Es sind Aufnahmen, die Tierfreunden in Köln das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ein Video zeigt Abrissarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Großmarkts – Bagger reißen Wände ein, Trümmer stürzen herab.
Für die Initiative „Großmarkt Katzen Köln“ ist das ein Schock, denn niemand hatte sie vorgewarnt. Nun herrscht nackte Angst um die dort lebenden Tiere.
Köln: Sorge um die Großmarkt-Katzen
„Jetzt stehen wir vor einer Situation, die uns den Atem nimmt“, heißt es verzweifelt auf dem Instagram-Kanal der Tierschützer. Denn eigentlich hieß es in Gesprächen mit der Stadt immer: Es gibt noch kein konkretes Datum für die Abrisse. Doch das zugespielte Videomaterial beweist das Gegenteil.
Auf dem Areal soll das neue Prestigeviertel „Parkstadt Süd“ entstehen – ein Milliarden-Projekt mit 3.300 Wohnungen und Büros.
Milliarden-Projekt „Parkstadt Süd“ walzt voran
Doch müssen für dieses Prestige-Projekt ausgerechnet die Schwächsten weichen? Auf dem Gelände leben noch immer zahlreiche verwilderte Katzen. Einst von Händlern als Schädlingsbekämpfer angeschafft, vermehrten sie sich unkontrolliert.
Die Tierschützer sind alarmiert: Der Lärm und die Erschütterungen machen die Tiere panisch. Das Einfangen zur Rettung, das bislang betrieben wurde, wird dadurch fast unmöglich, die Verletzungsgefahr steigt enorm. Besonders brisant: Eine Futterstelle der Initiative befindet sich in unmittelbarer Nähe der aktuellen Arbeiten.
Stadt Köln wiegelt ab: „Nur ein kleiner Stand“
Die Stadt Köln versucht zu beruhigen. Auf Anfrage heißt es, es handele sich nicht um den großflächigen Abriss, sondern eine Firma reiße lediglich ihren 80 Quadratmeter großen Verkaufsstand in Eigenregie ab. Hinweise auf Katzen habe es dort nicht gegeben.
Doch Mania L. von der Katzen-Initiative bleibt skeptisch. Für diesen speziellen Gebäudeteil habe offenbar kein Artenschutz-Gutachten vorgelegen – anders als für die großen Hallen. Wurde hier geprüft, ob Fledermäuse oder Vögel nisten? Und wer garantiere, dass sich keine Katze im Gebäude versteckte?
Ein Kampf gegen die Zeit
Zwar betont die Stadt, dass die Tierschützer weiterhin Zugang haben und Tierarztkosten übernommen werden, doch das Vertrauen ist erschüttert. Die Helfer fordern Transparenz, bevor die Bagger für das Luxus-Quartier weiter Fakten schaffen – und möglicherweise lebendige Tiere unter Bauschutt begraben.