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Handgeschriebener Zettel auf Transportbox
© Privat / Bild.de

Raketen auf Dubai: Influencer flüchten – und lassen ihre Tiere eiskalt im Stich

von Stefanie Gräf

Am veröffentlicht

Viele Influencer und Ausländer fliehen vor dem Krieg im Nahen Osten aus der Glitzer-Metropole Dubai. Sie retten ihren Luxus, aber ihre Tiere bleiben zurück.

Ein eilig abgerissenes Stück Papier, hastig mit einem Stift bekritzelt und provisorisch auf das Dach der Plastik-Transportbox geklebt. In dem engen Behälter kauert eine verängstigte Katzenfamilie – bestehend aus vier Katzenbabys und ihrer Mutter.

Die Tiere wurden einfach abgestellt und sich selbst überlassen. Dieses Bild ist kein trauriger Einzelfall – es ist das erschütternde Symbol eines beispiellosen Massen-Verrats, der sich aktuell in den Metropolen der Vereinigten Arabischen Emirate abspielt.

Dubai: Fluchtwelle der Influencer

Als die ersten Raketen des Iran-Krieges in Dubai einschlagen, bricht in den luxuriösen Penthäusern und Villen blanke Panik aus. Ausländer, wohlhabende Geschäftsleute und Social-Media-Influencer packen überstürzt ihre Koffer.

Die Prioritäten sind in diesen chaotischen Minuten klar verteilt: Der Reisepass, der teure Laptop und die wertvolle Luxus-Uhr werden sicher verstaut. Hauptsache, man kommt schnell weg und hat die Wertgegenstände dabei.

Doch in der Hektik der Flucht treffen viele dieser Menschen eine eiskalte Entscheidung. Wenn die Wohnungstür endgültig ins Schloss fällt, lassen sie ausgerechnet das zurück, was sich nicht selbst retten kann: ihre eigenen Haustiere.

Eine Schwemme der Herzlosigkeit

„Hier gibt es kein staatliches Heim, das Tiere im Notfall aufnehmen könnte“, erklärt die 18-jährige Tas. Sie lebt in Dubai und versucht über ihr Internet-Portal „UAE Animal Community“ verzweifelt, das Schlimmste zu verhindern. Ihren Nachnamen hält sie aus Angst vor Repressionen geheim.

Für Tas begann der Albtraum mit einem simplen Facebook-Post: Die Halter einer Katze schrieben ungeniert, dass sie mit dem Auto in den Oman geflohen seien – ohne ihr Tier.

„Da habe ich erst verstanden, was jetzt passieren wird“, berichtet Tas gegenüber BILD. Seitdem rollt eine „regelrechte Schwemme zurückgelassener Tiere“ durch die Stadt. In ihren WhatsApp- und Facebook-Gruppen dokumentiert sie bereits rund 200 Fälle.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein Blick auf die Profile der ehemaligen Halter offenbart die bittere Wahrheit: Es sind Menschen, die im Luxus schwelgen, darunter viele bekannte Influencer.

Die Tiere bleiben zurück

Wer nun glaubt, die Mitnahme der Tiere sei in den Kriegswirren schlichtweg unmöglich oder unbezahlbar gewesen, irrt gewaltig. Die bittere Realität ist viel banaler und grausamer: Es war den Schönen und Reichen einfach zu viel Aufwand.

„Dabei kostet es zum Beispiel nur rund 100 Euro, wenn man ein Tier im Flieger nach Deutschland mitnehmen will“, rechnet Tas vor. Das eigentliche Hindernis ist die Bürokratie.

Um ein Tier über die Grenze zu bringen – egal ob per Flugzeug oder auf dem Landweg in den Oman –, braucht es einen Haustierpass und gültige Impfnachweise. Eine Tollwut-Impfung und die entsprechenden Blutwerte erfordern eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Wochen.

Zeit und Mühe, die viele für ihre tierischen Begleiter offenbar nicht investieren wollen. Manche fahren lieber einfach los und überlassen ihre Hunde und Katzen ihrem Schicksal.

Hilfsangebote eiskalt ignoriert

Dass es sich hierbei nicht um hilflose Überforderung, sondern um pure Kaltschnäuzigkeit handelt, zeigt sich am Einsatz der freiwilligen Helfer. Tas hat in rund 50 Fällen den flüchtenden Haltern aktiv angeboten, die nötigen Reisedokumente für die Tiere zu besorgen. Ihre erschütternde Bilanz: „Aber die wollen einfach nicht.“

Während die Influencer sich längst in Sicherheit gebracht haben und ihre geretteten Luxusuhren am Handgelenk tragen, bleibt in Dubai ein Heer an verlassenen Lebewesen zurück – eingesperrt in Wohnungen, angebunden an Sitzbänken oder ausgesetzt in Transportboxen mit handgeschriebenen Zetteln.

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