Bei diesem Anblick wird der Frau das Herz unendlich schwer. Im Eingangsbereich eines Hauses in Kassel sitzen dicht aneinander gedrängt zwei kleine Samtpfoten. Sie wirken unendlich verloren, als würden sie hoffen, dass sich eine Tür für sie öffnet.
Oder warten sie auf den einen Menschen, der längst beschlossen hat, nie wiederzukommen? Die Finderin, eine Mitarbeiterin des Kasseler Tierheims „Wau-Mau-Insel“, zögert aber nicht lange und macht stattdessen Nägel mit Köpfen.
Katzen-Duo wird sich selbst überlassen
Das Brüder-Duo, das später die Namen Koda und Kenai bekommt, wirft drängende Fragen auf. Wie können zwei zutrauliche, etwa vier Jahre alte Europäisch-Kurzhaar-Kater einfach so auf der Straße landen, ohne dass jemand nach ihnen sucht? Keine verzweifelten Anrufe beim Tierheim, keine Suchplakate an den Laternen.
Die perfide Wahrheit: Jemand muss sie ganz bewusst aus seinem Leben gestrichen haben. Die beiden Kater sind zwar kastriert – hatten also definitiv einmal eine Familie, die sich um sie kümmerte –, doch sie wurden nie gechippt oder registriert. Das macht es unmöglich, den ehemaligen Halter zur Verantwortung zu ziehen.
Eine rettende Entscheidung im Hausflur
In diesem trostlosen Eingangsbereich trifft die Tierschützerin eine essenzielle Entscheidung: Sie sieht nicht weg. Sie fasst sich ein Herz, sammelt das verlassene Duo ein und bringt es in die Sicherheit des Tierheims.
Dort, in der „Wau-Mau-Insel“, wird sofort eine zweite, eiserne Regel für die beiden aufgestellt: Was auch immer dieses Brüderpaar durchgemacht hat, sie haben nur noch sich selbst – und deshalb sollen sie unter keinen Umständen jemals getrennt werden.

Endlich in Sicherheit!
Der Verrat hat Spuren hinterlassen. Im Vermittlungszimmer zeigt sich deutlich: Koda und Kenai bilden eine geschlossene Einheit. Auf engen Kontakt zu anderen, fremden Artgenossen legen sie absolut keinen Wert. Sie suchen nun nach Menschen, die sie nie wieder im Stich lassen.
Für das Duo wird dringend eine zuverlässige Familie gesucht, die in einer sicheren, katzenfreundlichen Umgebung lebt. Fernab von gefährlichem Straßen- und Schienenverkehr sollen die beiden nach einer Eingewöhnungsphase endlich wieder unbeschwert durch nachbarschaftliche Gärten streifen dürfen. Zusammen, Seite an Seite.
Wer dem unzertrennlichen Brüderpaar endlich die Liebe und Geborgenheit schenken möchte, kann sich an die „Wau-Mau-Insel“ in Kassel wenden.
