Für Susanne S. (46) bricht in diesen Tagen eine Welt zusammen. Sie steht vor den Trümmern ihres Lebens, vollkommen ohnmächtig gegen ein System, das offenbar keine Empathie kennt.
Alles, was die Erzieherin in den letzten Jahren für ihren geliebten Labrador „Boon“ aufgebaut hat, droht durch einen einzigen, eiskalten Beschluss hinter verschlossenen Türen für immer vernichtet zu werden.
Richter ordnet Boons Versteigerung an
Susannes gesamtes Dasein dreht sich um ihren Hund. Als Boon im Sommer 2021 als winziger Welpe zu ihr und ihrem damaligen Partner kommt, krempelt sie ihr Leben um. Sie reduziert ihre Stunden und arbeitet seitdem nur noch in Teilzeit, um jede freie Minute für den Vierbeiner da zu sein.
Sie bildet Boon sogar zum Therapiebegleithund aus, damit er an ihrer Seite traumatisierte Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen unterstützen kann.
Doch nach der Trennung von ihrem Ex-Freund verwandelt sich die anfänglich friedliche Absprache in Bezug auf den Hund in einen erbitterten Kampf. Das versuchte Wechselmodell scheitert schnell, die Kommunikation bricht ab und die Fronten verhärten sich unerbittlich.
Das gnadenlose Gesetz
Dann folgt der absolute Schockmoment – der Streit um Boon landet vor Gericht. Und der Richter trifft eine unbarmherzige Entscheidung, die Tierfreunden das Blut in den Adern gefrieren lässt.
Rein rechtlich ist der treue Labrador nämlich kein fühlendes Familienmitglied, sondern schlichtweg ein toter Gegenstand – wie ein altes Möbelstück, um das man nach einer Trennung streitet.
Weil man einen Gegenstand nicht in der Mitte teilen kann, lautet der gnadenlose Beschluss des Richters: Boon wird versteigert. Wer das meiste Geld auf den Tisch legt, bekommt den Hund. „Wer versteigert seine Familie?“, fragt Susanne unter Tränen im Interview von RTL, fassungslos über die Kälte dieser Anordnung.
Ungleicher Kampf gegen die Uhr
Was nun stattfindet, ist ein zermürbender Wettlauf gegen die Zeit – und ein völlig ungleicher Kampf. Susanne hat all ihre Ersparnisse für diesen kräftezehrenden Konflikt restlos aufgebraucht, während ihr Ex-Partner finanziell weit überlegen ist.
In nackter Verzweiflung klammert sich Boons Frauchen nun an ihren allerletzten Strohhalm: Sie hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen, die immerhin schon knapp 5.000 Euro eingebracht hat. Doch niemand weiß, ob diese Summe gegen ihren Ex-Partner reicht.
Das Datum für den Tag X steht noch nicht einmal fest. Bis der Hammer endgültig fällt, lebt Susanne in der quälenden, täglichen Angst, dass jeder gemeinsame Moment mit Boon ihr allerletzter sein könnte.