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EIngang einer Stadtbibliothek
© Cineberg / Facebook (Symbolbild)

Büchereien plötzlich wieder voll im Trend: Warum Kinder dort jetzt freiwillig Schlange stehen

von Stefanie Gräf

Am veröffentlicht

Eltern sind fassungslos: Kinder betteln darum, in der Bücherei gehen und üben zu dürfen! Wer dort hinter verschlossenen Türen wartet, ist eine Sensation.

Es ist ein Phänomen, das Eltern derzeit völlig fassungslos zurücklässt. Normalerweise meiden viele Schulkinder Bücher wie eine drohende Gefahr, reagieren mit Stress, Tränen oder völliger Verweigerung.

Doch in Bibliotheken wie im Mannheimer Herzogenried spielt sich aktuell etwas Rätselhaftes ab: Kinder betteln förmlich darum, in die Bücherei zu gehen. Sie stehen freiwillig Schlange. Der überraschende Grund: Diese Mädchen und Jungen wollen unbedingt Lesen üben – aber mit einem gewissen Extra.

Amber hilft beim Lesen

Wenn die neunjährige Lisa an der Reihe ist, müssen die Eltern draußen im abgetrennten Bereich bleiben, berichtet fr.de. Das Mädchen betritt den Raum ganz allein, macht es sich auf einem blauen Sitzkissen gemütlich und schlägt ihr Buch auf.

Sie stellt sich hier ihrer größten Unsicherheit, doch sie tut es nicht vor den strengen Augen einer Lehrkraft, die jeden Fehler notiert. Neben ihr auf dem Boden wartet ein eher ungewöhnlicher Zuhörer: die speziell ausgebildete Retriever-Hündin Amber.

Was hier im Verborgenen stattfindet, ist eine hochwirksame, aus den USA stammende Methode der tiergestützten Leseförderung. Das Konzept der „Reading Dogs“ ist der wahre Grund für den plötzlichen Ansturm.

Denn Amber tut das, was im Schulalltag fast unmöglich ist: Sie unterbricht nicht. Sie korrigiert nicht jeden Stolperer. Sie urteilt nicht. Sie liegt einfach nur da und hört extrem geduldig zu.

Lesehunde endlich auch in Deutschland

Für viele Kinder ist die Angst vor dem Vorlesen ein ständiger, lähmender Begleiter. Der Leistungsdruck schnürt ihnen oft genug buchstäblich die Kehle zu.

Dass die Begegnungen mit den Hunden diese tiefe Blockade durch brechen, ist weit mehr als reine Einbildung – es ist wissenschaftlich belegt. Selbst die Stiftung Lesen bezeichnet den Ansatz mittlerweile als hochgradig innovativ. Was während dieser leisen Sitzungen passiert, löst im Nervensystem der Kinder messbare Reaktionen aus.

Der Umgang mit dem völlig entspannten Tier lässt das Stresshormon Cortisol im Körper drastisch sinken. Gleichzeitig wird durch das Streicheln das Glücks- und Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Die panische Angst verschwindet und weicht einem tiefen Gefühl der Sicherheit.

Lesehunde jetzt auch in Deutschland
Vorlesehündin Amber bei der Arbeit (epd-bild: Christine Süß-Demuth / fr.de)

Erfolgsquote ist mehr als beeindruckend

Die Ergebnisse dieser Methode sind atemberaubend: Der zehnjährige Elias, der früher unter Druck extrem hastig las, vertieft sich nun hochkonzentriert in sein Buch. Der achtjährige Tiago entspannt sich neben der Hündin zusehends und vergisst seine Schulängste.

Wenn sich die Tür der Bibliothek schließlich wieder öffnet, kommen diese Kinder nicht nur mit einem Pfoten-Sticker für ihren Lesepass heraus. Sie verlassen den Raum mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen, das ihnen niemand mehr nehmen kann. Dank Lesehündin Amber.

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