Es sollte eine Überraschung für die beste Freundin werden. Ein Geschenk, das von Herzen kommt. Doch für die 21-jährige Ecaterina aus Baden-Württemberg endet die gute Tat in einem psychischen Ausnahmezustand.
Was als harmloser Kauf bei Kleinanzeigen beginnt, entwickelt sich binnen Stunden zu einer viralen Jagd, bei der sie plötzlich im Fadenkreuz steht.
Der verhängnisvolle Katzen-Kauf
Alles beginnt ganz unscheinbar. Ecaterina sammelt mit Freunden Geld. Der Plan: eine Katze für die Freundin kaufen, die sich schon so lange einen Stubentiger wünscht. Auf dem Portal Kleinanzeigen.de wird sie fündig.
Ein Anbieter nahe Stuttgart verkauft eine junge Katze. Vor Ort verliebt sich die 21-Jährige jedoch in den zweiten Kater der Wohnung: Cosmo. Getigertes Fell, weiße Pfötchen, große Kulleraugen. Der Verkäufer verlangt 250 Euro.
Ecaterina zahlt, nimmt Cosmo mit und fährt glücklich nach Hause. Sie ahnt nicht, dass sie in diesem Moment Teil eines illegalen Geschäfts wurde.
Der Verrat eines Freundes
Im Tierschutzverein „Mensch und Tier Region schwäbische Alb“ herrscht jedoch blankes Entsetzen, als man dort vom Kauf erfährt. Kater Cosmo ist nämlich nicht irgendeine Katze.
Die Tierschützer hatten ihn einst als Winzling „aus dem Müll gefischt“ und aufgepäppelt. Sie hatten ihn in ein vermeintlich perfektes Zuhause vermittelt – an einen jungen Mann, der als Freund des Vereins galt...
Dass ausgerechnet er den Kater nun im Internet verscherbelt, ist für die Vereinsvorsitzende ein Schock, wie sie im Gespräch mit stuttgarter-zeitung.de erzählt: „Das trifft uns auf einer wahnsinnig emotionalen Ebene.“ Es ist ein massiver Vertragsbruch. Aus Schützlingen wurde Ware.
Die virale Fahndung
Die Tierschützer haben nur eine Chance: Sie müssen Cosmo finden. Sofort. Ein Facebook-Post wird abgesetzt. „Illegaler Verkauf: Wo ist Kater Cosmo?“, lautet der Hilferuf. Die Tierschützer suchen nach einer jungen Frau, einem Auto mit Böblinger Kennzeichen.
Das Internet reagiert sofort. Über 900 Mal wird der Beitrag geteilt. Eine digitale Jagd beginnt, getrieben von der Sorge um das Tier. Das Netz zieht sich immer enger um die unbekannte Käuferin zusammen.
„Ich hatte das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben“
In Herrenberg bekommt Ecaterina Wind von der Suche. Plötzlich sieht sie sich konfrontiert mit der Wut und der Verzweiflung der Tierschützer. Sie realisiert: Ich bin die Gesuchte.
„Das hat mich sehr verunsichert und ehrlich gesagt auch in Panik versetzt“, gesteht sie rückblickend. Die junge Frau ist überfordert. Sie wollte nur helfen, jetzt fühlt sie sich wie eine Verbrecherin. „Ich hatte das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben.“
Das Ende der Angst
Doch Ecaterina beweist Mut. Statt sich zu verstecken, greift sie zum Hörer. Sie ruft das Tierheim an. Das Gespräch verläuft ruhig, die Missverständnisse klären sich auf. Die Tierschützer erkennen schnell: Die junge Frau trifft keine Schuld. Sie wurde genau wie der Verein getäuscht.
Das Drama endet versöhnlich. Cosmo darf in seinem neuen Zuhause in Herrenberg bleiben. Der Verkäufer wurde angezeigt. Für Ecaterina bleibt es eine Lehre fürs Leben – künftig wird sie um Internet-Portale sicherlich einen großen Bogen machen, wenn sie wieder einmal ein Haustier suchen sollte.