Als Megan Tate das Foto von Wolf in den sozialen Medien entdeckt, spürt sie sofort, dass etwas nicht stimmt. Der Husky wiegt nur 8,6 Kilogramm. Eine Anwohnerin, die regelmäßig streunende Hunde füttert, hatte ihn gefunden und gemeldet. Er kommt in ein örtliches Tierheim und bereitet den Tierärzten schnell große Sorgen. Sie schlagen mehrmals vor, ihn einzuschläfern.
Doch für die Tierschützerin aus Miami (USA) kommt Aufgeben nicht infrage. Sie ist die Gründerin des Vereins *SGT Canines*. „Ich kann das nicht glauben, besonders ohne eine bestätigte Diagnose“, sagt sie gegenüber *Newsweek*. Das Wort Einschläferung löst bei ihr ein Trauma aus. Sie hat es im Laufe der Jahre zu oft gehört.
Kritischer Zustand, aber keine klare Diagnose
Megan Tate kontaktiert sofort das Tierheim. Sie bietet an, Wolf zu übernehmen, egal in welchem Zustand er ist. Schnell wird ihr klar, dass die Lage noch ernster ist als gedacht. Bei den ersten Untersuchungen beschreiben die Tierärzte seinen Fall als „sehr interessant“. Sie können jedoch keine genaue Diagnose stellen.
Ultraschall, Röntgenaufnahmen und Notfallanalysen liefern keine eindeutigen Ergebnisse. Wolfs Zustand ist stabil und sein Leben scheint nicht unmittelbar in Gefahr zu sein. Eine Anomalie ist jedoch deutlich erkennbar. Die Magenwand im unteren Verdauungstrakt ist stark verdickt. Die Ärzte vermuten ein Magen-Darm-Lymphom oder Krebs im Endstadium.
Megan Tate ist nicht überzeugt. Sie hat selbst einen Hund durch ein aggressives Lymphom verloren. Deshalb glaubt sie, dass Wolfs Zustand nicht zu dieser Krankheit passt. Eine andere Hypothese wird aufgestellt. Es könnte sich um extremen Hunger in Verbindung mit einer Verdauungskrankheit handeln. Diese würde die Nährstoffaufnahme verhindern. Trotzdem wird erneut zur Einschläferung geraten. Diese Option lehnt sie wieder ab.
Wolf erhält eine strenge, fettarme Diät. Er wird nach einem sehr schrittweisen Plan wieder an Futter gewöhnt und bekommt auch Infusionen. Sein Zustand schwankt, aber seine Blutwerte verbessern sich stetig. Die Tierärzte schlagen vor, die Behandlung sechs Wochen lang fortzusetzen. So wollen sie eine unheilbare Krankheit endgültig ausschließen.
Ein harter Kampf bis zur entscheidenden Entdeckung
Drei Wochen später bricht Wolf plötzlich zusammen, obwohl er langsam wieder zunimmt. Megan Tate bringt ihn sofort in die Tierklinik. Dort werden neue, umfassende Untersuchungen durchgeführt, darunter auch ein CT-Scan. Mehrere Tage lang gibt es keine klaren Antworten. Der Scan zeigt eine sehr lokale Verdickung der Magenwand ohne eine allgemeine Ausbreitung. Wieder sprechen die Ärzte von einem „ungewöhnlichen“ Fall.
Zu diesem Zeitpunkt hat die Tierschützerin bereits mehrere Tausend Dollar ausgegeben. Sie ist seelisch erschöpft und muss die Entscheidungen fast allein treffen, aber sie macht weiter. „Ich habe beschlossen, auf ihn zu hören“, erklärt sie. Während des gesamten Krankenhausaufenthalts bleibt Wolf wach und stabil. Sie besucht ihn jeden Tag, baut eine Bindung zu ihm auf und vertraut mehr auf ihre Beobachtungen als auf die Prognosen.
Megan Tate sucht in den sozialen Netzwerken nach Hilfe und recherchiert selbst weiter. Dabei stößt sie auf Pythiose, eine seltene und oft tödliche Pilzinfektion. Sie wird durch verunreinigtes Wasser übertragen. Kurz darauf kontaktiert sie ein Tierarzt und schlägt vor, Wolf auf diese Krankheit zu testen. Am nächsten Tag steht die Diagnose fest: Wolf leidet an einer schweren Pythium-Pilzinfektion.
Die Tierärzte erklären ihr, dass die Krankheit normalerweise tödlich verläuft. Erneut wird eine Einschläferung vorgeschlagen. Megan Tate lehnt ab und entscheidet sich trotz der Risiken für eine Operation. Die Ärzte betonen, dass die meisten Hunde mit Pythiose nur etwa 26 Tage überleben. Wolf hat diese Zeit bereits überschritten.
Der teure Eingriff ohne Erfolgsgarantie dauert über sechs Stunden. Dank der Unterstützung der Gemeinschaft kommen die notwendigen Spenden zusammen. Den Chirurgen gelingt es, das gesamte infizierte Gewebe zu entfernen. Sie erreichen sogar gesunde Ränder, was in solchen Fällen extrem selten ist.
Gegen alle Erwartungen überlebt Wolf. Acht Wochen später wird er offiziell für Pythium-frei erklärt, was das gesamte Tierarztteam verblüfft. Insgesamt kostete seine Behandlung fast 40.000 Dollar. Die Summe wurde vollständig durch Spenden gedeckt. In der Zwischenzeit entdecken die Tierärzte einen Mikrochip. Die früheren Halter werden kontaktiert. Sie hatten den Hund, der damals Ghost hieß, vor über einem Jahr als vermisst gemeldet. Inzwischen sind sie umgezogen und möchten ihn nicht zurückhaben.
Heute erholt sich Wolf weiter und macht jeden Tag Fortschritte. Er ist bei seiner Pflegefamilie in Sicherheit. Sie besitzt bereits Huskies und stellt sein Wohl an erste Stelle. „Wenn sie ihn nicht adoptieren, nehme ich ihn zu 100 Prozent in meine Familie auf. Aber ich bin zuversichtlich und glaube fest daran, dass sie ihn adoptieren wollen“, schließt Megan Tate.