Dass das Telefon im Tierheim Soest klingelt, ist nichts Ungewöhnliches. Dennoch markiert dieses sonst so harmlose Geräusch an diesem Tag im Mai 2026 den Auftakt zu einem unfassbaren Albtraum.
Am anderen Ende der Leitung meldet sich ein Mann. Seine Stimme ist eiskalt und seine Worte lassen den Pflegern das Blut in den Adern gefrieren: „Gehen Sie mal nach draußen, da wartet ein Hund auf Sie. Habe keine Zeit mehr dafür.“ Dann legt er auf.
Tierschützer finden nur ein leeres Geschirr
Die Freiwillige zögern keine Sekunde und eilen sofort hinaus auf den Parkplatz. Panisch suchen ihre Blicke alles ab. Doch das Bild, das sich ihnen bietet, ist der Inbegriff ihrer schlimmsten Befürchtungen. Da ist kein Hund!
Auf dem kalten Asphalt liegen lediglich ein leeres Geschirr und ein langes Kabel. Das Tier, von seinem Halter verlassen und in vollkommener Panik, hat sich offensichtlich losgerissen und ist spurlos verschwunden. Ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Hündin in Todesangst
Plötzlich zerschneidet ein ohrenbetäubendes Geräusch die Luft. Wild hupende Autos und das schrille Quietschen von Reifen lassen die Pfleger aufmerksam werden. Das Geräusch kommt von der benachbarten Bundesstraße B1.
Als die Helfer dort eintreffen, blicken sie auf eine Szene nackter Todesangst: Eine zweijährige, massige Cane-Corso-Hündin irrt völlig orientierungslos und blind vor Panik zwischen den heranrasenden Fahrzeugen umher. Jeder Schritt könnte ihr letzter sein, und auch für die ausweichenden Autofahrer herrscht akute Lebensgefahr!
In einem riskanten Manöver gelingt es den Freiwilligen schließlich im letzten Moment, das völlig verstörte Tier einzufangen und aus der Todeszone zu zerren.
Ein gefährlicher Trend
Im Tierheim tobt man vor Wut. Der Social-Media-Beitrag der Retter spricht eine klare Sprache: Das Verhalten dieses Mannes ist durch und durch „skrupellos“. Doch das Drama um diese junge Hündin ist nur die Spitze eines gefährlichen Eisbergs.
Der Cane Corso ist in den letzten Jahren zu einem wahren Modehund avanciert. Die massigen Tiere wirken bedrohlich und dienen oft als Statussymbol, unterliegen aber nicht den strengen Haltungsauflagen klassischer „Kampfhunde“.
Das bittere Resultat: Die Halter sind mit der enormen Kraft der Tiere schnell heillos überfordert – und die Tierheime füllen sich beinahe im Wochentakt mit abgegebenen Corsos.
Halter wurde gefunden!
Der Mann, der dieses Chaos in Soest angerichtet hat, konnte laut Update der Tierschützer inzwischen aufgespürt werden – obwohl er sich alle Mühe gab, seine Spuren zu verwischen. Er rief mit unterdrückter Nummer an, sprach mit Akzent und behauptete, aus Herne zu stammen.
Für die junge, traumatisierte Hündin, die laut Kennzeichnung aus Bulgarien stammt, ist jetzt allerdings vor allem eines wichtig: Dass ihr nächster Mensch versteht, was Verantwortung bedeutet, und ihr endlich das liebevolle Zuhause gibt, das sie verdient.