Es gibt Momente, da traut man seinen eigenen Ohren nicht. Eine Frau aus dem Landkreis Stade (Niedersachsen) läuft durch ihr Dorf, nur 50 Meter von ihrem Zuhause entfernt, als sie plötzlich stehen bleibt.
Denn aus dem kalten Asphalt, direkt unter ihren Füßen, dringt ein leises, klägliches Wimmern! Es ist ein Lebenszeichen, auf das sie seit zwei Wochen kaum noch zu hoffen gewagt hatte.
14 Tage in der Dunkelheit
Der Albtraum begann an Silvester. Der geliebte rote Kater der Frau verschwindet spurlos. Tagelang sucht sie, hängt Plakate auf, startet Aufrufe – doch Timy ist wie vom Erdboden verschluckt.
Jetzt, 14 Tage später, wird klar: Er war buchstäblich vom Erdboden verschluckt worden! Der Kater kletterte offenbar in einen ungesicherten Regenwasserkanal und irrte seit zwei Wochen in völliger Dunkelheit durch das unterirdische Rohrsystem von Wiepenkathen.
Verschollem im unterirdischen Labyrinth
Als der Notruf bei der Leitstelle in Stade eingeht, wird schnell klar: Das ist keine normale Katzenrettung. Timy sitzt nämlich in einem verzweigten Labyrinth, rund zweieinhalb Meter tief unter der Straße.
Das Problem: Jede falsche Bewegung könnte das verängstigte Tier tiefer in das schier unendliche Rohrsystem treiben. Ein Experte der Abwasserversorgung muss anrücken, eine Sanitärfirma liefert eine Spezialkamera, um den Schacht auszuleuchten. Sogar eine Tierärztin gibt telefonisch Instruktionen.
27 Helden geben alles für Timy
Was dann folgt, ist eine beispiellose Rettungsaktion. 27 Feuerwehrleute rücken an. Einige steigen selbst hinab in den Untergrund. Mit Schläuchen versuchen sie vorsichtig, Timy den Weg zu einem geöffneten Schacht zu weisen.
Doch die wichtigste Hilfe kommt von oben: Während die Retter unten arbeiten, kniet Timys Halterin am offenen Schacht und ruft immer wieder seinen Namen. Sie ist sein Kompass in der Dunkelheit.
Das Wunder nach 2,5 Stunden
Es dauert endlose zweieinhalb Stunden, bis der Plan aufgeht. Dann endlich taucht Timy auf. Der Sprecher der Leitstelle beschreibt den Gänsehaut-Moment, als Kater und Frauchen sich wiedersehen: „Sie nahm ihn endlich in die Arme.“
Und das Wunder ist komplett: Nach 14 Tagen ohne Futter und Licht ist Timy nicht nur am Leben, sondern „putzmunter und zutraulich“. Er hat sein Abenteuer fast unbeschadet überstanden.
Die nächsten Tage wird der Ausreißer nun allerdings sicherheitshalber auf der heimischen Couch verbringen – weit weg von jedem Gullydeckel.
