Es gibt Bindungen, die so tief gehen, dass jede räumliche Trennung wie ein leiser Entzug wirkt. Für „Tagesthemen“-Moderatorin Jessy Wellmer ist ihre vierjährige Labradoodle-Hündin Juni Scherbatsky genau das: ein unverzichtbarer seelischer Anker.
Doch diese intensive Beziehung prallt alle vierzehn Tage mit voller Wucht gegen eine unsichtbare, eiserne Mauer. Ein striktes Regelwerk ihres Arbeitgebers zwingt den in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) geborenen TV-Star zu einer schmerzhaften Trennung – und stellt ihren Alltag massiv auf die Probe.
Jessy Wellmers „Psychotherapeut auf vier Pfoten“
Als absolute Hunde-Anfängerin wagte Wellmers Familie einst das Abenteuer mit dem anti-allergenen Labradoodle – benannt nach der Serienfigur Robin Scherbatsky ("How I met your mother").
Was als Familienprojekt begann, entwickelte sich für die 46-jährige Journalistin schnell zu einer essenziellen emotionalen Stütze. Juni ist für sie weit mehr als ein Haustier, das den Alltag auflockert. Sie ist, in Wellmers eigenen Worten, ihr „Psychotherapeut auf vier Pfoten“.
In den ruhigen Momenten in Berlin fängt die Hündin alles auf, was sich tagsüber angestaut hat. „Der Hund bekommt mein tägliches Seufzen ab“, gesteht die Moderatorin.
Es ist eine stumme, aber spürbare Kommunikation. „Der Hund atmet, er reagiert auf meine Stimme – es gibt eine Resonanz.“ Wenn Juni auf dem Sofa liegt, fühlt sich Wellmer niemals allein.
Protest gegen NDR-Hundeverbot
Doch diese tiefe Verbundenheit wird von ihrem Arbeitgeber radikal beschnitten. Jede zweite Woche reist Wellmer nach Hamburg, um für die ARD die „Tagesthemen“ zu moderieren. Und hier, vor den Toren des Norddeutschen Rundfunks (NDR), zieht der Sender eine knallharte, unüberwindbare Grenze: Hunde sind auf dem Gelände und im Newsroom strikt verboten.
Es gibt keinen Promi-Bonus und keine Kompromisse. Der NDR bleibt bei seiner Null-Toleranz-Politik. Für Wellmer bedeutet das: Jede zweite Woche muss sie ihren geliebten Vierbeiner in Berlin zurücklassen.
Der Abschied fällt jedes Mal schwer. Ohne Juni, so gesteht Wellmer, spricht sie in Hamburg nicht. Die Resonanz fehlt. Die Trennung reißt alle zwei Wochen eine schmerzhafte Lücke in ihr Leben.
Gescheiterte Rebellion im Newsroom
Die Zeiten, in denen Bürohunde beim NDR willkommen waren, sind längst vorbei. Das Verbot kam vermutlich mit den Großraumbüros. Doch der Unmut hinter den Kulissen brodelt. Eine Mitarbeiter-Petition versuchte bereits, die Vierbeiner an den Arbeitsplatz zurückzuholen – doch die Chefetage blieb bislang stur.
Auch wenn Wellmer selbst zugibt, dass tobende Hunde während einer „Tagesschau“-Sendung problematisch wären, sehnt sie sich zutiefst nach der Anwesenheit ihrer Hündin: „Es würde mir die Sendewoche trotzdem sehr versüßen.“ Doch sogar sie muss sich der Hausordnung beugen.
.jpg)
Ständige Angst vor dem Abschied
Was bleibt, ist nicht nur der Schmerz der zweiwöchentlichen Trennung, sondern auch der melancholische Blick auf die vergängliche Zeit. Obwohl die Flummi-hafte Juni erst vier Jahre alt ist, kreisen die Gedanken der Familie bereits um das unausweichliche Ende.
„Was machen wir bloß, wenn Juni nicht mehr da ist?“, ist ein Satz, der oft fällt und Wellmers Tochter schon heute in Tränen ausbrechen lässt. Jeder Tag, an dem das Sender-Verbot die Moderatorin von ihrer Hündin trennt, ist ein Tag verlorener, wertvoller Zeit.