. Der Ringsteward betastet den Hund an allen Stellen, wobei der Hund ruhig stehen bleiben muss. Anschließend geht der Halter zum Hund zurück in die Grundstellung. Das Verhalten vom Hund ist der Bewertungsschwerpunkt. Gibt der Halter Hilfen, gibt es Punktabzüge.

Ablegen in der Gruppe

Als nächstes folgt Ablegen in der Gruppe. Alle Teilnehmer stehen in einer Reihe mit ungefähr drei Meter Abstand. Es folgt das Ableinen der Hunde und sie werden der Reihe nach ins „Platz“ gelegt. Die Halter gehen ungefähr 20 Meter von den Hunden weg und drehen sich zu ihnen um. In den nächsten zwei Minuten darf der Hund seine Position nicht verändern. Er darf maximal seine eigene Körperlänge vorwärts kriechen. Auf Anweisung vom Ringsteward gehen die Halter zu ihren Hunden, die immer noch im Platz bleiben. Der Steward gibt die Anweisung für das nacheinander Aufstehen der Hunde zurück in die Grundstellung. Dabei muss der Halter seinem Hund die Kommandos geben, ohne die anderen Hunde zu stören. Die Hunde müssen lernen, nur auf ihren eigenen Hundeführer zu reagieren.

Freifolgen

Dann kommt die Freifolge, bei der das Führen im Fuß startet. Fuß gehen bedeutet, der Hund geht links neben dem Menschen, die Schulter vom Hund auf Kniehöhe des Menschen und der Hund hält Blickkontakt zu seinem Hundeführer. Dabei soll der Hund den Menschen beim Laufen nicht behindern. Der Ringsteward gibt eine vorher beliebig festgelegte Reihenfolge von Anweisungen. Die Kommandos sind Vorwärts, rechts umkehren, Rechtswendung, links umkehren, Linkswendung und Halt. Die Wendungen müssen in einem 90 Grad Winkel ausgeführt werden. Das „Halt“ soll plötzlich erfolgen, ohne Kommando.

Sitz aus der Bewegung

Sitz aus der Bewegung wird mit einem nicht angeleinten Hund durchgeführt. Der Start ist in der Grundstellung, nach ungefähr zehn Metern bekommt der Hund das Kommando „Sitz“. Der Halter unterbricht nicht seine Gangart und dreht sich nicht um. Weitere zehn Meter muss der Halter stehenbleiben und sich zum Hund drehen. Nach Anweisung des Stewards geht der Mensch zu seinem Hund an die rechte Seite zurück und legt die Leine wieder an.

Voraussenden in ein Quadrat

Das Voraussenden geht in ein Quadrat, das zehn Meter entfernt und drei mal drei Meter groß ist. Die Ecken bilden Pylone, ein Band oder eine Markierung auf dem Boden dient der Abgrenzung. Im Quadrat wird der Hund abgelegt. Der Halter geht zum Hund und nimmt mit ihm die Grundstellung ein. Anschließend geht der Hundeführer ungefähr 20 bis 25 Meter zu einem vorgegebenen Punkt. Er dreht sich zum Hund um und ruft ihn. Der Hund muss schnell und auf geradem Weg zum Halter kommen und sich vor oder neben ihn setzen.

Apport

Beim Apport auf ebener Erde entfernt sich der Hundeführer fünf Meter vom Hund und legt einen Apportiergegenstand auf dieser Strecke ab. Er nach Kommando darf der Hund den Gegenstand apportieren. Der Gegenstand soll gefasst, aber nicht mehrfach nachgefasst oder zerkaut werden. Für das Ausgeben stehen zwei Varianten zur Auswahl. Der Hund sitzt mit dem Gegenstand vor dem Hundeführer und hält ihn weiter fest. Erst auf Kommando lässt er den Gegenstand los und geht nach einem nächsten Kommando wieder in die Grundstellung. Der Hund geht sofort in die Grundstellung und hält den Gegenstand weiter fest. Er gibt diesen auf Kommando aus. Der Gegenstand darf nicht vom Hund einfach fallengelassen werden. Es sollen zudem keine Zusatzkommandos fallen.

Kontrolle auf Distanz

Die letzte Übung ist die Kontrolle auf Distanz. Der Hund wird in eine liegende Position gebracht, der Hundeführer entfernt sich ungefähr fünf Meter. Der Steward gibt eine Anweisung, der Halter bringt den Hund mit Hand- und Hörzeichen in eine sitzende und dann mit dem nächsten Kommando zurück in die liegende Position.

Gutes Training ist die Grundlage

Die Grundvorrausetzung, um im Obedience erfolgreich zu sein, ist gutes Training. Beim Obedience handelt es sich nicht um eine spezielle Ausbildungsform, auch wenn dies oft so dargestellt wird. Nur das Ergebnis, also auf welchem Prüfungsniveau die Übungen absolviert werden, ist vorgeschrieben. Es ist jedem selbst überlassen, wie er das erreicht. Die positive Verstärkung ist hier ein gutes Hilfsmittel. Den typischen Kasernenhofton, der oft früher auf Hundeplätzen zu hören war, gehört zum Glück auf fast allen Plätzen der Vergangenheit an. Beim Obedience kommt es auf den Spaß an. Um dennoch wirklich gute Resultate zu schaffen, sollte jeder die für sich beste Trainingsmethode herausfinden. Jeder Hundehalter weiß am besten, wie er seinem Hund etwas lernen kann. Und wenn etwas nicht gleich funktioniert, einfach nicht aufgeben und wieder von vorne anfangen. Wie heißt es so schön? „Übung macht den Meister.“ Und genau so ist es.