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Auto mit einer Frau auf der Rückbank
© KI / ChatGPT

Mitten im Winter obdachlos aus Liebe: Hundehalterin kann nicht zurück in ihr Zuhause

von Stefanie Gräf

Am veröffentlicht

Sie hat einen Wohnungsschlüssel, dennoch kann sie nicht hinein. Der rührende Grund, warum eine Stuttgarterin seit einer Woche bei Minusgraden im Auto schläft.

Es ist dunkel, die Temperaturen nähern sich dem Gefrierpunkt. In einer unscheinbaren Straße in Stuttgart steht ein geparktes Auto. Die Scheiben sind von innen beschlagen. Wer genau hinsieht, erkennt Bewegungen im Inneren.

Es handelt sich nicht um jemanden, der kurz wartet oder sich ausruht. In diesem speziellen Fall wohnt hier jemand im Auto. Seit einer Woche ist dieser PKW das einzige Zuhause von Divna und ihrer Hündin Shanti. Ein freiwilliges Exil auf vier Rädern.

50 Kilo und die Schwerkraft

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Fall von sozialem Abstieg. Doch der Schein trügt. Divna hat einen Job und auch eine Wohnung, aber diese kann sie nicht betreten. Ein unüberwindbares Hindernis trennt sie von ihrem bequemen Bett.

Der Grund für die Obdachlosigkeit auf Zeit ist eine medizinische Notsituation, die zur logistischen Falle wurde. Shanti, ihre geliebte Hündin, musste operiert werden. Die strikte Anweisung der Ärzte: Die Fellnase darf keine Treppen laufen.

Hier beginnt das Drama, denn Shanti wiegt 50 Kilogramm. Divna wiegt ebenfalls um die 50 Kilogramm. Und das ergibt unter dem Strich ein gnadenloses Problem: Die Halterin kann ihr Tier unmöglich die Treppen zur Wohnung hochtragen, ohne die frischen Nähte zu gefährden. Der Weg nach oben ist beiden bis auf Weiteres versperrt.

22 Stunden am Tag im Auto

Die Konsequenz, die Divna daraus zieht, ist radikal. Statt Shanti allein im Auto zu lassen, zieht das Frauchen zu ihr. 22 Stunden am Tag verbringen die beiden nun auf wenigen Quadratmetern Polster und Blech. Eingesperrt aus Liebe.

„Wir hätten auch im Büro schlafen können“, sagt Divna, aber die Pflege ihrer Mutter im eigenen Zuhause machte das Pendeln unmöglich. Also blieb nur das Auto vor der Tür.

Stuttgarterin lebt wegen Hund im Auto
Für ihre Shanti lebt Divna sogar im Auto (privat / SWR3)

Viele freundliche Helfer

Dass Hund und Halterin die nasskalten Nächte überstehen, verdanken sie einem Netzwerk aus Helfern. Nachbarn und Freunde agieren wie heimliche Versorger: Sie bringen Wärmflaschen, heißen Tee und warme Mahlzeiten ans Autofenster. Sie helfen beim schweren Ein- und Ausladen der Patientin.

Es ist eine Extremsituation, doch Divna sieht sich trotz allem nicht in einer Opferrolle. „Wir haben auch schon draußen mal einen Sekt getrunken“, erzählt sie als Beispiel für einen der schönen Momente.

Für sie steht fest: „Ich glaube, das würde jeder Hundebesitzer genauso machen.“ Bis die Nähte bei Shanti verheilt sind, bleiben die beiden im Auto – denn sich von ihrer Hündin zu trennen, das ist für Divna definitiv keine Option.

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