Ein ohrenbetäubender Knall erschüttert am Montagnachmittag die historische Altstadt von Görlitz. Binnen Sekunden verwandelt sich ein idyllisches Haus mit Ferienwohnungen in ein hochexplosives Trümmerfeld. Wo kurz zuvor noch Urlaubsgäste einchecken wollten, klafft plötzlich eine gewaltige Lücke in der historischen Häuserzeile.
Drei Menschen werden seit der mutmaßlichen Gasexplosion vermisst. Es beginnt ein unerbittlicher Wettlauf gegen die Zeit – unter Bedingungen, die kaum gefährlicher sein könnten.
Akute Explosionsgefahr blockiert die Retter
Über 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW eilten sofort zum Unglücksort, doch vor Ort bietet sich ihnen ein Bild des Schreckens. Beißender Gasgeruch liegt über der gesamten Straße. Das Problem: Der zentrale Absperrhahn befindet sich tief vergraben unter den Tonnen von Schutt...
Für das Rettungsteam bedeutet das den absoluten Ausnahmezustand. Jedes schwere Gerät, jeder Bagger und jede Kettensäge ist in dieser Zone strengstens verboten. „Ein Funke und es könnte eine weitere Explosion geben“, berichtet ein sichtlich gezeichneter Helfer vor Ort.
Die Retter sind gezwungen, sich extrem behutsam voran zu arbeiten – oft nur mit den bloßen Händen. Jeder falsche Tritt in dem instabilen Schutthaufen könnte zudem weitere Hohlräume zum Einsturz bringen.
Nur Minuten trennen ein Paar von der Katastrophe
Mitten in diesem Chaos sitzt ein junger Mann namens Cosimo C. und starrt fassungslos auf die Trümmer. Unter den Schuttbergen werden seine Freundin Georgina (25) und deren Cousine Simona (26) vermutet. Sie wollten hier eigentlich nur ein paar unbeschwerte Urlaubstage verbringen.
Ein winziges Detail rettete Cosimo das Leben, zerreißt ihm nun aber das Herz: „Weil Georgina Kopfschmerzen hatte, habe ich die Ferienwohnung verlassen, um Tabletten zu holen.“ Als er wiederkam, war seine gesamte Zukunft weggesprengt. Im kommenden Sommer wollte das junge Paar heiraten. Jetzt bleibt ihm nur das quälende Warten.
Lebenszeichen in der Todeszone?
Als die Nacht hereinbricht und die Überlebenschancen der Verschütteten mit jeder Stunde drastisch sinken, schlägt die Stunde der vierbeinigen Helden. Da menschliche Retter im dunklen, gasverseuchten Trümmerfeld quasi blind sind, ruht alle Hoffnung auf den feinen Nasen einer Hundestaffel.
Die Spürhunde des Verbundes sächsischer Rettungshunde werden in die Gefahrenzone geschickt. Und dann der Moment, auf den alle gewartet haben: Die Hunde schlagen an!

An einer bestimmten Stelle des zerstörten Hauses verharren die Tiere und geben Laut. Die Spürhunde sind darauf trainiert, menschlichen Geruch tief unter dem Schutt wahrzunehmen. Ob die Personen darunter noch leben, können die Tiere nicht unterscheiden – aber sie liefern den Rettern den entscheidenden Anhaltspunkt, wo sie graben müssen. Sie sind in dieser Dunkelheit der einzige Wegweiser zum Leben.
„Die Wahrscheinlichkeit, Menschen lebend zu finden, sinkt mit jeder Stunde. Wir werden jeden einzelnen Stein abtragen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ — Anja Weigel, Feuerwehrchefin Görlitz, zu bild.de
Während die Einsatzkräfte nun versuchen, die Gasleitung von der Straße aus zu kappen, um endlich schweres Gerät einsetzen zu können, geht die Arbeit im Trümmerfeld im Akkord weiter. Jede Sekunde zählt – geleitet von den Spürnasen der Rettungshunde, die in diesem Drama die letzte Verbindung zu den Vermissten sind.