Tessy aus Langenargen am Bodensee ist eine Freigänger-Katze – und genau das wurde ihr vor Kurzem zum Verhängnis. Nachts ist sie immer unterwegs, doch auf Pfiff kommt sie sofort nach Hause zurück. Nicht so an jenem Morgen.
Es ist sieben Uhr morgens, als Halter Andy H. in den Garten geht und seine Samtpfote ruft. Zunächst denkt er sich nichts dabei, als die nicht gleich erscheint. Doch zurück in der Wohnung entdeckt der Katzenhalter plötzlich jede Menge Blut in der Wohnung! Und dann hört er Tessys verzweifelte Schreie!
Blutige Spur ins Schlafzimmer
„Sie hat sich die Treppe hinauf geschleppt, weil ich dort schlafe“, sagt Andy H. und beschreibt den Schock-Moment: „Als ich ihre Pfote sah, wurde mir schlecht.“
Tessys linke Vorderpfote ist völlig zerfetzt! Wie er später erfährt, hat Tessy drei Trümmerbrüche, ihre Sehnen sind durchtrennt, der Pfotenballen offen. Die Tierärztin in Langenargen schickt den Katzenhalter nach Ravensburg in die Tierklinik. Ihre Vermutung: Die Verletzungen müssen von einem Mähroboter kommen.
Die Tierärzte dort veranlassen sofort eine Not-Operation, verabreichen Tessy Morphium gegen die Schmerzen. Auch sie gehen von einem Mähroboter-Unfall aus. Zwei Nächte verbringt das vierjährige Tier dort. „Wir waren zuversichtlich, aber ihr trauriger Blick war hart“, sagt Andy Heinrich.
Der nächste Schock!
Bei der Nachkontrolle dann der nächste Schock: Der Pfotenballen ist bereits halb abgestorben, die Wunde beginnt schon unangenehm zu riechen! Das Risiko einer Blutvergiftung ist trotz Antibiotika zu hoch – die Ärzte raten daher zur Amputation. Schweren Herzens stimmt Tessys Halter zu, auch weil man ihm sagt, dass sich die Tiere schnell an drei Beine gewöhnen.
Nun muss Tessy mindestens zehn Tage im Quarantäne-Käfig verbringen. Noch ist die Lage kritisch, doch die Überlebenschancen stehen gut. „Im Moment schläft sie fast nur wegen der Medikamente. Aber sie frisst und trinkt ein wenig, das ist ein gutes Zeichen“, so Andy H. Rund .3000 Euro haben ihn die Behandlungen bisher gekostet.
Tessy scheint leider auch ein kleiner Pechvogel zu sein: Vor einem Jahr wurde sie mit zwei Babys in einem Bananenkarton an einer Tankstelle ausgesetzt. Heinrich nahm sie auf. Kurz danach musste sie bereits ihre erste Operation überstehen, nachdem sie von einem Wildtier schwer gebissen worden war.
Mähroboter als unterschätzte Gefahr
Dass nun ein Mähroboter zum schlimmsten Kapitel von Tessys Lebensgeschichte wurde, überrascht die Tierkliniken nicht. Schon Katze Mia aus demselben Ort verlor kürzlich eine Pfote durch solch ein Gerät.
Besonders häufig trifft es aber Igel – daher haben Städte wie Köln, Leipzig oder Göttingen bereits nächtliche Verbote für die Geräte erlassen.

15 bis 20 Fälle pro Jahr
Tierarzt Felix Dominik Sonntag vom Kleintiergesundheitszentrum Ravensburg berichtet im Gesrpäch mit schwaebische.de: „Wir behandeln jedes Jahr 15 bis 20 solcher Verletzungen.“ Vor allem Igel erleiden schwere Gesichtsverletzungen. Hunde und Katzen seien besonders im Pfotenbereich gefährdet, wenn sie mit den Robotern spielen oder sie jagen.
Andere Tierärzte wie Christoph Ganal sehen Katzen als zu vorsichtig für solche Unfälle – selten, aber nicht ausgeschlossen. Er hält Mähroboter allerdings insgesamt für überflüssig: „Sie verletzen nicht nur Igel, sondern auch Insekten und Schnecken.“ Zwar würden Hersteller an besseren Sensoren arbeiten, doch ob sie Tiere zuverlässig erkennen, sei fraglich.