Es ist ein wiederkehrendes Muster, das die Mitarbeiter im Tierheim Nordhausen (Thüringen) allmählich an den Rand der Verzweiflung treibt. Das Telefon klingelt, die Begeisterung am anderen Ende der Leitung ist groß, und für einen kurzen Moment keimt echte Hoffnung auf. Hat „Mali“ jetzt endlich auch einmal Glück?
Doch sobald es ernst wird, folgt der abrupte Absturz. Mali wird wieder einmal geghostet. Zurück bleibt ein junger Hund, dessen Hoffnungen auf ein echtes Zuhause erneut bitter enttäuscht wurden – und ein Tierheim-Team, das fassungslos vor den Scherben unzähliger falscher Versprechen steht.
Was stimmt mit Mali nicht?
Dabei sollte für den jungen Cane-Corso-Mischling Mali eigentlich alles besser werden. Um seine Vermittlungschancen zu erhöhen, wurde der einjährige Rüde extra aus dem Tierheim Trier nach Nordhausen verlegt.
Der Plan schien zunächst voll aufzugehen. Es meldeten sich gleich etliche Interessenten auf einmal, die dem jungen Hund alle unbedingt ein neues Leben bieten wollten. Doch dann beginnt das unerklärliche Phänomen, das Malis Pfleger zunehmend zermürbt.
Ein Interessent nach dem anderen springt immer wieder plötzlich ab. Kurz vor der Ziellinie gibt es stets einen Rückzieher und die Bewerber lassen den Hund eiskalt sitzen. Auf Facebook machten die Mitarbeiter ihrem aufgestauten Frust nun schonungslos Luft: „Erst schreien alle ‚Hier‘ – dann springen plötzlich alle Interessenten ab…“
Erst Begeisterung, dann Ghosting
Was ist der Grund für diese ständige Flucht der Interessenten? Die Antwort liegt in einer Realität, die viele Menschen bei der Anschaffung völlig unterschätzen.
Mali ist nun einmal noch kein fertiger Hund, den man nach Feierabend einfach neben sich auf die Couch setzt. Der Rüde steckt mitten in der Pubertät. Er ist ein wahres Energiebündel, das absolute Konsequenz und eine klare Führung einfordert.
Während er mit anderen Hündinnen gut auskommt, offenbart sich bei einer bestimmten Begegnung eine gewaltige Herausforderung: Mali hat einen ausgeprägten Jagdtrieb, sobald er Katzen oder Kleintiere ins Visier nimmt.
Genau diese ungeschönte Wahrheit scheint der Punkt zu sein, an dem die anfängliche Euphorie der Bewerber jedes Mal kläglich scheitert. So zumindest die aktuelle Vermutung der Tierschützer.
Kein Platz für Träumer
Trotz der nicht enden wollenden Absagenflut gibt das Team in Nordhausen nicht auf. Doch nun sucht man dort gezielt nach Realisten für den bildhübschen Cane-Corso-Mischling.
Denn Mali braucht Menschen, die ihm nicht nur leere Versprechen machen, sondern ihm echte Sicherheit geben. Optimalerweise eine sportliche Familie, die Lust hat, intensiv mit ihm zu arbeiten, um seine Energie in die richtigen Bahnen zu lenken. Aktuell wartet Mali noch…